Berlin : 550 Quadratmeter und eine Sauna

Tagesspiegel und Radio Multikulti zeigen, wie Berliner wohnen

Nina Siegers

BERLIN PRIVAT

Wer sagt, dass Homestorys nur interessant sind, wenn Prominente darin die Hauptrolle spielen? Wir nicht. In dieser Serie „Berlin Privat“ stellen Radio Multikulti und der Tagesspiegel die Wohnungen der Berliner von nebenan vor. Die Aktion läuft gleichzeitig in drei Medien: in der Zeitung, im Radio und im Internet. Die Sendung zum Text läuft heute im Radio, und auf einer Seite im Internet erlauben die Bewohner einen Blick ins Private.

Woher nimmt man eine Wohnung, in der neun Leute gleichzeitig leben können? Alex Stolze und seine Freunde sind nach langer Suche im vorigen Sommer endlich fündig geworden: ein ehemaliges Fitness-Studio an der Neuköllner Sonnenallee. 2000 Euro, 550 Quadratmeter, eine Terrasse, die schon so groß ist wie eine Einzimmerwohnung und eine Sauna. „Die haben wir zuerst in Betrieb genommen“ sagt Alex. Ins Schwitzen sind die fünf Männer und vier Frauen zwischen 19 und 27 Jahren allerdings auch so gekommen, denn das Leben hier ist eine Baustelle. Die zwei Etagen mussten von Grund auf renoviert, Zwischendecken eingerissen, Fliesen verlegt und Wände bemalt werden. Dämmstoffmaterial, Farbeimer und Pinsel liegen neben Stereoanlage und Matratzen. Und ein Ende ist nicht abzusehen, auch wenn Alex verkündet: „Im Juni sind wir fertig!“

Handwerkliches Geschick war keine Aufnahmebedingung für die Neuköllner Wohngemeinschaft: Alex ist Musiker, Özlem Schauspielerin, die anderen studieren Kulturwissenschaften oder Umwelttechnik. Nur Matthias ist gelernter Maschinenbauer und hat deswegen die Oberaufsicht über die Arbeiten. „Jeder baut, was er kann“, sagt der 26-jährige Alex. Neben all der Arbeit wird aber auch schon für die Zeit nach der Baustelle geprobt: Clubabende und Lesungen finden unter der Diskokugel im größten Raum statt. Zwischenmenschliches passt am besten in die Küche, da treffen sich alle Neune jeden Mittwoch- abend vor dem Kamin. Bei einem knisternden Feuer kommen alle Probleme zur Sprache. Beim gemeinsamen Sauna-Abend, immer donnerstags, brennt dagegen nichts an. „Die Kommune 1 ist kein Vorbild“, scherzt Alex, „wer knutscht fliegt raus!“ Für intime Momente ist die WG sowieso nicht der richtige Ort – bis jetzt hat kein Zimmer eine Tür.

www.berlinprivatonline.de Radio Multikulti (Kabel 91, 6, Antenne 106, 8), 8.40 Uhr.

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