Berlin : 50 Quadratmeter Grün für jeden Mieter

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Von Vivien Leue

Marzahn-Hellersdorf. Was dem Hamburger sein Fischbrötchen und dem Kölner der Karneval, das ist dem Berliner seine Gartenlaube. Aber nicht jeder Berliner hat das Glück, ein grünes Fleckchen in der Stadt besitzen oder pachten zu können. Besonders in den dicht bebauten Gebieten gibt es wenig Platz für Schrebergärten. In Hellersdorf soll sich das nun ändern. Die Wohnpark Verwaltungs- und Betreuungs GmbH (WVB) plant dort ein ambitioniertes Projekt: Inmitten der Plattenbauten soll noch in diesem Sommer eine Mietergartenanlage entstehen.

An Stelle eines betonierten Innenhofs möchten die Geschäftsführer Rainer Uhde und Oliver Nee eine schrebergartenähnliche Anlage schaffen, durch die die Tristesse einiger Straßenzüge verschwinden soll. „Wir haben einen ganz alten Gedanken der DDR wieder aufgegriffen“, erklärt Rainer Uhde. „Jeder Bürger soll seine eigene Laube haben.“ Und was bisher scheinbar nicht realisierbar war, möchte die WVB zusammen mit dem amerikanischen Investor, dem Lone Star Fund (LSD), nun schaffen.

Der Standort der ersten Schrebergärten steht schon fest: Eine seit mehreren Jahren leer stehende Kindertagesstätte im Auerbacher Ring wird bis auf das Souterrain zurückgebaut und anschließend begrünt. Auch Garagenstellplätze sind geplant. Insgesamt sollen auf diesem Gelände für die Bewohner des Quartiers Boulevard Kastanienallee 23 Gärten mit je einer Fläche von circa 50 Quadratmetern entstehen. „Keiner hat Lust, sich stundenlang ins Auto zu setzen, um sonntags ins Grüne zu fahren“, so Oliver Nee. „Wir bringen daher die Laube zum Mieter.“ 100 Euro im Jahr soll das kosten. Außerdem hofft die WVB auf eine Verbesserung der Mietergemeinschaft. Ein Kommunikationszentrum soll die Mieter wieder zueinander führen. Bei gemeinsamen Grillabenden können so neue Freundschaften entstehen. Und aus den grauen Plattenbauten werden Wohlfühlgegenden – so der Plan. Auch an die Kinder und Jugendlichen hat die WVB gedacht. Für sie entstehen Spielplätze und Half-Pipes für die Skateboarder. „Jugendliche, die ihre Freizeit sinnvoll nutzen, schmieren uns die Wände nicht voll“, hofft Uhde.

Ein scheinbar einfaches Konzept, doch ob es sich bewährt, ist noch offen. Zwar kann die WVB ihre Quartiere sanieren und die Innenhöfe anwohnerfreundlich umbauen, doch das Gesamtbild des Stadtbezirks wird sich dadurch kaum ändern. Es bleibt die Gefahr, dass sie kleine Luxus-Inseln schafft, die in sich zwar prima funktionieren, es aber schwer haben werden, sich innerhalb des Bezirks zu behaupten.

Dennoch: Auf das Konzept sind jetzt noch weitere Geld-Anleger aufmerksam geworden. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich Hellersdorf bald doch zu der Immobilien-Anlage schlechthin.

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