Berlin : 50 gegen Vandalismus

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Reinickendorf. Der Vandalismus in den Bussen regt den 14-jährigen Thomas Pollok auf. „Dagegen möchte ich was tun“, erklärt er, warum er sich von der BVG zum Schülerbegleiter ausbilden lässt. Thomas ist einer von 50 Schülern, die das Unternehmen für das Projekt „BVG-Schülerbegleiter“ gewinnen konnte. Zunächst ist das Projekt auf Reinickendorf beschränkt, soll aber bei Erfolg auch auf andere Bezirke ausgeweitet werden. Mit der Max-Beckmann-, der Johannes-Lindhorst- und der Max-Eyth-Oberschule sind insgesamt drei Schulen beteiligt.

„Es kann nicht darum gehen, Sheriff spielen zu wollen“, betont Kriminalhauptkommissar Reinhard Kautz, der das Projekt von polizeilicher Seite betreut. Ähnlich wie die Schülerlotsen auf dem Schulweg sollen die BVG-Schülerbegleiter in den Bussen deeskalierend wirken. Derzeit befinden sich die 13- bis 17-Jährigen noch in der Ausbildung. In rund 60 Unterrichtsstunden lernen sie, was es heißt, Zivilcourage zu üben und als Mediatoren aufzutreten. Und dafür investieren sie primär ihre Freizeit. „Ich habe mich immer gefragt: Warum kann ich nichts sagen? Nach diesem Kurs kann ich endlich was sagen“, sagt die 17-jährige Camilla Franz. Nach den Sommerferien geht es los. Dann werden die 50 Jugendlichen jeweils zu zweit die Schulbusse begleiten. Aus Petra Tschonerts siebter Klasse sind gleich vier Schüler bei dem Projekt dabei. Schon jetzt nach der Ausbildung stellt sie fest, dass sich deren Verhalten geändert hat. „Sie sind im Auftreten sicherer geworden“, sagt die Lehrerin der Johannes-Lindhorst-Oberschule. Tschonert hat gerade ihre „Problemkinder“ zur BVG geschickt, damit diese lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und den Mund aufzumachen. Die Stärkung der Zivilcourage sei eines der Hauptziele des Projektes, erklärt der Ausbildungsleiter für die BVG-Omnibusse, Hans Schimmelpfennig. Abgesehen davon hofft das Unternehmen, dass die Beschädigungen in den Bussen abnehmen. Die BVG hatte im vergangenen Jahr einen Schaden von 6,7 Millionen Euro durch Vandalismus zu beklagen. Den größten Anteil dabei nimmt die Zerstörung von Sitzpolstern ein. Rund 600 000 Euro kostete die BVG dies im Jahr 2001. Der zweitgrößte Posten ist mit rund 147 000 Euro die Beschädigung durch Graffiti.

„Die Schüler sind unser Hauptkundenstamm, aber Aggressivität können wir nicht brauchen“, sagt Vorstandssprecher Hilmar Schmidt-Kohlhas. Schon allein von der Präsenz der Schülerbegleiter verspricht sich das Unternehmen eine abschreckende Wirkung für Störenfriede. Und wenn es zu Pöbeleien kommt, dann sollen sich die Schülerbegleiter „einmischen, aber nicht mit Körperkraft“, sagt Kautz. In brenzligen Situationen werde der Fahrer eingeschaltet. vv

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