Berlin : 7500 Menschen infiziert und es werden mehr

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In Berlin leben rund 7500 Menschen mit einer HIVInfektion oder sind an Aids erkrankt. Rund 6400 von ihnen sind Männer. Laut dem aktuellsten HIV-Bericht des Robert-Koch-Instituts mussten Berliner Ärzte im vergangenen Jahr 308 Menschen ein erstmals positives HIV-Testergebnis mitteilen. Damit hat sich diese Zahl im Vergleich zum Jahr 2000 (160) fast verdoppelt. Unter den deutschen Großstädten ist das der Spitzenwert. Bundesweit zählten die Fachleute 1928 HIV-Neuinfektionen, eine seit Jahren etwa gleich bleibende Zahl.

Warum steigen diese Zahlen gerade in Berlin so dramatisch an?

Ein Grund ist, dass in der Stadt besonders viele homosexuelle Männer leben. Denn die durch homosexuellen Geschlechtsverkehr übertragenen HIV-Infektionen nehmen zu (80 Prozent aller Neuansteckungen), während der Anteil der durch intravenösen Drogenkonsum Infizierten (drei Prozent) zurückgeht und der durch heterosexuellen Verkehr Angesteckten bei acht Prozent stagniert. Auffällig hoch ist die Rate bei Schwulen im Alter von 30 bis 50 Jahren – also denjenigen, die den Ausbruch der Seuche und die vielen Toten miterlebten und jahrelang besonders vorsichtig waren. Doch offenbar setze nach Jahren der ständigen Angst eine gewisse Ermüdung im Schutzverhalten ein, sagen Aids-Aktivisten.

Wie wirkt sich das auf die Präventionskampagnen aus?

Die Aids-Aufklärer müssen umdenken. Bis vor kurzem galten noch junge Menschen, die erste sexuelle Erfahrungen sammeln, als extrem gefährdet, weil ihnen das Wissen um Aids fehlte. Deshalb gab es Präventionskampagnen wie die umstrittene Plakataktion „Mach’s mit“, um das Image von Kondomen zu heben. Doch inzwischen geht es darum, klar zu machen, dass Aids seinen Schrecken nicht verloren hat. Denn die Erfolge bei der Medikamententherapie müssen oft mit schweren Nebenwirkungen erkauft werden – und noch immer sterben Menschen an Aids.

Wo bekommt man in Berlin Hilfe und Aufklärung zu Aids?

Die Berliner Aidshilfe bietet eine telefonische Beratung unter der Nummer 19411 (täglich 10 bis 24 Uhr) oder im Internet unter www.berlin.aidshilfe.de. Auch ProFamilia berät. Informationen unter Telefon: 3984 9898 oder im Internet www.profamilia-berlin.de I.B.

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