70 Millionen Euro für Wintervorbereitung : So will die Bahn ein Schnee-Chaos verhindern

Nur kein Schnee-Chaos: Die Bahn steckt 70 Millionen Euro in die Vorbereitungen auf den Winter. Es gibt mehr Personal und beheizbare Weichen. Und für S-Bahnzüge ein kleines Bauteil, das große Wirkung haben soll.

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Eisbahn. Bei der S-Bahn soll sich ein Winter-Chaos nicht wiederholen.
Eisbahn. Bei der S-Bahn soll sich ein Winter-Chaos nicht wiederholen.Foto: dpa

Fett für den Stromabnehmer, Frostschutzmittel für die Scheibenwischer, Sand auffüllen, Türdichtungen abschmieren. Dirk Hähnel hat in der DB Schenker-Rail-Werkstatt auf dem Rangierbahnhof Seddin viel zu tun. Gemeinsam mit seinen Kollegen macht er dort Lokomotiven fit für den Winter, der nun jeden Tag kommen kann. Seit dem Frühjahr bereite man sich auf die kalte Jahreszeit vor, sagte Steffen Hering, Qualitätsbeauftragter des Konzerns für die Regionen Nordost/Südost. Bundesweit steckt die Bahn nach ihren Angaben über 70 Millionen Euro in die Wintervorbereitung, um ein ähnliches Desaster wie 2010 zu vermeiden, als Loks haufenweise schlapp machten, Weichen sich nicht stellen ließen und Züge im Schnee feststeckten.

Oft seien es Kleinigkeiten, die Großes bewirken könnten, sagte Hering am Dienstag bei der Vorstellung des Winterprogramms in Seddin. Die S-Bahnen der Baureihe 481 erhielten zum Beispiel eine größere Abdeckung über der Kupplung, die das Tauwasser, das von der gewölbten Frontscheibe perlt, fernhalten soll. Das soll Vereisungen verhindern.

S-Bahn macht sich öffentlich winterfest
Rund 20 Millionen Euro hat die Berliner S-Bahn ausgegeben, um die Fahrzeugflotte auf den kommenden Winter vorzubereiten. Hier wechseln Mitarbeiter die Filtermatten aus.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Alle Fotos: Thilo Rückeis
03.11.2011 19:21Rund 20 Millionen Euro hat die Berliner S-Bahn ausgegeben, um die Fahrzeugflotte auf den kommenden Winter vorzubereiten. Hier...

Bei den Weichen soll Wärme gegen Schnee und Eis helfen. 6500 sind in der Region mittlerweile beheizt; 800 mehr als vor einem Jahr. Bei der S-Bahn haben nach Herings Angaben alle betriebswichtigen Weichen eine Heizung. Zusätzlich wird bei ausgewählten Anlagen auch noch die Stelltechnik abgedeckt. Hier kann sich dann kein Schnee festsetzen; außerdem bleibt die erzeugte Wärme so dort konzentriert. „Das ist doch besser als sie gen Himmel zu schicken“, sagte Notfallmanager Heino Ressel. Und zeigte gleich, was kommt, wenn gar nichts mehr geht. Dann wird der Weichenbesen geschwungen. Handarbeit ist gefragt. 29 externe Firmen stellen zusammen 2385 Räumkräfte; weitere 150 kommen von der Bahn AG dazu. Und damit sie nicht unter die Räder kommen, ist auch die Zahl der Sicherungskräfte, die die Besenschwinger warnen, wenn ein Zug sich nähert, erhöht worden – auf insgesamt 1390. Weil Sicherungspersonal fehlte, mussten im Albtraumwinter 2010 die Räumer oft untätig herumstehen. Und die Züge dann auch.

Schneepflüge stehen bereit

Wenn der Schneeberg allerdings wächst, müssen Maschinen ran. Vier Schneepflüge, einst für die Reichsbahn im Ausbesserungswerk Meiningen gebaut, sowie zwei moderne Schneeschleudern stehen in der Region bereit – unter anderem in Frankfurt (Oder) und in Priort am Berliner Außenring. Schneit’s weniger, reicht auch der Bahnmotorwagen aus, bei der Bahn „Bamowag“ genannt. An das sonst beim Gleisbau eingesetzte Fahrzeug kann ein Schneebesen oder eine Schneefräse angebaut werden, die die unliebsame Pracht von den Gleisen kehren oder wegpusten.

Großer Feger. Wenn’s schneit, rollt die Riesenbürste herbei.
Großer Feger. Wenn’s schneit, rollt die Riesenbürste herbei.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Im Berliner Raum ist nach Ressels Angaben vor allem die Strecke nach Erkner schneegefährdet. „Vielleicht liegt’s am Ostwind“, vermutet der Notfallmanager. Genau wisse man es aber nicht. Immerhin ist der in Frankfurt (Oder) stationierte Schneepflug nicht weit entfernt.

Moderne Bauweise der Züge macht Probleme

Liegt der Schnee nur zentimeterhoch, schickt die Bahn schwere Lokomotiven über die Gleise. Diese „Spurlokfahrten“ schaffen vor allem den modernen Triebwagen im Nahverkehr, die mit Technik am niedrigen Fahrzeugboden vollgestopft sind, freie Fahrt.

Bremsen lassen will die Bahn dagegen bei starkem Frost und viel Schnee ihre Züge im Fernverkehr. Bei Tempo 200 ist dann Schluss. So will man unter anderem vermeiden, dass bei schnellen Zügen Eisbrocken abbrechen und möglicherweise Weichen blockieren.

So weit die Theorie. In der Praxis gab es im Netz der S-Bahn am Dienstag auch ohne Schnee und Eis wieder eine Weichenstörung – dieses Mal bei Waidmannslust. Auf den Linien S 1 und S 85 gab es Ausfälle und Verspätungen. Fahrgäste können sich so auf den Winter vorbereiten – falls doch nicht alles wie so schön geplant klappt.

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