Berlin : 50. Geburtstag der Freiheitsglocke: Hier wackelte die Wand im Kalten Krieg

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Es hat rein praktische Gründe, dass die vier Fraktionen des Abgeordnetenhauses am Dienstag ausnahmsweise nicht im Preußischen Landtag, sondern im Schöneberger Rathaus tagen. Die Abgeordneten nehmen am späten Nachmittag an der Feierstunde zum 50. Geburtstag der Freiheitsglocke teil. Da liegt es zeitlich nahe, vorher dort die turnusmäßigen Fraktionssitzungen zu erledigen. Aber sie freuen sich auch darauf; für viele ist es ein bewegender Tag der Erinnerungen. Nach siebeneinhalb Jahren kehren sie für ein paar Stunden an den Ort zurück, an dem, wie man ohne Übertreibung sagen kann, 41 Jahre Weltgeschichte geschrieben wurde.

Das gab es nirgendwo sonst, dass Kiez- und Landespolitiker, Alliierte und die Großen der Welt unter dem Dach eines Bezirksbürgermeisters agierten. Ausnahmslos alle bis hinauf zum amerikanischen Präsidenten und zur Queen mussten am Schild mit der Aufschrift "Bezirkskasse" vorbei. Hier wackelte die Wand im Kalten Krieg, hier konzipierte Willy Brandt nach dem Mauerbau die Entspannungspolitik, hier verstummte alles augenblicklich jeden Mittag um zwölf, wenn die Freiheitsglocke mächtig läutete, das Symbol der Hoffnungen auf Einheit in Freiheit; man konnte dann sowieso kein Wort verstehen.

Das Schöneberger Rathaus hat seine Schuldigkeit getan. Der Atem der Geschichte weht dort nicht mehr. Die PDS spürte ihn nie, ist aber heute gerne dort. Ihre Sprachregelung: "Es gehört zur Normalisierung, dass man den Symbolen im Westteil und den damit verbundenen Gefühlen seinen Respekt zollt."

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