Berlin : 84-Jährige starb nach Unfall – Fahrer floh

Weil sich ein Zeuge irrte, ließ die Polizei den zunächst festgenommenen Täter wieder laufen

Jörn Hasselmann

Margot R. ist tot. Die 84-jährige Rentnerin starb am Sonntagabend an ihren schweren Kopfverletzungen. Wie berichtet, war die Frau am Sonnabend beim Überqueren der Schönwalder Straße in Spandau direkt vor ihrem Altersheim von einem Auto angefahren worden. Der Fahrer flüchtete – und 24 Stunden später nahm der Fall durch den Irrtum eines Zeugen eine weitere Wendung. Denn der 34-jährige Fahrer war am Samstagabend, fünf Stunden nach dem Unfall festgenommen worden. Da ein Zeuge angab, der Mann sei nicht der Täter, wurde der wohnungslose Türke wieder freigelassen. Doch gestern wurde ein zweiter Zeuge befragt, der den Mann eindeutig als einzigen Insassen wiedererkannte. Nun hat die Polizei ein Problem: Da der 34-Jährige keine feste Wohnung hat, konnte er nicht festgenommen werden. Nach ihm wird gefahndet.

Mit einem gleichaltrigen Deutschen aus Spandau hatte er am Sonnabend Margot R. trotz einer Vollbremsung erfasst. Der Fahrer setzte kurz zurück, umkurvte das auf dem Pflaster liegende Opfer und raste davon. Sieben Zeugen hatten sich jedoch den Wagen und das Kennzeichen eingeprägt. Alle Streifenwagen hielten also nach dem roten Audi 80 Ausschau. Gegen 23.15 Uhr entdeckte eine Zivilstreife das Fahrzeug in der Pichelsdorfer Straße. Die Polizisten holten eine zweite Streife zur Unterstützung, und dennoch versuchte der Fahrer zu fliehen. Er legte den Rückwärtsgang ein und gab Gas. Dabei kollidierte er mit einer Funkstreife. Beide Männer wurden vorübergehend festgenommen – und noch in der Nacht wieder freigelassen.

Dass der eine befragte Zeuge sich irrte, sei Pech gewesen, hieß es bei der Polizei. Allein der Fluchtversuch vor der Polizei rechtfertigte keinen Haftbefehl. Unklar ist, wem der 16 Jahre alte Audi gehört. Er war zur Fahndung ausgeschrieben, weil er als unterschlagen gemeldet war.

Margot R. starb im Krankenhaus. Der Fahrer wird jetzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gesucht, die Polizei zeigte sich gestern optimistisch, ihn schnell zu fassen. 2003 gab es in Berlin 26 280 Unfallfluchten – zehn nach tödlichen Unfällen.

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