Berlin : 92 Millionen Euro für alte Flughäfen

Betreibergesellschaft muss in Tegel und Schönefeld investieren

Klaus Kurpjuweit

Unabhängig vom gestoppten Ausbau in Schönefeld muss die Flughafengesellschaft weiter viel Geld in die bestehenden Anlagen stecken. Bis 2010 sollen allein in Schönefeld (alt) und in Tegel insgesamt 92 Millionen Euro investiert werden – um mehr Passagiere abfertigen zu können und um die Anlagen, zum Beispiel die Start- und Landebahnen, zu betreiben. Der Löwenanteil, 36 Millionen Euro, soll noch in diesem Jahr ausgegeben werden. Bis 2010 sinkt die Jahresrate auf acht Millionen Euro. Sollte Tempelhof in Betrieb bleiben, wäre noch mehr Geld erforderlich.

Insgesamt benötigt die Flughafengesellschaft bis 2010 nach dem derzeitigen Finanzierungskonzept 2,975 Milliarden Euro. Zu den veranschlagten Baukosten für den Ausbau in Schönefeld in Höhe von 1,983 Milliarden Euro kommen noch die Zinsen und die Gebühren für die Kredite hinzu, für die man intern 333 Millionen Euro ansetzte. Diese Zahl wollte die Flughafengesellschaft geheim halten, was jedoch nicht gelang. Nachdem die Summe veröffentlicht worden war, hätten die Banken in den laufenden Verhandlungen sofort ihre Zinsforderungen erhöht, heißt es. Jetzt müssen sie wohl zunächst auf ein gutes Geschäft verzichten. Die Flughafengesellschaft wollte nämlich unmittelbar nach der von ihr erwarteten Bestätigung des Baurechts einen Kredit in Höhe von 330 Millionen Euro aufnehmen. Jetzt prüft sie, ob der Kredit in dieser Form noch erforderlich ist.

Auf jeden Fall will die Gesellschaft aber Altkredite in Höhe von 388 Millionen Euro tilgen. Ferner hat sie, um jederzeit zahlungsfähig sein zu können, im Finanzierungsplan bis 2010 ein Reservekonto mit 121 Millionen Euro vorgesehen. Und für Steuern muss sie voraussichtlich 27 Millionen Euro aufbringen. Für die Gesamtausgaben in Höhe von 2,9 Milliarden Euro gibt es seit Dezember 2004 auch ein Gegenfinanzierungs-Modell.

Nicht in der Rechnung der Flughafengesellschaft enthalten ist, wie berichtet, der Bahnanschluss mit dem unterirdischen Flughafenbahnhof, dessen für Anfang Januar 2006 geplanter Baubeginn das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag bis zur Entscheidung im Hauptverfahren gestoppt hat. Der Bau soll 496 Millionen Euro kosten. Weitere 600 Millionen Euro sollen Private aufbringen, zum Beispiel für Hotels oder Parkhäuser.

Angaben, die Kosten für den FlughafenNeubau würden sich auf vier Milliarden Euro verdoppeln, seien „Unsinn“, hieß es gestern im Verkehrsministerium. Ausbaugegner Ferdi Breidbach forderte unter Berufung auf die angebliche Kostenverdoppelung die Rücktritte des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, des Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck sowie des Verkehrsministers Manfred Stolpe.

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