775-Jahrfeier : Berlin in Miniatur
28.07.2012 00:00 UhrEin weitere Openair-Ausstellung zeigt die Historie Berlins
An den Riesen-Stecknadeln hängen Schilder: Die größte Pizzafabrik Europas steht seit 1986 im Norden Berlins und gehört einem Bayern, täglich gehen bis zu einer Million Pizzen in die Welt. Die Berliner Weiße ist eine Erfindung von Braumeister Daniel Josty, der 1818 aus dem Schweizer Oberengadin nach Berlin kam. Die ersten Berliner Türken waren eine Kriegsbeute preußischer Truppen und dienten um 1700 bei Sophie Charlotte im Schloss Charlottenburg – heute beschäftigen 6800 kleine und mittelständische Betriebe mit türkischen Chefs 29 000 Menschen. Die ersten Leierkastenmänner waren Italiener und kamen um 1870 nach Prenzlauer Berg. Ende des 19. Jahrhunderts brachten vier Eisenbahnwaggons 4000 Tonnen russische Erde nach Wittenau, damit russische Verstorbene in ihrer Heimaterde bestattet werden konnten.
Eine weitere Openair-Ausstellung möchte die Historie Berlins darstellen. Zwischen Petriplatz und Alex kann man sich das mittelalterliche Berlin vorstellen – acht sieben Meter hohe Ausstellungstürme enthalten eine Fülle von Material zur Handelsstadt Berlin, zur Juristerei, zum Totenkult: „Das Mittelalter war gar nicht so finster, wir hauchen ihm Leben ein“, sagt der Manager der Festivitäten.
Eine zusätzliche Rückschau erinnert vor der Marienkirche an die drei bisherigen Feiern zum Stadtjubiläum: 700 Jahre Reichshauptstadt hieß es 1937, die 750 Jahre Berlin wurden getrennt im Ost- und Westteil gefeiert.
Die Marienkirche ist schließlich Schauplatz eines Festaktes am 28. Oktober, an dem vor 775 Jahren die Urkunde mit der Ersterwähnung von Cölln datiert ist. Am Abend bringen die französischen Feuerpoeten von „Carabosse“ mit feuerspeienden Skulpturen, brennenden Girlanden und 800 Feuertöpfen das mittelalterliche Berlin zum Leuchten.
Danach ist Schluss mit Mittelalter – Berlin träumt wieder von der Zukunft.

















