Berlin : 40 Prozent der unter sechsjährigen Weddinger von Armut betroffen

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27 716 Einwohner des Bezirks erhalten Sozialhilfe. Das sind 17,7 Prozent. Nach Kreuzberg hat Wedding damit die höchste Quote Berlins. Eine vom Bezirksamt in Auftrag gegebene Studie belegt zudem, dass insbesondere Kinder auf Unterstützung von Amts wegen angewiesen sind: Für über 40 Prozent der unter Sechsjährigen zahlt das Bezirksamt Sozialhilfe. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Hilfeempfänger: Bei der Gruppe der 20- bis 45jährigen sind es beispielsweise noch 16 Prozent. Auch keinen Beruf gelernt zu haben, erhöht das Risiko gewaltig: So sind unter den volljährigen Hilfeempfängern 61 Prozent ohne Berufsabschluss, 18 Prozent haben die Schule nicht beendet.

Besonders teuer sind für das Sozialamt alleinstehende Hilfeempfänger, sie beanspruchen durchschnittlich 1103 Mark, wo hingegen ein Zweipersonen-Haushalt nur 230 Mark mehr bekommt. Auch stellen Einpersonenhaushalte mit 47 Prozent die größte Gruppe bei den Haushalten, in 32 Prozent der Haushalte leben zwei oder drei, in 21 Prozent vier oder mehr Personen, wie die Studie des Instituts für angewandte Demographie ergab.

Die Studie, in der ein genauer Blick auf die Struktur der Sozialhilfe-Empfänger geworfen wurde, soll nun dazu dienen, Schwerpunkte für Weiterbildungsangebote und andere Maßnahmen festzulegen, sagte Sozialstadträtin Elke Gassert gestern bei der Vorstellung der Zahlen. Ein sehr großer Anteil der Arbeitslosen sei beispielsweise in einem Alter, "das nach Qualifizierung schreit", sagte die Autorin der Studie, Dagmar Pattloch-Geißler.

Untersucht wurden auch Nationalität, Geschlecht, Dauer des Bezugs und regionale Verteilung im Bezirk. 52,5 Prozent der Hilfeempfänger sind Deutsche, 22 Prozent besitzen die türkische Staatsangehörigkeit, jeweils zwischen drei und vier Prozent kommen aus Bosnien-Herzegowina, Libanon und Jugoslawien. Ein besonderes Risiko, Sozialhilfe zu benötigen, haben auch Frauen zwischen 20 und 45 Jahren, von ihnen sind 18,5 Prozent bedürftig, hingegen sind es bei Männern im gleichen Alter nur 14 Prozent. Die Hälfte der Empfänger bezieht die Hilfe kürzer als 22 Monate. Auffällig an der regionalen Verteilung ist, dass die höchste Sozialhilfequote im Gebiet rund um die Brunnenstraße liegt.

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