445 Betten am Ostkreuz : Berlins größte Jugendherberge wird eröffnet

Mit zehn Millionen Euro hat das Jugendherbergswerk ein denkmalgeschütztes Backsteingebäude in ein Jugendhotel umgebaut. Die Konkurrenz kritisiert das Projekt.

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Die zur Jugendherberge umgebaute ehemalige Schule am Ostkreuz
Die zur Jugendherberge umgebaute ehemalige Schule am OstkreuzFoto: Bernd Settnik/dpa

Am Ostkreuz wird an diesem Sonnabend die größte Jugendherberge Berlins eröffnet. Das denkmalgeschützte Backsteingebäude an der Marktstraße 9–12 war seit 1907 ein Gymnasium, später Sitz der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik, und stand nach deren Umzug nach Schöneweide leer. In den vergangenen Jahren hat das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) zehn Millionen Euro in das Haus investiert und die ehemaligen Klassenzimmer zu Schlafräumen mit insgesamt 445 Betten umgebaut. Für die zweite Jahreshälfte sind bereits 40.000 Übernachtungen gebucht. Am Sonntag, 11 bis 17 Uhr, will der Betreiber seine neue Herberge an einem Tag der offenen Tür allen interessierten Anwohnern zeigen. Die ersten Reisegruppen werden am 1. Juli erwartet.

Private Hostels klagen über Wettbewerbsverzerrung

Im Vorfeld hatte es immer wieder Kritik an dem Projekt gegeben. Das Land bleibt zwar Eigentümer des Gebäudes, hat es aber für 30 Jahre gratis an das DJH verpachtet, mit Option auf weitere fünf Jahre. Betreiber privater Billighotels sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung. Die A&O-Kette, deren nächstes Hostel einen halben Kilometer entfernt in der Boxhagener Straße liegt, scheiterte mit einem Eilantrag gegen den Umbau. Die Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann sieht dem Land Mieteinnahmen in Millionenhöhe entgehen. Auch die Lärmprobleme dürften sich durch die Groß-Herberge nicht entspannen, wenn viele der jungen Touristen zum Partymachen nach Friedrichshain ziehen.

Eltern kritisieren Platzmangel in Schulen

Wegen stark steigender Schülerzahlen fragen sich Eltern der umliegenden Kieze auch, ob das Gebäude nicht besser wieder als Schule in Betrieb genommen worden wäre. In der benachbarten Grundschule an der Victoriastadt müssen die Kinder aus Platznot in Schichten essen.

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