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7000 Anwohner mussten Wohnungen verlassen : Weltkriegsbombe in Spandau entschärft

Nach einem Bombenfund an der Falkenseer Chaussee mussten am Dienstagabend rund 7000 Menschen ihre Wohnungen verlassen und in Notunterkünften campieren. Die Erlösung kam kurz nach Mitternacht.

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Nichts geht mehr am Abend in Spandau: Im Umkreis von 250 Metern werden an der Falkenseer Chaussee, Ecke Wasserwerkstraße wegen eines Bombenfundes alle Wohnungen evakuiert.Alle Bilder anzeigen
Foto: Alexander Fröhlich
05.04.2011 23:44Nichts geht mehr am Abend in Spandau: Im Umkreis von 250 Metern werden an der Falkenseer Chaussee, Ecke Wasserwerkstraße wegen...

Späte Nachtruhe für rund 7000 Spandauer. Rund 20 Minuten nach Mitternacht wurde eine 100-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der Falkenseer Chaussee, Ecke Wasserwerkstraße entschärft, die am Nachmittag gegen 16 Uhr 15 bei Bauarbeiten in einem Waldstück auf dem Gelände der Berliner Wasserbetriebe am Falkenhagener Feld entdeckt worden war. Nachdem Experten festgestellt hatten, dass die Bombe scharf war, beschlossen sie die Evakuierung von Wohnungen im Umkreis von 250 Metern.

Betroffen waren auch zehngeschossige Hochhäuser. Die Evakuierung war gegen 23.45 Uhr abgeschlossen. "Wir gehen davon aus, dass jetzt alle ihre Wohnungen verlassen haben, die gesund sind und unsere Lautsprecherdurchsagen gehört haben", sagte ein Feuerwehrsprecher gegen 22 Uhr. Danach wurde jede einzelne Wohnung noch einmal kontrolliert, um alte oder kranke Menschen ausfindig zu machen.

Als ein DRK-Mitarbeiter gegen 0 Uhr 20 die Nachricht von der Entschärfung des Sprengsatzes überbrachte, brandete großer Jubel auf. Wie ein Polizeisprecher gegenüber dem Tagesspiegel erklärte, konnten die Menschen anschließend in ihre Wohnungen zurückkehren, allerdings nicht alle auf einmal, sondern "nach und nach".

Um Bettlägerige in Sicherheit zu bringen, war zuvor auch die Hilfe von privaten Krankentransporten angefordert worden. Menschen, die nicht bei Freunden oder Verwandten unterkamen, wurden in Schulen und Kirchgemeinden gebracht.

In der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde hatte beispielsweise Sandra Petrov mit ihren beiden zehn und vier Jahre alten Kindern Unterschlupf gefunden. Die junge Frau bekam einen Schreck, als sie von der Arbeit kam und zuerst nicht zu ihren Kindern durchgelassen wurde. In der Kirchengemeinde teilte sie sich später den Raum mit etwa 200 Menschen. Betten gab es dort nicht, nur Stühle. Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) sagte dem Tagesspiegel: "Wir haben zwar Katastrophenschutzpläne, aber in solchen Situationen merken wir, dass Material fehlt. Für so viele Menschen reichen Betten und Decken nicht."

In der Martin-Buber-Oberschule gab es hingegen einige Liegen und Decken für Ältere und Kinder. Die meisten Notuntergebrachten mussten mit Stühlen vorlieb nehmen, da Liegen für Ältere, Kinder und Bettlägerige vorgesehen waren.

In den vier Notunterkünften wurden bis Mitternacht rund 600 Personen untergebracht. "Erstaunlich wenig, 6500 sind im Sperrkreis gemeldet, die meisten sind wohl bei Freunden oder in ihrer Gartenlaube", erklärte Birkholz. Die Leute hätten allerdings zumeist gelassen reagiert, nur wenige wegen des spärlichen Informationsflusses gemault.

Das DRK hatte am Abend einen Suchdienst eingerichtet, die Daten der Notuntergebrachten wurden auch elektronisch erfasst. Wer Angehörige oder Freunde suchte, bekam beim DRK Auskunft. Die rund 50 Helfer waren unermüdlich im Einsatz. Auch noch nach der Entschärfung blieb für sie viel zu tun. Für ältere Menschen musste ein Fahrdienst organisiert werden, damit diese sicher nach Hause kommen konnten. Für die späteren Nachtstunden war bereits über eine Nachalarmierung nachgedacht worden, als die frohe Kunde Helfer und Anwohner erreichte.

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