• 50. Geburtstag der Freiheitsglocke: Glockenschläge für die Freiheit und Einheit Berlins

Berlin : 50. Geburtstag der Freiheitsglocke: Glockenschläge für die Freiheit und Einheit Berlins

Tobias Arbinger

Mit einem "bunten Strauß aus Aktivitäten" feiert die Stadt ab kommenden Dienstag den 50. Jahrestag der Freiheitsglocke im Turm des Schöneberger Rathauses. Die der "Liberty Bell" in Philadelphia nachgebildete Glocke ist ein Geschenk des amerikanischen Volkes an die Berliner, sie wurde am 24. Oktober 1950 erstmals geläutet, US-General Lucius D. Clay setzte den Mechanismus in Gang. 450 000 Berliner aus Ost und West strömten damals zum späteren John-F.-Kennedy-Platz, um das Werk zu hören - ein Signal gegen den sowjetischen Machteinfluss.

Senat, Abgeordnetenhaus und Bezirk begehen die Feierstunde am Dienstagnachmittag mit einem Festakt, zu dem Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Ziemer (Grüne), die frühere Bürgermeisterin von Schöneberg Ella Barowsky (FDP), Parlamentspräsident Reinhard Führer (CDU), der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und der US-Botschafter John C. Kornblum erwartet werden. Am Abend wird das Rathaus in das farbige Licht einer Installation des Künstlers Hans Peter Kuhn getaucht und zeitgleich eine neue Ausstellung zur Historie der Glocke im Rathaus eröffnet. Am kommenden Freitagabend wird zudem ein "Glockenball" gefeiert. Der Vorverkauf läuft (Rathaus Schöneberg, Tel.: 7876 3740).

Auf das tägliche Glockenläuten, das in Friedrich Lufts Rias-Sendung "Stimme der Kritik" auch in den Osten der Stadt getragen wurde, müssen die Schöneberger seit etwa zehn Wochen allerdings verzichten. Ein Riss in der Glocke, der bereits 1972 entdeckt wurde, hat sich vergrößert. Um ein Auseinanderbrechen des über zehn Tonnen schweren Stücks auszuschließen, entschied das Bezirksamt, auf den Betrieb einstweilen zu verzichten. Anfang Januar wird die Freiheitsglocke aus dem Turm geholt und per Tieflader zur Glockenschmiede Lachenmeyer ins bayerische Nördlingen gefahren.

Die Reparatur kostet schätzungsweise 240 000 Mark. Für sie sammelt das Bezirksamt derzeit Geld. 82 000 Mark sind nach Angaben von Bezirksbürgermeisterin Ziemer bislang zusammengekommen. Darüber, ob sich der Senat an den Kosten beteiligt, "müssen wir uns schon noch einmal unterhalten", sagte Ziemer. Für die Feier wird der Klöppel am Dienstag gegen 16.30 Uhr ausnahmsweise in Schwung gebracht.

Ansonsten muss man sich mit dem Geläut vom Tonband in der Ausstellung begnügen. Der "Klang der Freiheit" ist zudem auf CD erhältlich, wird neben Postkarten und kleinen Porzellan-Glocken unter anderem im Bürgeramt des Rathauses verkauft. Dort und im Buchhandel gibt es ab sofort auch ein neues Buch des in den USA arbeitenden Historikers Andreas W. Daum und der Ausstellungsmacherin Veronika Liebau (Jaron-Verlag). Ausstellung und das in Deutsch und Englisch verfasste Buch befassen sich unter anderem mit den ersten Nachkriegsjahren in Berlin, die durch die Blockade und den Ausbruch des Kalten Kriegs geprägt waren.

In dieser Zeit entstand im amerikanischen "Nationalkomitee für ein Freies Europa" die Idee für die Freiheitsglocke. Das Nationalkomitee, auch Initiator des Radio Free Europe, ließ die Glocke in England gießen und anschließend in einem "Kreuzzug für die Freiheit" durch die USA fahren. 16 Millionen US-Bürgern spendeten für sie.

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