Ja, wo fahren sie denn? BVG und S-Bahn sparen an nützlichen Informationen und lassen ihre Fahrgäste oft ratlos zurück. Abhilfe könnten Zugabfertiger schaffen - nur: die BVG hat ihre schon lange wegrationalisiert, die S-Bahn ist gerade dabei.
Hilflose Touristen und ratlose Gelegenheitsfahrer, die nicht wissen, wie ihre Züge fahren – und dazu fast keine Informationen: Bei der BVG ist dies seit wenigen Wochen Alltag auf dem Umsteigebahnhof Wittenbergplatz, und bei der S-Bahn müssen sich die Fahrgäste damit auf der Station Savignyplatz schon seit weit mehr als einem Monat herumschlagen. Abhilfe könnten Zugabfertiger schaffen, die bei der BVG jedoch schon vor Jahren wegrationalisiert worden sind und bei der S-Bahn jetzt von den Bahnsteigen verschwinden werden.
Der auch von vielen Touristen genutzte Bahnhof Savignyplatz gehört zu den Stationen, auf denen es bereits keinen Abfertiger mehr gibt. Die modernen – und teuren – Anzeigetafeln zeigen seither als Fahrziel nur noch an, dass Züge der Linie 5 „Richtung Friedrichstraße über Zoologischen Garten und Hauptbahnhof“ sowie der Linie 9 „Richtung Westkreuz“ fahren. Welche Züge und welche Linie tatsächlich über Friedrichstraße weiter nach Ahrensfelde, Wartenberg, Strausberg oder Strausberg Nord fahren, müssen sich die Fahrgäste ebenso zusammenreimen wie in der Gegenrichtung, wo es Züge bis Potsdam, Spandau, Westkreuz oder Charlottenburg gibt.
Die Anzeigetafel sei vorher vom Zugabfertiger eingestellt worden, sagte ein S-Bahn-Sprecher. Auf Automatik werde erst im nächsten Jahr umgestellt. Dann sollen die Zugabfertiger fast auf den gesamten Ost-West-Strecken von den Bahnsteigen abgezogen werden – wie auf der Ringbahn bereits vorgemacht. So lange bleibt es bei den uninformativen Anzeigen, was die S-Bahn als Zwischenlösung bezeichnet. Am einfahrenden Zug könnten die Fahrgäste schließlich sehen, wohin die Fahrt gehe. Und im Zug gebe es ebenfalls Durchsagen. Wer versehentlich falsch eingestiegen sei, müsse eben im nächsten Bahnhof noch einmal den Zug wechseln.
Auf dem U-Bahnhof Wittenbergplatz funktionieren immerhin die Zugzielanzeiger automatisch. Seit an der U 1 am Gleisdreieck eine Brücke saniert wird und der Fahrplan deshalb erheblich geändert worden ist, sind die Anzeigen für viele Unkundige aber verwirrend. Weil der Abschnitt zwischen Wittenbergplatz und Gleisdreieck gesperrt ist, fahren die Züge der U 3 von Krumme Lanke nicht mehr nur bis zum Nollendorfplatz, sondern weiter – zunächst bis Spittelmarkt und inzwischen werktags bis zum Alexanderplatz. In der Gegenrichtung fahren die Züge vom gleichen Gleis abwechselnd nach Ruhleben oder Krumme Lanke. Das Gleis, das die U 3 sonst nutzt, bleibt ohne Verkehr.
Durchsagen über Lautsprecher im Bahnhof durch einen Mitarbeiter wie früher bei den Abfertigern hält man bei der BVG offenbar für überflüssig. Die aufgestellten Schilder seien ausreichend, zudem sei ein mobiler Dienst zwischen den Bahnhöfen unterwegs, der Fragen beantworte, sagte ein Sprecher. Finde man die BVG-Mitarbeiter nicht, könne ein Unkundiger ja auch einen anderen Fahrgast fragen, der Bescheid wisse, heißt es bei der BVG. Die Bauarbeiten sollen am 21. Dezember abgeschlossen sein.
Klaus Kurpjuweit
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.12.2007)
Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »
Bahnen bleiben Minuten lang unerwartet im Tunnel stehen ohne, dass es irgendeine Ansage gibt ... weder zum Grund noch zur Dauer.
Auf die gesperrte Treppe am Kottbusser Tor wird weder im Zug noch im Internet hingewiesen. Auch die Fahrplanauskunft sieht hier keine verlängerte Umsteigezeit vor.
Zu guter letzt wird häufig auch das Umsteigen von im Internet ausgegebenen Nachtbusverbindungen verpasst (z.B. am Hackeschen Markt und am Schlesischen Tor). Dies ist besonders ärgerlich, da man, wenn man als Berliner nicht noch ein paar Alternativverbindungen im Kopf hat, fast eine halbe Stunde nachts bei Wind und Wetter auf den nächsten Bus warten muss. Touristen freundlich ist dies auch nicht!
So hat auch der oberste Mann bei der BVG einen Chauffeur und wird die Dienste, die er qualitativ verwaltet nur den Zahlen nach kennen und die müssen für seinen Job stimmen. Einzelschicksal? Wer hat sich, außer dem vorgeschalteten CallCenter, dafür zu interessieren?
Beförderungsfälle (außerhalb der Dienstleistungswüste D heißen sie -soweit ich mich erinnere- Fahrgäste) kosten Geld, und Kostenfaktoren sind wegzurationalisieren.
Und wenn keine Beförderungsfälle mehr auf den Bahnsteigen stehen, beschwert sich auch keiner mehr über die Entmenschlichung der Bahnhöfe und des Service´.
Übrigens: Die Bahn-AG und die S-Bahn GmbH gehören zum gleichen Konzern.
Und noch immer schafft es die Bahn AG nicht, auf den Fernbahnsteigen S-Bahn-Fahrpläne auszuhängen und umgekehrt!
z.B. an der TU-Berlin am Sommersemester 2002 für 109 Euro eingeführt, kostet es im laufenden Semester schon 149,50 Euro. Nächste Wochen laufen die Abstimmungen, ob es mit einer Preissteigerung auf 168 Euro im Sommersemester 2009 fortgeführt werden soll ... NATÜRLICH OHNE die Möglichkeit der Nachverhandlung! Wenn ich das Semesterticket nicht so gerne nutzen würde, könnte ich mich über die 54%-ige Preiserhöhung in wenigen Jahren und den wirklich sicheren Einnahmenposten der Verkehrsbetriebe trefflich ärgern ;-)
Also fleißig weitersparen!