59 Minuten Champions League in Berlin-Kreuzberg : Galatasaray-Fans jubeln etwas länger

Wenn Galatasaray in der Champions League spielt, ist in Kreuzberg normalerweise die Hölle los. An diesem Mittwochnachmittag aber ist vieles anders - eine Kneipentour.

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Schnee in Istanbul macht den Kreuzberger Fußballkneipen einen Strich durch die Rechnung.
Schnee in Istanbul macht den Kreuzberger Fußballkneipen einen Strich durch die Rechnung.Foto: Imago

Muskauer Straße, Kreuzberg. In der Fußballkneipe „Café Bar Sunshine“ ist normalerweise die Hölle los, wenn Galatasaray spielt, der berühmte Klub aus Istanbul. Und eigentlich ist das hier auch ein großes Spiel, das auf der Leinwand zu sehen ist. Champions League, gegen Juventus Turin. Große Klubs, viele Fans. Und doch ist alles anders an diesem Mittwoch. Es ist nicht abends, sondern taghell, 14 Uhr. Und das Spiel soll nur 59 Minuten dauern. „So was hab’ ich noch nie erlebt“, sagt Rüstem Altun, Galatasaray-Fan seit 1979.

Vor 16 Stunden saß er schon einmal hier im „Café Bar Sunshine“, Muskauer Straße, Kreuzberg. Da liefen die ersten 31 Minuten des Spiels im Fernsehen, bis in Istanbul plötzlich Schnee fiel und nicht mehr aufhören wollte. Bis das Spiel ihrer Lieblingsmannschaft schließlich abgebrochen wurde und erst am nächsten Tag zu Ende gespielt werden sollte.

20 Fans sitzen nun hier, nicht in Trikots wie am Vorabend, sondern in Winterkluft, das Spiel dauert ja nicht so lange. Am Vorabend waren über 70 Fans da. „Ich hatte mehr Gäste erwartet“, sagt Altun, „aber viele Stammgäste gehen noch zur Schule oder sind Arbeiter“. Auf ein kaltes Bier hat hier um diese Zeit eh keiner Lust. Das „Efes“ steht unangetastet im Kühlschrank; es gibt Tee. Ein paar Männer widmen sich wie immer hier um die Zeit einer Rommee-Partie.

So erging das auch vielen anderen Kneipiers in der Stadt, vor allem in Kreuzberg, wo die Spiele von Galatasaray besonders populär sind. Auch in der Fußballkneipe „Logo“ in der Tempelherrenstraße („Rund um die Uhr geöffnet“) wurden die zweiten 59 Minuten Champions League gezeigt. Die Zahl der Gäste: „Exakt vier“, sagt die Frau hinterm Tresen. Die „Bar 11“ in der Wiener Straße, bei Fußballspielen sonst rappelvoll, hat gar nicht erst aufgemacht. „Für 60 Minuten Fußball unter der Woche am frühen Nachmittag öffnen? Lohnt nicht.“

Am Ende gewinnt Galatasaray 1:0, in Kreuzberg wird mit 18 Stunden Verspätung gejubelt. Es ist jetzt Zeit für Kaffee und Kuchen.

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