Berlin : 79 Lehrer mehr eingestellt Protest gegen Erziehermangel

Susanne Vieth-Entus

Die Senatsverwaltung für Bildung stellt zum zweiten Schulhalbjahr 79 Lehrer mehr ein als ursprünglich vorgesehen. Dies bestätigte Sprecher Kenneth Frisse gestern auf Nachfrage. Damit würden Pädagogen ersetzt, deren „Dienstaustritt“ vorher nicht absehbar gewesen sei. Weitere 118 Neueinstellungen waren bereits zu einem früheren Zeitpunkt als Ersatz für pensionierte Lehrer angekündigt worden. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete das Vorgehen als „Flickschusterei“.

„So erfreulich die Entscheidung für einen weiteren Einstellungstermin ist, so war es von vornherein klar, dass die 118 Stellen nicht ausreichen würden“, kommentierte die GEW-Vorsitzende Rose- Marie Seggelke die Neuigkeit. Seit Beginn des Schuljahres kämpften viele Schulen ohne Erfolg um Lehrer. Als einen Grund für die anhaltenden Engpässe nennt die GEW, dass monatlich etwa 80 Kollegen in den Ruhestand gehen. So seien in den berufsbildenden Schulen im ersten Schulhalbjahr 65 Lehrer ausgeschieden, aber nur 20 neue hätten unbefristete Einstellungen bekommen.

Wie berichtet, mussten viele Schulen im vergangenen Jahr ihre fertig ausgebildeten Referendare gehen lassen, obwohl sie wussten, dass ältere Kollegen absehbar in Pension gingen. So wurden nur 90 junge Studienräte übernommen, während 110 in andere Bundesländer ausweichen mussten. Zudem leiden die Schulen unter hohen Krankenständen. Allein die Zahl dauerkranker Lehrer ist in fünf Jahren von 755 auf über 1200 gestiegen.

Unruhe und Unzufriedenheit gibt es auch weiter wegen der Vorgaben für die Erzieherstellen an den Ganztagsgrundschulen. Heute demonstrieren Eltern der Grundschule in der Neuköllnischen Heide, einer sozialen Brennpunktschule, dagegen, dass drei Erzieherinnen gehen müssen. Andere Grundschulen wollen ihr Ganztagsschulkonzept sogar aufgeben, weil die Erzieherstellen nicht reichen. Susanne Vieth-Entus

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