Berlin : 500 000 Mark im KaDeWe geraubt

Zwei mit Sturmhauben maskierte und Pistolen bewaffnete Männer haben gestern mittag im Treppenhaus des KaDeWe zwei Geldboten überfallen.

von und Werner Schmidt

Bei dem unblutig verlaufenen Raubüberfall fiel den Tätern ein gefüllter Geldkoffer in die Hände, in dem sich nach Auffassung von Experten "nicht unter 500 000 Mark" befanden. Die Polizei nannte gestern keine Einzelheiten zur Beutesumme. Die Täter flohen in einem Taxi, nachdem sie ihre Opfer an ein Treppengeländer gefesselt und entwaffnet hatten.Die sichtlich geschockten Geldboten der Firma "Securitas" konnten der Polizei offenbar nicht allzu viele sachdienliche Hinweise geben. In der dritten Etage hatten die Geldboten die Einnahmen des Vormittags sowie die des als umsatzstark geltenden Donnerstags abgeholt, um sie zur Bank zu bringen. Im Treppenhaus wurden sie von den beiden Tätern abgepaßt, vermutlich mit Handschellen gefesselt und entwaffnet. Die beiden Dienstpistolen der Geldboten nahmen die Täter mit.Den silberfarbenen Aluminiumgeldkoffer, der etwa 40 Zentimeter lang, ebenso hoch und circa 20 Zentimeter dick ist, verstauten sie in einer schwarzen Sporttasche. Anschließend verließen sie das Treppenhaus zur Passauer Straße und stiegen in ein Taxi, mit dem sie flohen. Bis zum Abend war der Taxifahrer noch nicht ermittelt, obwohl ihn die Polizei über Taxifunk und -innung suchte. Obwohl die Täter ein Taxi aus der Mitte einer ganzen Schlange haltender Wagen nahmen, legte keiner der Fahrer davor Protest ein oder merkte sich gar das Kennzeichen des Wagens. Üblich ist, daß zunächst das Taxi am Kopf der Warteschlange bestiegen wird und Fahrer weiter hinten in der Reihe Kunden abweisen. Ob die Täter den Fahrer des Fluchttaxis mit Waffengewalt zwangen, oder ob es sich dabei sogar um einen Komplizen gehandelt hatte, ist bisher nicht geklärt.Ebensowenig ist klar, wie lange die Täter auf die Geldboten gewartet hatten. Allerdings ist es nach Auskunft eines Kriminalbeamten der ermittelnden Raubinspektion im Landeskriminalamt (LKA) kein großes Problem, in das Treppenhaus des KaDeWe zu gelangen.Die Lage rund um das KaDeWe war in der ersten halben Stunde verwirrend. Viele der weit über 100 eingesetzten zivilen und uniformierten Polizisten hatten in der ersten Zeit nach dem Alarm schußsichere Westen angelegt - offensichtlich war unklar, ob weitere Täter noch in dem Gebäude sind. Der Tatort, Eingang und Fahrzeug wurden von der Polizei erst nach einer dreiviertel Stunde abgesperrt. Solange konnten sich Passanten und Journalisten um das Fahrzeug herum drängeln.Der Verkauf im KaDeWe ging ungestört weiter, Kunden konnten unbehelligt in das Haus und wieder heraus. Allerdings wurden sämtliche Fahrzeuge, die aus dem gegenüberliegenden Parkhaus, das mit dem KaDeWe über eine Brücke verbunden ist, herauswollten, kontrolliert und die Personalien der Insassen festgestellt - auch noch, nachdem ein Zeuge sich um 11.58 Uhr bei der Polizei gemeldet und ausgesagt hatte, daß zwei Männer in schwarzen Jacken in ein Taxi geflüchtet seien. Der Zeuge, der eine Stunde lang von der Kripo und dem LKA vernommen worden war, schilderte anschließend dem Tagesspiegel seine Beobachtungen. Ihm waren die beiden Täter nur aufgefallen, weil sie eilig und mit einer mit einer großen Tasche unter dem Arm über den Bürgersteig am KaDeWe-Eingang in der Passauer Straße liefen. "Zunächst dachte ich, da wird ein Dieb von einem Ladendetektiv verfolgt", sagte der Ingenieur. Dann sei das Duo jedoch in ein Taxi gestiegen, und zwar in eines, das in der Mitte der Schlange der wartenden Taxis stand. Das Kennzeichen konnte sich der Mann nicht merken, die Männer seien nicht mehr maskiert gewesen, auch eine Bewaffnung sei ihm nicht aufgefallen. Allerdings habe aus der Tasche oben ein silberner Koffer etwas herausgeragt - offensichtlich die Alubox der Geldtransporteure. Erst später, als er die Polizei bemerkte, wußte er, was er eine halbe Stunde zuvor beobachtet hatte.

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