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Berliner Zoo

Knut kam, sah und knuddelte

Zuerst versteckte er sich schüchtern hinter den Hosenbeinen seines Pflegers, doch dann tollte Knut bei seinem ersten öffentlichen Auftritt munter durch das Gehege des Berliner Zoos - ohne großen Respekt vor Kameras. Knut-Fans aus aller Welt waren begeistert.
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Berlin - Eine Menschentraube umringt am Freitagmorgen das Braunbärengehege im Berliner Zoo. Kameraleute und Fotografen aus der ganzen Welt drängen sich dicht an dicht. Dazwischen mischen sich Schulkinder, die im Sprechchor "Wir wollen Knut!" skandieren. Das Eisbärenbaby nimmt es gelassen. Seine Aufmerksamkeit gilt einzig und allein seinem Pfleger Thomas Dörflein.

Vertrauensvoll kuschelt sich Knut an seinen Ziehvater. Mal nuckelt er an der Kuscheldecke, die Dörflein fürsorglich mitgebracht hat. Dann tappst das Jungtier an der Seite seines Pflegers über die Wiese im Gehege und klettert noch ein bisschen unbeholfen über die Felsen. An seinem neuen Patenonkel, dem Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), zeigt der kleine Bär dagegen kein gesteigertes Interesse.

Pfleger schloss sich mit seinem Schützling ein

Erst als Gabriel das Gehege verlassen hat und Knut mit seinem Pfleger allein ist, scheint sich das Bärenbaby richtig zu entspannen: Gemütlich streckt er alle Viere von sich, räkelt sich gemeinsam mit Dörflein auf dem Boden. Dieser wiederum hütet seinen Schützling wie seinen Augapfel. Dörflein habe sich "aus Angst vor Entführungen" in der Nacht zum Freitag mit Knut sogar eingeschlossen, berichtet Zoologe Ragnar Kühne.

Laut Kühne sind schätzungsweise rund 300 Journalisten bei Knuts erstem Ausflug ins Gehege dabei. "Genaue Zahlen haben wir nicht", sagt er. "Wir haben es nicht so päpstlich mit Anmeldungen gesehen und alle Journalisten reingelassen." Dass "Cute Knut" inzwischen auf der ganzen Welt seine Fans hat, ist am Freitag offensichtlich. Journalisten unter anderem aus Japan, Kolumbien, Spanien, Skandinavien, Kanada, Großbritannien und den USA sind genau so wie ihre deutschen Kollegen dabei.

Tötungsgerüchte sorgten für Aufsehen

Nach Ansicht von Zoo-Tierarzt André Schüle liegt das Medieninteresse auch darin begründet, dass die neugeborenen Tiere sonst weder in freier Wildbahn noch in Zoos zu sehen seien: "Eisbärenbabys bleiben in den ersten drei bis vier Monaten bei der Mutter in der Höhle." Eine amerikanische Journalistin sagt, dass die Tötungsgerüchte um Knut in den USA für Aufsehen gesorgt hätten.

Von der Sankt-Franziskus-Schule aus Berlin-Schöneberg bekommen die professionellen Medienvertreter Konkurrenz. Die Schüler wollen einen Artikel für das Schuljahrbuch schreiben. "Wir haben schon länger mitverfolgt, was Knut macht", erzählt Jonas, Schüler der siebten Klasse. Am Donnerstag hätten sie gehört, dass Knut seinen großen Auftritt habe und seien deswegen in den Zoo gegangen. Der 15-jährigen Nadine, die dieselbe Schule besucht, macht das Gedränge am Gehege nichts aus. "Das kenne ich von Konzerten", sagt sie, während sie hartnäckig ihren Weg weiter nach vorne Richtung Gehege bahnt.

Gabriel: Der ist ja wirklich süß!

Aus sicherem Abstand versuchen andere Besucher einen Blick zu erhaschen. Eine ältere Dame hält ihren zweijährigen Enkel hoch. "Eisbärbaby", sagt der Kleine und strahlt über das ganze Gesicht. Auch die Oma freut sich. "Guck mal, wie lieb der ist", sagt sie, als Knut mit seinem Pfleger knuddelt.

Ebenfalls angetan von Knut ist der Bundesumweltminister. "Der ist ja wirklich süß", sagt Gabriel und lächelt dabei versonnen. Er durfte Knut sogar streicheln. "In sechs Monaten würde ich aber nicht mehr zu Knut ins Gehege gehen", räumt er ein, obwohl er bei seinem ersten Treffen nicht gebissen wurde. Genau das hatte Kühne befürchtet, wenn Knut seinen neuen Patenonkel begrüßen würde. Schüle hatte zuvor nicht ausgeschlossen, dass das Eisbärenbaby aus Übermut Gabriel "ein Loch in die Hose" reiße. (tso/ddp)
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