• 500. Reformationsjubiläum: Total verluthert - Musik, Kunst und Filmklassiker in Lichterfelde

500. Reformationsjubiläum : Total verluthert - Musik, Kunst und Filmklassiker in Lichterfelde

Die Petrusgemeinde in Lichterfelde-Ost startet ein spannendes Programm zum Reformationsjubiläum.Graf von Bothmer begleitet "Luther"-Stummfilm auf der Orgel.

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Nah dran an Luther. Die Petrus-Giesendorf-Gemeinde zeigt Skulpturen und Grafiken des Berliner Bildhauers Harald Birck. Foto: null
Nah dran an Luther. Die Petrus-Giesendorf-Gemeinde zeigt Skulpturen und Grafiken des Berliner Bildhauers Harald Birck.Foto: null

Es ist eine kleine kirchlich-cineastische Sensation: „Luther“, der 1927 von Regisseur Hans Kyser gedrehte Stummfilm, ist nach mühsamster Rekonstruktionsarbeit aus den Tiefen des Bundes-Filmarchivs auferstanden und wird nun zum 500. Reformationsjubiläum wieder aufgeführt – am Klavier oder der Orgel begleitet von Stephan Graf von Bothmer. „Das ist eine religiöse und historisch hochinteressante Revue“, schwärmt der populäre Berliner Komponist und Stummfilm-Begleiter über den historischen Streifen.

Wer „Luther“ erleben will, hat dazu am Samstag, 14. Oktober, in der evangelischen Petruskirche am Oberhofer Platz in Lichterfelde-Ost ab 18.30 Uhr Gelegenheit. Die Vorführung gehört zu einem ganzen Reigen von Veranstaltungen, mit denen die Petrus-Giesendorf-Gemeinde auf 500 Jahre Reformation zurückblickt. Ihr Programm gehört berlinweit zu den spannendsten Projekten dieser Art.

Bildhauer Harald Birck zeigt einen Luther für die heutige Zeit

Umrahmt wird das umfangreiche Angebot von einer Ausstellung mit Skulpturen und Grafiken des Berliner Bildhauers Harald Birck zur Person des Reformators. „Meine Grundidee war, den späten Luther darzustellen. Den Luther, der auch schon unter Depressionen litt, der angeknackst war, vollbeleibt, gealtert“, sagt Birck. Mit seinen Arbeiten hat er versucht, sich der Gestik, dem Ausdruck, den Lebensabschnitten und dem Alterungsprozess Luthers zu nähern. Es sollte auch ein Luther für die heutige Zeit sein, einer, der Reibung erzeugt. So entstanden zutiefst menschliche Lutherdarstellungen.

Rauhe Struktur, Reibung erwünscht. Luther-Porträt von Harald Birck. Foto: Dan Penschuck/Feindesign
Rauhe Struktur, Reibung erwünscht. Luther-Porträt von Harald Birck.Foto: Dan Penschuck/Feindesign

Was steht noch im Programm? Zum Beispiel am 5. Oktober, 19 Uhr, ein Abend mit dem Leiter des „Instituts für Kirche und Judentum“ an der Humboldt-Universität, Peter von der Osten-Sacken, zum Thema „Martin Luther, das Judentum und wir“. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich Luthers Antisemitismus, den er im Alter äußerte, geschichtlich ausgewirkt hat.

Die "Cöllner Compagney" spielt Musik auf historischen Instrumenten

Am 7. Oktober singt der Chor der Petrusgemeinde Reformationslieder vom 16. Jahrhundert bis zur Romantik, am 18. Oktober geht es um den interreligiösen Dialog mit dem Islam – danach folgen erneut zwei Konzerte: Die „Cöllner Compagney“ spielt am 21. Oktober, 20 Uhr, Musik des 15. bis 17. Jahrhunderts mit historischen Instrumenten. Und die „Petrus Gospel Singers“ mit Jazzpianist Albrecht Gündel vom Hofe gestalten am 22. Oktober, 11 Uhr, eine Gospelandacht.

Einer der jüngsten Filme mit Martin Luther: Die Schauspieler Karoline Schuch als Katharina von Bora und Devid Striesow als Martin Luther proben im Mai 2016 in Reinhardsbrunn (Thüringen) während der Dreharbeiten zum Film «Katharina Luther». Erzählt wird zum Lutherjahr 2017 die Geschichte der Katharina von Bora. Foto: dpa, Martin Schutt
Einer der jüngsten Filme mit Martin Luther: Die Schauspieler Karoline Schuch als Katharina von Bora und Devid Striesow als Martin...Foto: dpa, Martin Schutt

Zum Finale des Programms flimmern historische Filme über die Leinwand: Pastor und Filmexperte Roland Wicher führt am 26. Oktober, 19 Uhr, an Beispielen vor, wie Luther, Tetzel und andere Gestalten der Reformation vom Stummfilm bis zu Hollywoodproduktionen unterschiedlich inszeniert wurden.

Die Ausstellung von Harald Birck ist vom 1. bis zum 31. Oktober geöffnet, Mo 20–22 Uhr, Di, Do+Fr 16–18 Uhr, Mi+Sa, 10–13 Uhr (außer 20. Okt.).

Das ganze Programm gibt’s unter: www.petrus-kultur.de

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