Berlin : 8.01 Uhr auf der Autobahn: Wer wählte als Erster die „112“?

Die Straße gab nach, Unfälle blieben aus. Die Feuerwehr hatte rechtzeitig gesperrt

Tanja Buntrock

Melde ich’s? Oder melde ich es nicht? Als Martin de Vries am Mittwochmorgen über die unterspülte Fahrbahn auf der Stadtautobahn geschlichen ist, hat er einen Moment gezögert. „Bestimmt haben längst andere die Feuerwehr gerufen“, dachte er sich. Schließlich wählte de Vries doch die „112“ – und war tatsächlich um 8.01 Uhr der erste Anrufer, der den Wasserrohrbruch am Dreieck Funkturm gemeldet hatte. Dies bestätigt ein Mitarbeiter des Lagedienstes der Feuerwehr. Die Handynummer, die dort aufleuchtete, war die von Martin de Vries.

Der 30-jährige Versicherungsfachwirt aus Spandau war in seinem schwarzen Fiat Punto auf dem Weg ins Büro, Sedler-Versicherungen in Mariendorf. Wie immer ist er um kurz vor acht an der Auffahrt Spandauer Damm auf die A100 gefahren. „Ich wunderte mich, dass der Verkehr schon dort stockte“, sagt de Vries. All dies, weil „die linke Fahrbahn bereits voller Wasser war“. Die Autos vor ihm hätten abgebremst, weil sie nur ganz langsam durch das Wasser fahren konnten. Knöcheltief ist die Fahrbahn da unterspült gewesen. „Ich bin im Schritttempo durchgefahren und habe mich sehr gewundert, dass nirgendwo ein Bauarbeiter zu sehen war.“ Statt Männern mit orangefarbenen Westen sah er eine 20 Zentimeter hohe Fontäne aus dem Asphalt schießen – und rief die Feuerwehr. „Die waren ganz erstaunt, als ich denen sagte, dass die Stadtautobahn unter Wasser steht“, sagt de Vries. Er sei langsam weitergefahren. „Ich habe mir nicht groß Gedanken gemacht, ob etwas passieren kann“, sagt er. „In so einem Moment denkt man nur daran, dass man gut durch den Stau und pünktlich zur Arbeit kommt.“

Dass die Fahrbahn später eineinhalb Meter abgesackt ist und sich ein Krater auftat, habe er erst von Kollegen im Büro gehört, die wiederum die Meldungen im Radio verfolgt hatten. Er selbst war „nur etwas verspätet“ zur Arbeit erschienen. „Aber meine Kollegen kamen schon gar nicht mehr auf die Autobahn rauf.“ Im Nachhinein sei er immer noch verwundert, dass ausgerechnet er der Erste war, der bei der Feuerwehr angerufen hat – und so gewissermaßen zum „Helden der Stadtautobahn“ wurde.

Stadtring soll am Sonnabend wieder frei sein

Die Straße gab nach, Unfälle blieben aus. Die Feuerwehr hatte rechtzeitig gesperrt

Der nach dem Wasserrohrbruch am Donnerstag gesperrte Abschnitt des Stadtrings wird voraussichtlich am Samstagvormittag wieder freigegeben. Gestern wurde das Loch mit Sand verfüllt, heute soll die Asphaltdecke gegossen werden, hieß es bei der Verkehrsverwaltung. Gleichzeitig wurde die Sperrung dafür genutzt, um Reparaturen an anderen Anlagen auszuführen, was bei fließendem Verkehr sonst kaum möglich gewesen wäre.

Der Aufmerksamkeit der Autofahrer ist es zu verdanken, dass es nicht zu einem Unfall kam, als die Fahrbahn nachgab. Ein Pkw hätte in das Loch fahren und sich überschlagen können, sagte ein Polizist. Auch ein Lkw hätte einbrechen können. Doch die Feuerwehr wurde nach ersten Rissen sofort alarmiert und die Straße abgesperrt. Dann öffnete sich der Krater.

Weniger Glück hatte der Fahrer eines Betonmischers 1997 auf der Solmsstraße in Kreuzberg: Unter ihm gab die Fahrbahn nach. Der Fahrer blieb unverletzt. In München waren im September 1994 bei einem Unfall drei Menschen ums Leben gekommen. Bei Arbeiten für den Bau der U-Bahn-Strecke in Trudering wurde die Fahrbahn durch „wanderndes Grundwasser“ unterspült. Ein Linienbus stürzte in den Krater, der sich auftat.

Nach einem Unfall nahe Halensee war der Stadtring Süd gestern erneut eine Stunde gesperrt. Ein 20-Jähriger war mit seinem Wagen gegen die Leitplanke geprallt und hatte sich überschlagen. Er kam verletzt ins Krankenhaus. Auf den Straßen in der Umgebung kam es wiederum zu erheblichen Behinderungen. kt/weso

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