Berlin : 70 000 Operationen am offenen Herzen

Am Deutschen Herzzentrum (DHZB) ist seit 1986 die 70 000. offene Herzoperation durchgeführt worden. Die Patientin war eine 84 Jahre alte Frau, die wieder wohlauf ist, wie der Ärztliche Direktor der Einrichtung, Roland Hetzer, am Montag sagte. Schon am 20. Juli wurde hier Jubiläum gefeiert: 25 Jahre nach der ersten Kunstherztransplantation.

Das DHZB gilt als eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Herzchirurgie. Es wurde 1984 gegründet und als feste Einrichtung 1986 eröffnet. 1987 wurde am DHZB einem Menschen das erste totale künstliche Herz eingesetzt. Operateur war Hetzer. 1986 erfolgte die erste sogenannte offene Herz-OP an Lebenden unter Anwendung der Herz-Lungen-Maschine. Darüber hinaus erfanden die Forscher des DHZB das noch heute einzige Kunstherz für Kinder weltweit. Hetzer nannte die Entwicklung der Medizin seit 1987 „bemerkenswert“. Binnen nur 25 Jahren seien riesige Fortschritte gelungen, die es zum Beispiel erlauben würden, auch ältere Patienten zu operieren. Die von ihm behandelte 84-Jährige habe vor der OP an einer lebensbedrohlichen Erkrankung gelitten. „Anderswo lehnen auch renommierte Einrichtungen eine solche Operation bei über 80-Jährigen ab.“

Weiter unzufrieden ist Hetzer mit dem neuen deutschen Transplantationsgesetz. „Es ist nicht wesentlich anders als sein Vorgänger.“ Zwar sei es „ein Schritt in die richtige Richtung“, aber noch ungenügend ausformuliert. Schließlich habe die Zahl der Spenderorgane „drastisch“ abgenommen. Hätten Mitte der neunziger Jahre in Deutschland noch etwa 700 Spenderherzen pro Jahr zur Verfügung gestanden, seien es nun etwa 35. „Die Wartezeiten haben sich erheblich verlängert. Es muss einem Patienten richtig schlecht gehen, bis er überhaupt auf die Transplantationsliste kommt.“ Gleichwohl verwies Hetzer auf den Fortschritt der Technik. Gegenüber den ersten Geräten seien gerade die Herz-unterstützenden Systeme inzwischen miniaturisiert worden. Direkt das Herz unterstützende Pumpen müssten nicht mehr extern am Körper angebracht werden. Das biete den Patienten eine höhere Lebensqualität – sei es bis zur Transplantation eines neuen Herzens oder, um mehrere Jahre mit unterstützenden Systemen zu leben. dapd

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