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Vergünstigung

Die solidarische Eintrittskarte

Seit einem Jahr bietet der Berlinpass Ermäßigungen. Anspruch haben 700.000 Menschen, weil sie Hartz IV, Sozialhilfe oder Grundsicherung erhalten beziehungsweise Asylbewerber sind. Nach einer chaotischen Startphase haben die Bezirke die Mehrarbeit im Griff.
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Preiswert ins Museum. Der Berlinpass macht es möglich. Foto: dpa/Kumm dpa
Seit einem Jahr gibt es den Berlinpass – eine einheitliche amtliche Vergünstigungskarte im Scheckkartenformat. „Öffne Dir die Stadt“ steht auf der lilafarbenen Karte, mit der es inzwischen Ermäßigungen in 163 privaten und öffentlichen Einrichtungen gibt, wie etwa Sportvereine, Zoo und Tiergarten, Bibliotheken, Schwimmbäder, Theater und das BVG-Sozialticket.

Bis Dezember haben über 290 000 Berliner einen Antrag auf den Freizeitpass gestellt, knapp 140 000 haben ihn nach Ablauf schon verlängern lassen. Die Antragszahl entspricht damit der Erwartung der Sozialverwaltung. Anspruch haben 700 000 Menschen, weil sie Hartz IV, Sozialhilfe oder Grundsicherung erhalten beziehungsweise Asylbewerber sind.

Die Hartz-IV-Bezieher müssen den Berlinpass immer wieder neu beantragen, wenn sie auch das Arbeitslosengeld II neu beantragen. In der Regel also nach sechs Monaten. Da der Zeitpunkt für den Neuantrag individuell ausfällt, ist nach dem ersten Ansturm nicht mehr mit einem Bearbeitungsstau zu rechnen, wie es Anfang des Jahres bei der Einführung des Berlinpasses der Fall war. Damals stürzte die Mehrbelastung die Ämter ins Chaos. In Neukölln etwa gibt es seit Februar Wachschutz im Bürgeramt, nachdem eine Mitarbeiterin von einem wütenden Bürger angegriffen wurde und einen Kieferbruch erlitt.

Doch die Ermäßigungskarte bedeutet nach wie vor eine Mehrbelastung für die Bürgerämter, die den Ausweis ausstellen: Rund 430 000 zusätzliche Vorgänge waren es insgesamt in den ersten 11 Monaten. „Das macht viel Arbeit“, sagt Jürgen Freund vom Landesamt für Bürgerangelegenheiten, das den Berlinpass im Auftrag der Sozialverwaltung koordiniert. Manche Bürgerämter hätten Extraschalter einführen müssen, andere haben eine gesonderte Warteschlange für den Berlinpass ausgewiesen. Die Anträge verteilen sich zudem nicht gleichmäßig über die Stadt. „Die meisten Berlinpässe wurden mit rund 60 000 in Mitte beantragt“, sagt Freund. Danach folgen Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg.

„Inzwischen hat sich der Stress entzerrt“, sagt Kristian Schiemann, Leiter des Bürgeramtes Neukölln. „Wir haben mehr Personal und Geld bekommen, die Arbeit hat sich eingespielt.“ Er könne sich nicht mehr beklagen. 640 000 Euro Personalkosten hat der Senat den Bezirksämtern für die Ausgabe der Berlinpässe zusätzlich zur Verfügung gestellt. „Diese Summe erhöhen wir in den Jahren 2010 und 2011 jeweils um 20 Prozent“, sagt Anja Wollny, Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales, „weil wir davon ausgehen, dass die Zahl der Anträge weiter zunimmt.“

Für das erste Jahr sei die Bilanz „gut, aber steigerungsfähig“, sagt Wollny. „Je mehr mitmachen, desto besser.“ Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) will im kommenden Jahr dafür werben, dass sich mehr Unternehmen an den Vergünstigungen für einkommensarme Berliner und ihre Familien beteiligen. Ferda Ataman



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.12.2009)
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Kommentare [ 4 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von stefan.d. stefan.d. ist gerade online | 27.12.2009 20:46 Uhr
.....
Die Bildunterschrift ist falsch "preiswert ins Museeum", der Eintritt ist FREI.
Sehr schön, für alle arbeitenden Menschen, die sich die Nofretete nur Donnerstags zwischen 16:00 und 20:00 leisten können.
Comment
von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 27.12.2009 21:30 Uhr
Stefan d.
Gönnen wir es denen, die nicht so viel haben, sollen diese Menschen vom Leben ausgeschlossen werden? So einfach sollte es sich eine Gesellschaft nicht machen, die es selbst verschuldet hat, ich zahle es gerne für Schwächere.
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 28.12.2009 5:46 Uhr
Erschrekende Zahlen
700,000 Berliner beziehen staatliche Grundsicherungen, also gut 20% oder jeder 5. Also igendwie hoert sich das schauerlich an. Die Ausnahme wird zum Regelfall, und die wirtschaflich Aktiven werden zur Minderheit.

Irgendwie muss sich da etwas Grundlegendes aendern. Unsere Ansprueche auf das quasi-Mindesteinkommen Hartz IV (mit all seinen Sonderverguetigungen und Boni, wie Sozialticket, Miet- und Heizkostenuebernahme) muessen re-evaluiert werden, wirtschaftliche Barrieren muessen abgebaut werden, und inaktive Transferempfaenger im arbeitsfaehigen Alter muessen zu Arbeitsdiensten heran gezogen werden.
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von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 28.12.2009 22:59 Uhr
@Jetbundle
Sie meinen Arbeitsdienste, dass was früher der Öffentliche Dienst übernommen hat, dass kann doch nicht die Zukunft für viele junge Menschen sein, ins Arbeitslager gesteckt zu werden, ich bitte Sie. Wir brauchen eine komplette Umgestaltung des Arbeitsmarktes und wir brauchen verantwortungsvolle Politiker, die sich um die Menschen im Land kümmern, dass ist verwerflich wie Sie schreiben und erinnert stark an eine Zeit, die wohl niemand zurück haben möchte, politisches Versagen auf der ganzen Linie, nicht die Menschen sind daran Schuld.

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