600 Wohnungen für Berlin geplant : Spaßbad SEZ könnte bald abgerissen werden

Der Senat übernimmt die Verantwortung für das ehemalige Sport- und Erholungszentrum SEZ. Er will auf dem Grundstück Wohnungen bauen.

Pascale Müller
Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee könnte schon bald abgerissen werden.
Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee könnte schon bald abgerissen werden.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee könnte schon bald abgerissen werden. Der Senat für Stadtentwicklung und Umwelt hat das Bebauungsplanverfahren an sich gezogen und den bisher zuständigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg planungstechnisch entmachtet. Hintergrund ist ein fast 13 Jahre währender Konflikt zwischen Bezirk und Eigentümer, dem der Senat mit diesem Schritt ein Ende setzt. In einer Erklärung macht die Senatsverwaltung „dringende Gesamtinteressen Berlins“ geltend. An Stelle des ehemaligen Spaßbades sollen 600 Wohnungen entstehen, darunter 300 für Studenten sowie 120 Sozialwohnungen, außerdem eine Schule, eine Kita sowie neue Angebote für Sport und Freizeit. Senator Andreas Geisel sagte dazu: "Wir wollen das Wachstum Berlins sozial gestalten. Dazu gehören neben neuen Wohnungen auch Kitas, Schulen, Sport- und Freizeitflächen. Das Areal des SEZ bietet die einmalige Möglichkeit, in zentraler Lage all diese Dinge umzusetzen. Eine integrierte, an die Bedürfnisse Berlins angepasste Entwicklung leistet hier einen wertvollen Beitrag für die Nachbarschaft und die gesamte Stadt."

Für einen Euro verkauft

Mit der Übernahme des Bebauungsplanverfahrens durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werde dieses Ziel nun konsequent verfolgt, so Senator Geisel. "Wir werden jetzt eine zukunftsfähige Entwicklung des Standortes anstoßen." Wolf-Wilhelm Richter, der Anwalt von Rainer Löhnitz begrüßt diesen Schritt. Um das SEZ, das noch aus DDR-Zeiten stammt, hatte es immer wieder Diskussionen gegeben, seit der Senat es vor 13 Jahren für einen symbolischen Euro an den Leipziger Unternehmer Rainer Löhnitz verkauft hatte. Verscherbelt sagen manche. In den letzten Jahren waren dort unter anderem eine Bowlingbahn untergebracht. Zwischenzeitlich gab es auch die Überlegung Flüchtlinge im SEZ unterzubringen, entsprechende Pläne waren bereits mit dem Senat und dem Lageso erarbeitet worden. Doch der Bezirk zog nicht mit, verwies unter anderem auf Brandschutzprobleme.

Bezirk verbot bauliche Veränderung

Seit über einem Jahr möchte Löhnitz nun das bröckelnde Haus abreißen und neue Wohnungen auf dem Grundstück direkt am Friedrichshain bauen. Letzten Mittwoch erteilte der Bezirk ihm jedoch eine Veränderungssperre, die für 12 Monate verbietet am oder im Haus bauliche Veränderungen vorzunehmen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will das SEZ erhalten, um es zu einem Multifunktionsbad auszubauen. Kurz nach dem Verbot griff der Senat ein. Richter sagt, man hoffe nun gemeinsam mit dem Senat konstruktiv vorgehen zu können. „Wir haben starke Hoffnung, dass es baldmöglichst zu Gesprächen kommt“, so Richter.

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