Berlin : 900 Polizisten wachen im neuen Flughafen

Sicherheitsbehörden stellen ihr Konzept vor

Die Polizeiplaner. Thorsten Bley (rechts) und Nico Neuendorf auf dem Rollfeld. Foto: dapd
Die Polizeiplaner. Thorsten Bley (rechts) und Nico Neuendorf auf dem Rollfeld. Foto: dapdFoto: dapd

Schönefeld - Sie spielen alle Szenarien durch: Landes- und Bundespolizei bereiten sich intensiv auf die Eröffnung des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld vor. Für die Landespolizei leitet Torsten Bley das „Projekt BER“. Der Polizeioberrat spricht mit Blick auf den künftigen Hauptstadtflughafen von einer „kritischen Infrastruktur“ und betont: So ein Flughafen könne möglicherweise auch ein Ziel von Terroristen werden.

Mit einer Kapazität von künftig 27 Millionen Passagieren wird der neue, riesige Flughafen die Schönefelder Polizisten vor viele neue Herausforderungen stellen. Wachenleiter Nico Neuendorf sagt aber: „Ein Szenario, das wir nicht im Griff haben, kann ich mir nicht vorstellen“.

Die Projektgruppe der Brandenburger Polizei arbeitet seit rund vier Jahren daran, dass ab der Flughafeneröffnung am 3. Juni 2012 alles glattläuft. Auch Übungen zu Katastrophen oder Geiselnahmen stehen im Fahrplan der Vorbereitungen. Ab November sind die Polizisten an hunderten praktischen Probeläufen beteiligt, bei denen vor Betriebsstart alle erdenklichen Probleme durchgespielt werden, die auf einem Flughafen auftreten können, wie Bley erläutert. Auch rund 600 Besuche von Ministern und Regierungschefs werden die Polizisten künftig am BER beschäftigen, schätzt Bley.

Derzeit landen fast alle Staatsgäste noch am Flughafen Berlin-Tegel, der nach der BER-Eröffnung geschlossen wird. Am Flughafen Schönefeld zählt Wachenleiter Neuendorf bislang keine zehn Staatsgäste pro Jahr. Hinzukommen aber schon heute täglich ein bis zwei „gefährdete Personen“ wie Ministerpräsidenten und Konzernchefs.

Derzeit bearbeiten die Schönefelder Polizisten jährlich mehr als 1000 Einsätze im Bereich des Flughafens – von Blechschäden auf dem Parkplatz bis zu Prügeleien unter Reisenden. Bley rechnet mit einer Vervierfachung der Einsatzzahlen am BER. Dafür stockt das Innenministerium das Personal auf: Aus der Wache Schönefeld mit derzeit 63 Polizisten soll im Zuge der Polizeireform eine Polizeiinspektion mit 140 Beamten werden.

Auch die Bundespolizei rüstet am BER kräftig auf. Etwa 750 Beamte werden künftig im Terminal Pässe kontrollieren, Streife laufen, Gepäckstücke durchleuchten oder auch für die Sicherheit im neuen unterirdischen Flughafenbahnhof sorgen, sagt der Bundespolizei-Chef an den Berliner Flughäfen, Horst Lang.

Während die Landespolizisten sich um die vielen allgemeinen Delikte wie Diebstähle und Streit zwischen Reisenden kümmern, konzentrieren sich die Kollegen von der Bundespolizei vor allem auf die grenzpolizeiliche Kontrolle und die Sicherheit des Luftverkehrs, erläutert Lang. Im Ernstfall entscheide aber die Nähe zum Tatort darüber, wer zuerst übernimmt. Die Brandenburger Polizisten Bley und Neuendorf müssen unterdessen noch viele kleine Aufgaben bewältigen. Für die BER-Polizisten hätten sie spezielle Englischkurse organisiert, um die Sprachkenntnisse weiter zu verbessern, sagt Bley. Wer auf internationalen Flughäfen arbeitet, müsse auch Englisch sprechen.dapd

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