Berlin : 51-Jähriger ist wegen Mordes an einer 29 Jahre alten Bekannten angeklagt

Peter Murakami

"Ich habe meine Tochter vor Kurt L. gewarnt -, er benahm sich komisch", erzählte die Mutter von Stella G. am Montag mit tränenerstickter Stimme im Saal 500 des Berliner Landgerichts. Dass der 51-jährige Kurt L. die 29-Jährige getötet hat, stand beim Prozessauftakt vor der 35. Großen Strafkammer für die Staatsanwaltschaft fest. Für die drei Berufsrichter geht es jetzt in erster Linie um die Hintergründe des Verbrechens.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte am 30. Oktober 1999 gegen 20.15 Uhr in seiner Wohnung in Berlin Neukölln über Stella G. hergefallen, um sie zu vergewaltigen. Als sie sich wehrte, habe er sie erwürgt, um ihren Widerstand zu brechen.

Kurt L. hatte hingegen bei der Polizei behauptet, die junge Frau sei seine Geliebte und ihr Tod die Folge eines Unfalls bei allzu leidenschaftlichen Liebesspielen gewesen. Vor Gericht mochte der Mann, der wesentlich älter aussieht als er ist, diese Behauptung gestern nicht widerholen und verzichtete darauf, zur Sache auszusagen. Die Mutter erklärte jedoch in ihrer Aussage, dass die Tochter niemals ein sexuelles Verhältnis mit dem Angeklagten hatte.

"Sie war ein hübsches Mädchen, was sollte die mit so einem alten Opa wollen", antwortete der Vater, als er vom Vorsitzenden Richter gefragt wurde, ob er es für möglich halte, dass seine Tochter eine sexuelle Beziehung zu dem Beschuldigten unterhalten habe. "Sie hat ihn aber meiner Frau gegenüber ausdrücklich als ihren zweiten Daddy bezeichnet", erzählte Lothar G., der L. mehrmals in der Wohnung seiner Tochter gesehen hatte.

Ihm sei der Mann nicht ganz geheuer gewesen. Dieser habe seine Tochter immerzu mit den Augen verfolgt und sei sofort gesprungen, wenn ihr mal etwas aus der Hand gefallen war. Stella G. hatte L., der mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten und Diebbstählen vorbestraft war, wenige Monate nach seiner letzten Haftentlassung aus der JVA Moabit kennen gelernt. Die aufgeschlossene und kontaktfreudige Stella G. hatte gerade eine Trennung von ihrem gleichaltrigen Freund hinter sich. Wenige Monate zuvor hatte sie zudem erfahren, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt war.

Dennoch gab sie sich nicht auf, fuhr weiter mit ihrem schweren Motorrad durch die Umgebung, tanzte gerne und ging auf Partys. Als sie in ihrer Stammkneipe, dem Neuköller "Café Dilemma", Kurt L. kennen lernte, der ihr bereitwillig bei den Renovierungsarbeiten in der Wohnung half, glaubte sie den väterlichen Freund gefunden zu haben, den sie in ihrem eigenen Vater so nicht gefunden hatte. Warnungen ihrer Mutter, dass der Mann sie "so komisch angucke" und dass es ein wenig sonderbar sei, dass ein älterer Mann einer jungen Frau im Haushalt helfe ohne irgendwelche Absichten zu haben, wiegelte sie ab: "Mutsch, das macht der gerne."

Dass Kurt L. sich in der Rolle des platonischen Freundes doch nicht so wohl fühlte, wie sie glaubte, wurde Stella G. zum Verhängnis. Es bleibt abzuwarten, ob Kurt L. die bei der polizeilichen Vernehmung gemachten Angaben hinsichtlich seiner Beziehung zu Stella G. aufrecht erhält. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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