Berlin : 60 000 Zuschauer werden am Mittwoch im Berliner Olympiastadion erwartet

Axel Bahr

Was selbst die Zwangsoptimisten in Sport und Politik nicht mehr so recht zu hoffen wagten, scheint tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Hertha BSC wird am Mittwoch vor knapp 60 000 Zuschauern sein Qualifikationsspiel für die Champions League gegen Famagusta im Olympiastadion bestreiten können. Die Bauverwaltung kommt ihrer gegenüber dem Verein abgegebenen Verpflichtung nach, 36 000 Einzelsitze in das Oval einzubauen. Mehr noch: In der Endphase des von Krisen und Rückschlägen begleiteten Schraub-Marathons könnten der Plan gar übererfüllt und insgesamt 40 000 Einzelsitze im maroden Beton verankert werden. Zum Dank sollen die zuletzt im Drei-Schichten-Betrieb beschäftigten Arbeiter zum Hertha-Spiel eingeladen werden und selbstverständlich auf dem von ihnen befestigten Mobiliar Platz nehmen.

Bausenator Jürgen Klemann (CDU) strahlte gestern bei seinem zur Routine gewordenen täglichen Ortstermin im Stadion über beide Wangen ob der aktuellen Sitz-Statistik. 31 500 waren zur Mittagszeit montiert, für den heutigen Vormittag wird mit dem Erreichen der Planzahl 36 000 fest gerechnet. Dann hänge es davon ab, in welchem Umfang die zusätzlichen Lieferungen an Schalensitzen noch im Oval verarbeitet werden könnten. Mittwoch Punkt 10 Uhr ist jedenfalls offizieller Schraubschluß. Dann werden das Stadion und seine Einzelsitze von den strengen Augen eines Uefa-Prüfers in Augenschein genommen, der hoffentlich endgültig grünes Licht für das erste Spiel der Herthaner auf europäischem Parkett seit vielen Jahren geben wird. Nach dem Schlußpfiff geht es mit dem Schrauben in Charlottenburg weiter. Dann werden die Schalensitze durch Klappsitze ersetzt. Ziel ist es, bis Mitte September das gesamte Stadion mit den von der Uefa verlangten 76 000 Klapp-Einzelsitzen ausgestattet zu haben. Die Kosten für den Steurezahler würden sich nicht um die eingeplanten neun Millionen Mark erhöhen, sagte Klemann gestern. Alle Mehrkosten würden von den säumigen Firmen eingetrieben, die nicht rechtzeitig die vereinbarten 36 000 Klappsitze haben liefern können. Mit Rückblick auf die turbulenten Wochen der "Sitzkrise" gibt sich der Senator gelassen und sieht keinen Grund, "Asche auf irgendein Haupt zu streuen". Zwar habe es "Leistungsstörungen" gegeben, der Blick sei aber nun nach vorn gerichtet. Er wäre "todtraurig", wenn Hertha den Einzug in die Champions League verspielt, aber selbst wenn, könne der Verein ja im Uefa-Pokal mitmischen. Kritik aus dem politischen Raum perlt an ihm ab. Die vom SPD-Spitzenkandidaten Walter Momper an ihn gestellte Rücktrittsforderung kommentiert er so: "Man muß sehr verzweifelt sein, wenn man so einen Schwachsinn verbreitet."

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