800 Jahre : Köpenick feiert sich selbst

Vor 800 Jahren wurde "copnic" das erste Mal urkundlich erwähnt. Das Festprogramm begann mit einem ungewöhnlichen Spektakel.

Claus-Dieter Steyer

Mutter Lustig geriet gestern auf dem kurzen Weg vom Köpenicker Schloss zum kleinen eisfreien Loch auf der zugefrorenen Dahme gehörig ins Schlittern. Doch bevor Mutter Lustig in ihren Holzpantoffeln auf dem spiegelglatten Untergrund ausrutschte, griffen ihr prominente Herren unter die Arme: der Wendenfürst Jaxa stützte sie von links, der Hauptmann von Köpenick von rechts – und Preußenkönig Friedrich II. gab mit seinem Spazierstock die Richtung vor. Das ungewöhnliche Quartett erreichte schließlich unbeschadet die Stelle mit dem eisigen Wasser. Hier konnte Mutter Lustig, die 1835 die erste Lohnwäscherei Cöpenicks gegründet hatte, ihre Wäsche einweichen. Unter dem Beifall Hunderter Schaulustiger begaben sich dann auch einige Wäscherinnen unter männlicher Begleitung ins kalte Wasser. Mit diesem ungewöhnlichen Spektakel eröffnete Köpenick die Feiern zu seiner ersten urkundlichen Erwähnung vor 800 Jahren. Bis in den Dezember hinein werden die Schauspieler in ihren historischen Kostümen noch viele Auftritte haben.

„Köpenick 2009 – Eine Stadt in Berlin wird 800 Jahre“ heißt das Motto des Jubiläumsjahres. Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD) gab eine selbstbewusste Erklärung dafür. „Köpenick war bis zu seiner Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 insgesamt 681 Jahre eine selbstständige Stadt. Unsere erste urkundliche Erwähnung stammt von 1209.“ Köpenick sei damit älter als Berlin und Cölln. Hier stammt die erste Urkunde bekanntlich erst von 1237. Die 750-Jahr-Feier Berlins wurde 1987 in beiden Stadthälften gefeiert.

Selbst das Argument von Wissenschaftlern, dass Berlin und Cölln eine längere Besiedlungsgeschichte aufweisen würden, kann die Bezirkschefin nicht erschüttern. „Wir haben Nachweise für die Existenz einer 2800 Jahre alten Burg gefunden.“ Später baute dann jener Wendenfürst Jaxa auf der heutigen Schlossinsel seine Heimstatt „copnic“. Die Sparkasse erinnert an ihn mit einer Gedenkmedaille im Wert von 30 Euro. Mit dem gesamten Verkaufserlös werden Köpenicker Einrichtungen unterstützt.

Das „C“ verschwand erst 1931 aus dem Ortsnamen und wurde durch das „K“ ersetzt. Als Friedrich der Große Mitte des 18. Jahrhunderts die Kolonistensiedlung Friedrichshagen, die ursprünglich den Namen Friedrichsgnade trug, und die Maulbeerzucht in die grüne Stadt brachte, war also noch von „Cöpenick“ die Rede. Selbst die heute weltberühmte „Köpenickiade“ des Schusters Friedrich Wilhelm Voigt trug sich im Ort mit der alten Schreibweise zu. Das Stadttheater erinnert im Herbst im Rathaus an den Gaunerstreich vom 16. Oktober 1906 mit dem selbst ernannten „Hauptmann von Köpenick“.

Bis dahin wird an Hunderten Veranstaltungsorten zwischen Dahme und Spree das Jubiläum gefeiert. Zu einem Höhepunkt soll unter anderem das Musical „Heißer Sommer“ nach dem gleichnamigen Defa-Film von 1968 auf der Regattatribüne in Grünau werden. Die Berliner Philharmoniker treten am 22. September in den alten KWO-Hallen in Oberschöneweide mit Werken von Beethoven und Schostakowitsch auf.

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