Berlin : 57-jähriger Mann nach 30 Jahren ohne "Pappe" in Haft genommen

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30 Jahre Autofahren ohne Führerschein - diese Straftat hat die Polizei jetzt einem 57-jährigen Berliner nachgewiesen. Der Mann, der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bei Verkehrskontrollen aufgefallen war, ist noch gestern in Haft genommen worden. Nach Angaben der Polizei hatte er bis zuletzt voll Stolz betont, dass er in all den Jahren unfallfrei gefahren sei. Der Festgenommene hat keinen festen Wohnsitz. Offenbar lebte er, wie es bei der Polizei hieß, bei wechselnden Freunden und Bekannten. Sein Fahrzeug, ein VW Passat, wurde eingezogen.

Ein Fall, bei dem jemand derart lange ohne Fahrerlaubnis unterwegs war, gilt als einmalig. Der 57-Jährige war der Polizei indes nicht zum ersten Mal aufgefallen, wie Pressesprecher Dirk Kozelnik sagte. So wurde er schon rund 30 Mal wegen Fahrens ohne Führerschein oder wegen Urkundenfälschung angezeigt. Der erste polizeiliche Eintrag stammte aus den 60er Jahren. Auch beim aktuellen Fall wird dem Mann Urkundenfälschung vorgeworfen: Das Kennzeichen-Siegel auf dem Nummernschild war selbstgefertigt.

Der Mann bereue seine Straftaten indes kaum. Betrachte man die Summe seiner Taten, könne dem Mann jetzt eine langjährige Haftstrafe drohen, hieß es bei der Polizei weiter.

In der Regel würden Anzeigen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis häufiger gegen Berliner aus dem früheren Ostteil geschrieben, sagte Kozelnik. In der früheren DDR galt das Autolenken ohne "Pappe" als Ordnungswidrigkeit; nach dem Straßenverkehrsordnung-Paragraphen 21 gilt das Fahren ohne Führerschein dagegen als Straftat.

Die Beamten des Zentralen Verkehrsdienstes schrieben 1997 noch ingesamt 18 448 Anzeigen wegen Fahrens ohne Führerschein. 1998 gab es nur noch 14 795 Anzeigen, im ersten Halbjahr 1999 waren es 5836. Dieses Jahr seien weniger Verkehrskontrollen organisiert worden, sagte der Polizei-Presseprecher zum Hintergrund des statistischen Rückgangs. Bei der gestrigen Kontrolle wurde auch ein 41-jähriger Jugoslawe angezeigt, der einen gefälschten Führerschein vorlegte. Bei Erwischten wird nicht nur der Fahrer hinterm Steuer belangt - Halter, die ihr Privatfahrzeug verleihen oder Spediteure, die ihre Lastkraftwagen an Mitarbeiter abgeben, ohne sich vorher die Papiere zeigen zu lassen, werden ebenso belangt.

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