Berlin : 50 Jahre wie im Fluge

Gatower Museum würdigt Jubiläum der Bundesluftwaffe. Neue Ausstellungshalle mit Jets und Hubschraubern eröffnet

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Mit einer Sonderschau zum 50-jährigen Bestehen der Bundeswehr-Fliegertruppe hat das Gatower Luftwaffenmuseum einen neuen Ausstellungshangar eröffnet. Anhand von Originalflugzeugen und anderen Exponaten wird der Rollenwandel vom Kalten Krieg zur international tätigen Friedenstruppe dargestellt.

Gleich am Eingang werden die Besucher mit einer Großaufnahme von Hitlerjungen und Flugzeugtrümmern vor dem Bild der Reichstagsruine konfrontiert. Damit wird die Ausgangssituation des Kriegsendes und der Spaltung in Ost und West charakterisiert. Bei der Zusammenstellung der Ausstellung haben die Organisatoren auch kritische Themen nicht ausgespart. Proteste gegen Aufrüstung und Atomwaffen werden ebenso dargestellt wie die Krise um den als „Witwenmacher“ verschrienen Starfighter und die Rudel-Affäre, die sich um den in der Nazizeit hochdekorierten Wehrmachts- Piloten Hans Ulrich Rudel drehte. Im Jahr 1976 nahm er auf Einladung ranghoher Bundeswehroffiziere an einem Traditionstreffen teil – entgegen der Anweisung des damaligen Verteidigungsministers. Makabres Ausstellungsstück ist ein Rechner zur Ermittlung des radioaktiven Niederschlags bei einem Atomangriff.

Dass die östliche Luftabwehr zumindest anfangs empfindliche Lücken hatte, dokumentieren zwei Geschichten vom Höhepunkt des Kalten Kriegs: Rolf Hofmann aus Hessen präsentierte persönlich Wrackteile seines F-84 Jagdbombers. 1959 war er damit im Gewittersturm unbemerkt von allen Luftraumüberwachern über die Grenze der Tschechoslowakei geraten. Beim Absturz der Maschine rettete sich der junge Pilot mit dem Schleudersitz und kam nach mehrwöchigen Verhören frei. Die Trümmerteile erhielt er nach dem Mauerfall von einem Tschechen. Die erste Landung der Bundesluftwaffe in Berlin erfolgte bereits zwei Jahre später. Zwei andere F-84-Piloten kamen nach offizieller Darstellung vom Kurs ab und gerieten tief auf DDR-Gebiet. Ihnen gelang die Landung auf dem Flughafen Tegel. Dort ließen die französischen Hausherren die beiden Jets unter größter Geheimhaltung zerlegen und vergraben. In den 70ern tauchten die Überreste bei einer Altlastensuche wieder auf, wie Fotos belegen.

Eine F-84 gehört ebenso zu den Ausstellungsstücken wie ein Starfighter samt Schleudersitzen. Gezeigt werden auch der persönliche Hubschrauber von Konrad Adenauer und das einzige erhaltene Exemplar des Kurzstart-Versuchsflugzeugs Dornier Do 29. Die Wendezeit wird durch einen Tornado-Jagdbomber und eine Mig-29 aus DDR-Beständen symbolisiert. Die Ausstellung „50 Jahre Luftwaffe der Bundeswehr“ ist bis August nächsten Jahres zu sehen.

Luftwaffenmuseum, Zufahrt über Ritterfelddamm/Am Flugplatz Gatow, dienstags bis sonntags 9 bis 17 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr), Eintritt frei.

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