• 50-prozentiger Aufschlag auf Eintrittspreise - Berliner kommen mit der "Artcard" billiger davon

Berlin : 50-prozentiger Aufschlag auf Eintrittspreise - Berliner kommen mit der "Artcard" billiger davon

bm

Der neue Kultursenator wird Berliner und Touristen teuer zu stehen kommen: Um die notleidenden Institutionen der Hauptstadt zu retten, wird am 1. Mai, befristet bis 1. April 2002, die Kulturraumbewirtschaftung in Gestalt eines 50-prozentigen Aufschlags ("Kultursoli") auf die Eintrittspreise von Museen, Konzertsälen und Theatern eingeführt. Dies geht aus einem Entwurf der Finanzverwaltung hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Prinzipiell sollen auch Berliner diesen Aufschlag zahlen, allerdings können sie sich durch den Kauf der neuen "Artcart" davon befreien. Diese Karte nach dem Vorbild der "BahnCard" soll jährlich 145 (ermäßigt 95) Mark kosten. Insgesamt erwartet man sich von dieser Maßnahme ein zusätzliches, für die Finanzierung der Hauptstadtkultur zweckgebundenes Gebührenaufkommen von 195 Millionen Mark im Jahr.

Ein Verwaltungssprecher begründete die Differenzierung zwischen Berlinern und Touristen damit, dass diese in ihrer Urlaubssituation finanziell belastbarer seien als Ortsansässige. Das Prinzip sei von österreichischen Sesselliften und Seilbahnen bekannt, "da beschwert sich auch niemand".

Brisanz erhält der geplante Aufschlag durch die Absicht, zwischen echten und falschen Berlinern zu unterscheiden: Die "Artcart" wird nur an Personen abgegeben, die keinen ersten oder zweiten Wohnsitz im übrigen Bundesgebiet haben. Man wolle so verhindern, dass Berufspendler aus dem Rheinland und andere in der Stadt nicht verwurzelte Personen in den Genuss der Ermäßigung kämen, heißt es in dem Referententwurf. Insgesamt erreiche man auch mit den erhöhten Eintrittspreisen nicht das Niveau von Paris oder New York.

Die "Artcart" bringt Berlin als Nebeneffekt einige hundert Arbeitsplätze. Es ist geplant, ähnlich wie bei der Parkraumbewirtschaftung Kontrolleure vor Ort einzusetzen. Sie werden dafür online mit dem Melderegister verbunden sein. In der Verwaltung hieß es unter der Hand, diese etwas aufwendigen Überprüfungen seien nicht durchweg am Eingang möglich. Man halte es jedoch für zumutbar, dafür die Pausen zwischen den Sätzen einer Symphonie oder den Akten eines Dramas zu nutzen.

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