Berlin : 7. Oktober 1979

Vor 25 Jahren berichteten wir über Aversionen eines Bürgers gegen Floskeln

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Daß ein Bürger von Behörden mehr Höflichkeit verlangt, mag öfter vorkommen. Einmalig dürfte hingegen der Fall sein, daß ein Privatmann die Höflichkeitsfloskeln von Staatsdienern nicht hinnehmen will. Der Mann war vom Bezirksamt aufgefordert worden, wegen der Unfallgefahr ein Treppengeländer instandzusetzen und Gerümpel vom Dachgeschoß zu entfernen, weil Brandgefahr bestehe. Diese Verfügung focht der Grundstückseigentümer vergeblich vor dem Verwaltungs und dem Oberverwaltungsgericht an. Die Richter hatten sich aber auch mit einem speziellen Anliegen des Bürgers zu beschäftigen: Er verbat sich die Verwendung von Höflichkeitsfomeln in behördlichen Schreiben, die er als „widerwärtig und ekelerregend“ empfinde. Als er im Widerspruchsbescheid des Bausenators erneut mit „Sehr geehrter Herr“, mit „Hochachtungsvoll“ und „Ich bedaure“ überzogen wurde, rügte er dies als „eine freche Verhöhnung von Vermietern im totalen Klassenkampf“.

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