Berlin : 6. Gesamtschule erhält heute den Namen Oskar Schindler

bey

Für die 1100 Schüler und 70 Lehrer der 6. Gesamtschule ist heute ein besonderer Tag: Die Einrichtung an der Darßer Straße heißt künftig nach "Oskar Schindler". "Es ist ein provozierender Name", sagt Cindy Gäde aus der zehnten Klasse. Das sei Absicht. Und Jeanine Beyer fügt hinzu: "Wir wollen uns mit diesem Teil deutscher Vergangenheit auseinander setzen und die Zeit nicht verschweigen." Beide sind stolz, dass ihre Schule jetzt einen Mann ehrt, der während der Nazi-Diktatur 1200 Juden das Leben rettete. Die Idee für diesen Namen liegt bereits vier Jahre zurück. "Das tolle daran ist, dass eine Schülerin Schindler ins Gespräch brachte", erinnert sich der Lehrer Axel Gebauer. Im Unterricht wurde damals über den Film "Schindlers Liste", des US-Regisseurs Steven Spielberg diskutiert. Viele Schüler und Pädagogen fanden den Vorschlag gut, der sich deshalb letztendlich bei einer Abstimmung gegen zwei andere durchsetzte. Danach begann die intensive Beschäftigung mit der Person Oskar Schindler. Unter Leitung von Gebauer wurde häufig diskutiert, die Schüler sahen sich den Dokumentarfilm über den Fabrikanten an und sammelten historisches Material. Auf Plakaten haben die jungen Leute ihre Sicht auf Oskar Schindler dokumentiert: "Durch seine Spionagetätigkeit war er in der Lage, die Juden vor den brutalen Räumungen zu warnen." Und die Mitglieder einer Projektgruppe sind der Auffassung, dass es egal ist, wer Oskar Schindler war, wichtig ist, was er getan hat. Andere Jugendliche schreiben: "Schindler produzierte kriegswichtige Waren und profitierte vom Krieg. Er stellte rechtlose Juden ein, weil sie billiger waren." Gebauer hält diese provokative Auseinandersetzung für wesentlich. Nach der Namensfeier will der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Michel Friedman, die Jugendlichen zu einem Forum einladen.

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