500 Jahre Reformation : 95 Thesen und ein Kirchentag

Im Reformations-Festjahr 2017 könnte es wieder ein großes Treffen geben – in Berlin und Wittenberg.

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Im Kerzenschein. Mehr als 3000 Veranstaltungen gab es beim Ökumenischen Kirchentag, der 2003 im Tempodrom stattfand. Auch eine „Nacht der Lichter“ gehörte dazu. Foto: ddp/Thomas Lohnes Foto: ddp
Im Kerzenschein. Mehr als 3000 Veranstaltungen gab es beim Ökumenischen Kirchentag, der 2003 im Tempodrom stattfand. Auch eine...Foto: ddp

Klaus Wowereit war einer der Ersten, die davon sprachen: Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der im Sommer in Dresden stattfand, erwähnte der Regierende Bürgermeister, dass 2017 vielleicht ein Kirchentag in Berlin stattfinden könnte. Und als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) in der vorigen Woche zum Reformationsjubiläum 2017 vor dem Bundestag sprach, begrüßte er ausdrücklich „Überlegungen der Kirchen, zu einem Kirchentag nach Berlin und Wittenberg einzuladen“.

Acht Jahre nach dem letzte Kirchentag in Berlin verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Stadt zur 500. Wiederkehr von Martin Luthers Thesenanschlag erneut Gastgeberin werden könnte. Auch in einer Vorlage der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) für die heute in der Neuköllner Martin-Luther-Kirche beginnende Landessynode ist die Rede davon, dass man die Finanzierung eines Kirchentages „in Aussicht genommen“ habe. „Es gibt eine gemeinsame Interessenbekundung der EKBO und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, 2017 einen Kirchentag auszurichten“, bestätigte der Sprecher des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Rüdiger Runge. Dabei könnte der Kirchentag in Berlin stattfinden, einzelne Veranstaltungen auch in Wittenberg.

Beide Städte liegen nur gut 45 ICE-Minuten voneinander entfernt, und für einen eigenen Kirchentag ist Wittenberg zu klein. Schließlich werden die alle zwei Jahre stattfindenden Christentreffen in der Regel von rund 100 000 Dauerteilnehmern besucht. Für seine Veranstaltungen belegt der Kirchentag meist das Messegelände der Gastgeberstadt. Und auch die Abschlussgottesdienste brauchen Platz: In Dresden beteten im Mai rund 120 000 in den Elbwiesen, und für den Abschlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentags 2003 reichte der Platz der Republik vor dem Reichstag gerade aus.

Doch dass 2017 wirklich wieder ein Christentreffen in Berlin stattfindet, ist noch „keine beschlossene Sache“, schränkt Pressesprecher Runge ein. Es sei noch nicht einmal klar, „ob 2017 ein evangelischer oder ein ökumenischer Kirchentag stattfinden soll“. Über die Durchführung eines Kirchentags entscheidet das Kirchentagspräsidium – und das geschieht laut Runge erst, wenn die Finanzierung sichergestellt ist. Zumal dem Kirchentag auch Einladungen aus Dortmund und Hannover vorliegen.

Vor der Finanzierung des Kirchentags aber wird die Landessynode über den Haushalt der kommenden Jahre zu entscheiden haben. Er soll 2012 rund 322 Millionen Euro und im Jahr 2013 rund 317 Millionen Euro umfassen. Daneben wollen sich die Synodalen auf ihrer bis Sonnabend dauernden Tagung mit dem Ehrenamt beschäftigen und ein neues Pfarrerdienstrecht beschließen. Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erarbeitete Vorlage ist in anderen Landeskirchen umstritten, weil sie gleichgeschlechtlichen Paaren das Leben im Pfarrhaus ermöglicht – in der EKBO, die schon seit einigen Jahren homosexuelle Paare segnet, wird dagegen kein Widerstand erwartet. Benjamin Lassiwe

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