Berlin : 630-Mark-Jobs: Mini-Stellen vor allem bei Frauen beliebt

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Als die Sozialversicherungspflicht für die so genannten 630-Mark-Jobs vor zwei Jahren in Kraft trat, entwarfen Arbeitgeberverbände Horrorszenarien: In den Biergärten würde es keine Bedienung mehr geben, Reinigungsfirmen fänden kein Putzpersonal, und die Zeitungen würden nicht mehr ausgetragen werden können. Von massenhaftem Arbeitsplatzabbau und enormer Kündigungswelle war die Rede. Jetzt haben die Arbeitsämter erstmals offizielle Zahlen über die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse vorgelegt, und diese zeigen ganz andere Ergebnisse. Danach gab es im vergangenen Jahr einen großen Zuwachs an 630-Mark-Jobs. Zum Stichtag 30. Juni 2000 waren 103 700 dieser Mini-Jobs bei den Sozialversicherungsträgern gemeldet, im Jahr zuvor waren es lediglich 88 000 geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Vor allem für Frauen ist die Tätigkeit interessant: Sie stellen 60 Prozent der Mini-Jobber. Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt... Noch vor wenigen Tagen hatte die Senatsverwaltung für Arbeit auf Anfrage wesentlich niedrigere Zahlen genannt. Sie war von 78 000 Mini-Jobs im Juni 2000 und von 69 000 im Jahr zuvor ausgegangen. Nach Angaben von Sprecher Klaus-Peter Florian waren dies jedoch nur Schätzzahlen, die auf einer freiwilligen Befragung von 938 Betrieben beruhten. Die Daten des Landesarbeitsamtes seien korrekt. "Auch wenn die Zahlen andere sind, hat sich an der politischen Bewertung nichts geändert. Die neue Regelung hat sich bewährt", sagte Florian. Denn durch die Sozialversicherungspflicht werde das Solidarsystem gestärkt. Zudem sei auch der von der Wirtschaft vorhergesagte massenhafte Job-Abbau ausgeblieben.

Allerdings fehlen derzeit verlässliche Angaben darüber, wie viele Mini-Jobs es vor Inkrafttreten des Gesetzes in Berlin gab. Die Arbeitsverwaltung beziffert diese nach ihren Schätzungen auf damals 91 000. Beim Landesarbeitsamt wurden die Jobs vor der Sozialversicherungspflicht noch nicht registriert.

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