Berlin : 900-Gramm-Baby gerettet

Spektakuläre Operation am Herzzentrum

Der kleine Jonas (Name geändert) kam viel zu früh zur Welt – in der 30. Schwangerschaftswoche. Das war im Januar, und Jonas wog zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 900 Gramm. Doch noch schwerwiegender war sein Herzfehler. Sein Blutkreislauf war unterbrochen, das Kind befand sich in akuter Lebensgefahr. „Für uns ein Hochrisikofall“, sagt Herzchirurg Michael Hübler vom Deutschen Herzzentrum Berlin. So ist Jonas das kleinste Kind, das jemals am offenen Herzen operiert wurde.

Vor wenigen Monaten wäre ein solcher Eingriff noch nicht möglich gewesen. In einer vierstündigen Operation gelang der Eingriff, weil die Ärzte im Januar gemeinsam mit Kardiotechnikern der Klinik eine spezielle Baby-Herz-Lungen-Maschine entwickelt hatten. Wer am offenen Herzen operiert wird, ist nicht mehr in der Lage, selbstständig zu atmen. Die Anreicherung von Sauerstoff im Blut und der Rücktransport zum Herzen sind nicht mehr gewährleistet. Ärzte setzen daher bei ihren Patienten die Herz-Lungen-Maschine ein, die Druckausgleich und Füllvermögen über äußere Schläuche regelt. Bei Säuglingen wie Jonas gestaltet sich dieser Prozess schwieriger, weil der kleine Körper mit dem Blutvolumen der Herz-Lungen-Maschine, die für erwachsene Menschen konstruiert ist, überfordert ist. Das Herzzentrum entwickelte daher Mini-Teile für Säuglinge unter drei Kilogramm, um lebenswichtige OPs durchführen zu können.

„Damit sind wir europaweit die einzige Klinik“, sagt der Leiter des Herzzentrums, Roland Hetzer. Die Abteilung rechnet damit, dass im Jahr nun rund 60 Babys am offenen Herzen mit der HLM-Maschine operiert werden. Zur Ausbildung der dafür wichtigen Kardiotechniker ist am ersten April ein Bachelor-Studiengang an der Steinbeis-Hochschule mit 18 Studenten gestartet.

Für Jonas spielt das keine Rolle mehr. Der kleine Junge wiegt mittlerweile zwei Kilogramm und lebt wieder in seiner Heimatstadt Frankfurt (Oder). Ganz gesund und ohne Herzfehler. liv

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