45 Jahre Mauerbau : Erinnerung wach halten

Brandenburger und Berliner CDU-Politiker haben an der Glienicker Brücke der Opfer der Mauer gedacht. Mitglieder der Jungen Union stießen mit dem Bau einer symbolischen Mauer vor dem Linkspartei-Haus auf heftige Kritik.

Potsdam - 45 Jahre nach Beginn des Mauerbaus warnten der Berliner CDU-Spitzenkandidat für die Parlamentswahl, Friedbert Pflüger, und der Brandenburger CDU-Landesvorsitzende Jörg Schönbohm vor einer Verharmlosung der Gräueltaten der SED-Diktatur. Mitglieder der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union versuchten, eine symbolische Mauer vor einem Gebäude der Linkspartei.PDS in Potsdam aufzubauen. Das stieß bei der Linkspartei auf scharfe Kritik.

Pflüger betonte, es gebe Gemeinsamkeiten zwischen dem Nationalsozialismus und der SED-Diktatur. Es gebe keine Opfer erster und zweiter Klasse. Die Opfer der Mauer seien zugleich Wegbereiter von Freiheit gewesen. Ohne ihren Einsatz und ohne den Mut derjenigen, die 1989 in der DDR auf die Straße gingen, wäre die deutsche Einheit nicht möglich gewesen. Den Maueropfern müsse deshalb eine Ehrenpension zugestanden werden.

Schönbohm sagte, die Erinnerung an die Mauer müsse wach gehalten werden. Sie sei kein antifaschistischer Schutzwall gewesen, wie es die SED stets behauptet habe. Die Linkspartei nehme bis heute Täter in Schutz. Ihr Ehrenvorsitzender Hans Modrow sehe die Verantwortung für den Mauerbau beiderseits der Grenze. Die PDS stelle die Ideologie über die Freiheit. Nachdem auch Sozialdemokraten Opfer der Politik der SED geworden seien, müsse sich die SPD für ihre Bündnisse mit der Linkspartei schämen. Es sei ein Ausdruck der Beliebigkeit der SPD, dass sie unter anderem in Berlin gemeinsam mit der PDS regiere.

Autor und Zeitzeuge Ezard Haußmann bezeichnete die Mauer als Verbrechen. Der Gedenktag sei zugleich Mahn- und Warntag. Er gedenke mit tiefem Schmerz an die Opfer und die Talente, die sich aufgrund des Mauerbaus nicht entfalten konnten.

Linkspartei verurteilt Aktion der Jungen Union

Mitglieder der Jungen Union waren vor der Gedenkveranstaltung vor den Sitz des Potsdamer Kreisvorstandes der Linkspartei gezogen. Dort wollten sie eine symbolische Mauer hochziehen. Eine Sprecherin der Linkspartei verurteilte das Vorgehen als Klamauk, der dem Gedenken an die Opfer des Mauerbaus nicht gerecht werde. Wer 17 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder Mauern baue, erweise sich als "ewig gestrig und unbelehrbar". Die Junge Union wolle sich durch Ausgrenzung und Stigmatisierung anderer profilieren.

Dem setze die Linkspartei ihr konsequentes politisches Engagement für soziale Gerechtigkeit entgegen. Die Linke habe Lehren aus der Geschichte gezogen. Ein zurück zu Mauerbau und Unfreiheit sei mit ihr nicht zu machen.

Am Nachmittag wollten den Angaben zufolge der Stadtfraktionschef der Linkspartei und Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg sowie der Kreisvorsitzende Pete Heuer an einer Gedenkveranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte in der Lindenstraße 54 teilnehmen. In dem Gebäude war zu DDR-Zeiten ein Gefängnis der Staatssicherheit untergebracht. (tso/ddp)

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