Berlin : 70 Hinweise – aber noch keine deutliche Spur

Die Fahndung nach dem Mörder der 14-jährigen Kristina Hani kommt voran. Anhaltspunkte für ein Sexualdelikt gibt es nicht

Tanja Buntrock

Das Netz zieht sich langsam zu, und für den Mörder der 14-jährigen Kristina Hani wird es immer enger. „Wir wissen jetzt ziemlich genau, was sie in der Woche vor ihrem Tod gemacht hat“, sagte Uwe Isenberg von der 7. Mordkommission. Nur eine Lücke gelte es zu schließen: Was tat Kristina in den knapp 24 Stunden nach ihrem Verschwinden? Mit wem war sie zusammen? Nach Tagesspiegel-Informationen hat die Polizei keine Hinweise darauf, dass das Mädchen vor seinem Tod Opfer einer Sexualstraftat wurde.

Wie berichtet, hatte Kristina am Sonntagabend gegen 23 Uhr die Wohnung ihrer Mutter in Neukölln verlassen. Am späten Montagabend wurde sie verbrannt in einem Rollkoffer im Neuköllner Park Thomashöhe gefunden. Der Täter hatte sie bei lebendigem Leib in den 88 Zentimeter hohen Trolley gepfercht, diesen dann mit Benzin oder Spiritus übergossen und angezündet. Bei der anschließenden Obduktion der Leiche kam heraus, dass die 14-Jährige Drogen genommen hatte. Um welche Substanz es sich handelte, wollte die Kripo nicht sagen.

Auch gestern waren wieder rund 30 Polizisten im Einsatz, um im Neuköllner Kiez nach dem Mörder zu fahnden. „Dabei ermitteln wir auch wieder in der Drogenszene“, sagte Isenberg. Durch die 5000 Euro Belohnung erhoffen sich die Ermittler, dass „der eine oder andere aus der Szene doch spricht“. Kristina war als Drogenkonsumentin bekannt. Das haben zahlreiche Freunde und Bekannte der Polizei bestätigt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie eher Cannabis oder Ecstasy statt Kokain oder Heroin konsumiert hat. „Aber auch da hören wir unterschiedliche Dinge von Bekannten“, sagte Isenberg. Genauso sei es mit den Aussagen der Jugendlichen aus Kristinas Umfeld. „Es ist schwierig bei 14- oder 15-Jährigen. Viele wollen die ominösen Männer mit dunklen Mänteln im BMW gesehen haben.“ Neben den Aussagen der Bekannten und Freunde arbeitet die Polizei derzeit rund 70 Hinweise aus der Bevölkerung ab.

Einen weiteren Ansatzpunkt sieht die Kripo in der Tatsache, dass sich der Täter wahrscheinlich an den Händen verbrannt hat. Beim Anzünden des Koffers war eine hohe Stichflamme entstanden. Eine Anfrage in den Kliniken ergab bislang nichts. Möglicherweise ließ sich der Mörder aber auch ambulant behandeln. Deshalb bittet die Kripo auch Ärzte, die einen Hinweis haben, sich unter der Rufnummer 4664 911 701 zu melden.

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