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Berlin

Polizeigewerkschaft befürchtet noch mehr brennende Autos

In der Nacht zum Sonntag sind in Berlin erneut sechs Autos in Brand gesteckt worden, darunter mehrere größere Geländewagen. Damit hat sich die Zahl der 2009 abgefackelten Fahrzeuge auf mindestens 212 erhöht. Sicherheitsexperten warnen vor zunehmender "Protestkriminalität".
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Technischer Defekt. In Halensee entzündete auslaufendes Benzin aus einem Auto am Sonnabend auch die nebenstehenden vier geparkten Fahrzeuge. Die Polizei schließt in diesem Fall eine Straftat als Brandursache aus. Foto: ddp/Gottschalk ddp
Berlin kommt nicht zur Ruhe. Nachdem in der Nacht zum Sonntag erneut sechs Autos in Brand gesteckt worden sind, hat sich die Zahl der 2009 abgefackelten Fahrzeuge auf mindestens 212 erhöht. In Prenzlauer Berg und Mitte brannten am Samstagabend mehrere Geländewagen und ein Mercedes – und zwar ungewöhnlich früh zwischen 18 und 22 Uhr. In Kreuzberg brannte wenige Stunden später ebenfalls ein Mercedes. Da ein politischer Hintergrund infrage komme, ermittele „wie üblich“ der Staatsschutz, hieß es von der Polizei. An den Weihnachtstagen wurde außerdem die dänische Botschaft – aus Protest gegen die Polizeieinsätze beim Klimagipfel in Kopenhagen – mit Farbe besprüht. Schon im vergangenen Jahr gab es in Berlin 135 Brandanschläge auf Fahrzeuge, darunter Autos von Bahn, Behörden und Firmen.

„Ein bisschen wird man wohl damit leben müssen, dass es solche Angriffe gibt“, sagte Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Tagesspiegel. In diesen „schwierigen Zeiten“ habe sich eine „Protestkriminalität“ herausgebildet, die sich im kommenden Jahr zunächst noch verschärfen werde. Zunehmende Konkurrenz und krassere soziale Konflikte hätten dazu beigetragen, dass junge Menschen den Anschluss verlören. Außerdem gebe es inzwischen einen wachsenden Bevölkerungsteil in allen Schichten, der mit Anschlägen auf teure Autos sympathisiere, auch, weil sie selbst sich keine bürgerliche Existenz mehr aufbauen könnten. Auch die Angriffe auf Polizisten in den vergangenen Monaten, sagte Wendt, könnten als Teil einer zunehmenden Protestkriminalität gesehen werden. „Auf Politiker kann man keinen Stein schmeißen, die trifft man nie, aber auf Polizisten leider schon.“

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sieht bei der Hälfte der Autobrandstiftungen einen linksextremen Hintergrund – er hatte Autonome kürzlich mit „rotlackierten Faschisten“ verglichen und bekräftigte diesen Vergleich jetzt noch einmal. Allerdings gehen Experten davon aus, dass zunehmend auch als unpolitisch eingestufte Jugendliche Autos anstecken. Die am Samstagmittag in Halensee ausgebrannten Fahrzeuge sind nach derzeitigen Erkenntnissen jedoch wegen eines technischen Defekts in Flammen aufgegangen. Drei Polizisten außer Dienst nahmen indes gestern alkoholisierte Reifenstecher und Farbschmierer fest, die sich in Friedrichshain an hochpreisigen Autos abreagierten.

Der Extremismusexperte Hans-Gerd Jaschke, der als Politikwissenschaftler an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht angehende Polizisten unterrichtet, hatte im Tagesspiegel den Senat kritisiert, mit den sozialen Folgen der Umstrukturierung von Innenstadtvierteln nicht sensibel genug umzugehen. Die Politik reagiere vor allem durch Moralisierung und Ächtung, sagt Jaschke, und bezog sich dabei auch auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der das Abfackeln von Autos im Tagesspiegel als „pervers“ bezeichnet hatte. Polizei und Verfassungsschutz wollen nicht zuletzt nach dem Angriff auf eine Hamburger Wache und dem Bau von Gaskartuschenbomben in Berlin stärker gegen die autonome Szene vorgehen. Die Bundesanwaltschaft warnte sogar vor einer vermeintlichen Terrorgefahr.

Dennoch sei Deutschland im europäischen Vergleich ein ruhiges Land, sagte Polizeigewerkschafter Rainer Wendt – so seien auch extremistische Parteien hierzulande kaum etabliert.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.12.2009)
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Kommentare [ 43 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von hansenberg hansenberg ist gerade offline | 27.12.2009 18:53 Uhr
Spiegel
Berichtet man nicht darüber, brennen auch keine Autos. Frankreich praktiziert dies erfolgreich seit Jahren.
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von ceo ceo ist gerade offline | 27.12.2009 22:10 Uhr
ziemlich unlogisch
ahja und deswegen brannten silvester in paris 1100 autos, klingt nicht gerade logisch.
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von hansenberg hansenberg ist gerade offline | 28.12.2009 0:05 Uhr
Es
waren mehr, logisch.
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von schoeneberger schoeneberger ist gerade offline | 27.12.2009 18:59 Uhr
Denkfortschritt
Erfrischend, wie der Chef der Polizeigewerkschaft endlich mal auf den Trichter kommt, Brandanschläge auf Kfz als Phänomen mit strukturellen gesellschaftlichen Ursachen zu deuten und auch in dem Kontext zu sehen, dass die soziale Spaltung in dieser Stadt durch Quartiersaufwertungsprozesse zunimmt.
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von Chamster Chamster ist gerade offline | 27.12.2009 19:53 Uhr
durch Quartieraufwertungsprozesse?
also soll man in den aufgewerteten Quartieren lieber alles verkommen lassen? Nur damit irgendwelche Verbrecher nicht brandschatzen? Wohl kaum! Es sind doch Eigentümer, die auf Ihre Kosten hier Stadtsanierung betreiben, und das passt denen nicht, denen da nichts gehört, die aber alles haben und nutzen wollen, ohne dafür zu bezahlen. Man sollte viel härter gegen solche Verhältnisse vorgehen.
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von schoeneberger schoeneberger ist gerade offline | 27.12.2009 20:13 Uhr
@chamster
Menschen werden Stadtsanierung mit privaten Mitteln, hübsch renovierte Hausfassaden, Dachgeschosswohnungen und Car-Loft-Wohnungen solange zu schätzen und als Stadtaufhübschung zu bewundern wissen, wie damit keine sozialen Verdängungs- und Ausschlussprozesse verbunden sind. Dummerweise sind sie das aber. Und sie haben Recht: Gegen solche Verhältnisse sollte man härter vorgehen.
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von Chamster Chamster ist gerade offline | 28.12.2009 9:11 Uhr
kein Zusammenhang
Der Bau eines Hauses dient nicht der sozialen Verdrängung, sondern dem Erhalt von Wohnraum in der Stadt. Wenn insofern sich die Bewohner eines zuvor abgerissenen Altbaus diese neuen Wohnungen nicht leisten können, werden sie jedoch nicht verdrängt, sie können sich diese Wohnung halt nur nicht leisten und ziehen woanders hin. Der Umkehrschluss wäre doch, daß keiner mehr in den Hausbau inverstiert und alles bleibt wie es ist. Wozu das gerade beim Hausbau führt hat man in der DDR gut sehen können, dies kann nicht die Lösung sein. Die Menschen sollten einfach mal akzeptieren, daß es Menschen mit hohem und Menschen mit niedrigerem Einkommen gibt und auch immer geben wird, egal ob man das will oder wie auch immer bewertet. Jeder der glaubt, das wird irgendwann mal anders sein, ist ein Träumer. Die unterschiedliche Einkommenssituation wirkt sich auf die Wahl der Wohnung aus, und nicht der Neubau von Häusern.
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von omni omni ist gerade offline | 28.12.2009 14:39 Uhr
Zusammenhänge
Nun, genau diese Zusammenhänge, die Sie als Gott-gegeben darstellen sind es eben nicht. Es ist die bewusste Entscheidung einer Gesellschaft ob sie das Thema Wohnraum alleine dem Markt überlässt oder ob sie im Sinne einer gesunden sozialen Durchmischung von Wohnquartieren und dem Zusammenhalt der Gesellschaft auch andere Maßstäbe anlegt. Genau diese eiskalte, rein marktorientierte Argumentation, die auch sie verwenden verursacht nun einmal viel Frustration und Wut, nicht nur bei Auto-Anzündern.

Es wäre an der Zeit, das die Politik dieses Problem erkennt und an der wahren Wurzel bekämpft. Schon der BKA-Präsident Herold hat in den 70er Jahren erkannt, dass Terrorismus und Gewalt nicht allein durch polizeiliche Mittel bekämpft werden können, sondern dass die Politik die Ursachen für diese Frustration erkennen muss.
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von Chamster Chamster ist gerade offline | 28.12.2009 15:57 Uhr
Gott-gegeben ist gar nichts
[b][/b]denn es gibt keine Götter, es gibt nur Leute die dran glauben.
Und unsere Gesellschaft hat sich nun mal mehrheitlich für die marktorientierte Beschaffung von Wohnraum, wie wir sie heute haben, entschieden. Wenn hier Frust entsteht, dann doch nur weil die Meinung von Minderheiten nach deren Verständnis zu kurz kommt. Aber so ist das nun mal in der Demokratie, es kann nicht allen gleichsam recht remacht werden, immerhin noch besser als in anderen Gesellschaftsformen. Und wer daran was ändern will kann sich politisch betätigen, mit Gewalt erreicht man sein Ziel jedenfalls nicht, schon gar nicht wenn sich die Gewalt gegen Leute richtet, die man gar nicht kennt, oder?
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von flimmergruen flimmergruen ist gerade offline | 28.12.2009 15:10 Uhr
Eine Frage der Regulierung
Dass Häuser immer mal wieder alle Jahre saniert oder modernisiert werden müssen, ist klar, und auch Neubau wird hier und da nötig. Diese Maßnahmen werten den Gebrauchswert des Bestands auf. Schnellt aber gleichzeitig der Tauschwert, also der Immobilienpreis in die Höhe, sind soziale Verdrängungsprozesse die folge - zumindest wenn nicht gleichzeitig die Einkommen
entsprechend steigen.

Es hat hierzulande zu unterschiedlichen staatliche Methoden der Regulierung gegeben, die diese sozialen Folgen abgemildert haben. Da gab es sozialen Wohnungsbau in unterschiedlichsten Formen, die leider in Zusammenhang mit einem korrupten Bau-Politik-Filz schamlos ausgenutzt worden sind. Da gab es Gelder zur Sicherung mietpreis- und belegungsgebundener Wohnungen in Sanierungsgebieten, wegen derer z.B. Prenzlauer Berg zwar nahezu vollständig aufgewertet aussieht, aber eben noch nicht im gleichen Maße sozial entmischt ist.

All diese Methoden der Abmilderung von Aufwertungsprozessen sind zum Ende der 90er Jahre abgeschafft worden. Nun erleben wir Aufwertung ohne Abmilderung, lediglich etwas verlangsamt durch das Mietrecht. Aber das hilft nur denjenigen, die in ihrer Wohnung bleiben und diese nach einer Modernisierung noch bezahlen können. Wer eine neue Wohnung braucht, schaut in die Röhre oder muss nehmen, was am schwer umkämpften untersten Rand des Marktes bleibt - oder eben abwandern, d.h. durch den Aufwertungsprozess verdrängt werden. Manche bleiben noch eine Weile, müssen aber immer mehr von ihrem Einkommen für die Miete ausgeben, sodass weniger zum Leben bleibt.

Über kurz oder lang könnte diese Entwicklung dazu führen, dass einkommensschwächere Menschen sich die Innenstadtbezirke nicht mehr leisten können - eine Entmischung wie es sie z.B. in Paris gibt. Wer eine soziale Mischung will, muss dagegen für eine wirksame Regulierung des Marktes eintreten.
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von Chamster Chamster ist gerade offline | 27.12.2009 19:09 Uhr
bekämpft die Brandstifter
wo Ihr sie auf frischer Tat ertappt! Dieser Mob zerstört, was andere Leute sich aufgebaut haben, nur aus wirren ideologischen Überzeugungen oder nur für den "Thrill"
Es ist Zeit, daß sich die Gesellschaft gegen diese Zerstörer und auch die, die mit denen sympathisieren, wehrt!
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade online | 27.12.2009 19:50 Uhr
@chamster
bekämpft die Brandstifter wo Ihr sie auf frischer Tat ertappt!

Mit "auf frischer Tat bekämpfen" meinen Sie sicherlich: Polizei anrufen, sich als Zeuge zur Verfügung stellen oder gegebenenfalls unter Wahrung der Eigensicherung vom Jedermannsrecht (§127, Absatz 1 der StPO) Gebrauch machen, ODER?

Ich frage mal nach, weil Ihr Satz auch als Aufforderung zur Selbstjustiz missverstanden werden könnte.

mog
Comment
von Chamster Chamster ist gerade offline | 28.12.2009 7:37 Uhr
@mog
muss jeder selber wissen, was er tut. Ich weiß nicht, was diejenigen, die (besonders hier im Forum) permanent und penetrant die Arbeit der Polizei kritisieren und abwerten (insbesondere bezüglich des Themas Brandstiftungen), tuen können, vielleicht tun die ja den Brandstiftern einen aus, wenn die Ihren Wagen abfackeln. Ich jedenfalls fordere hier niemanden zur Selbstjustiz auf, aber wer sie in diesem Zusammenhang ausübt hat schon mal eher meine Sympathie als derjenige, der diese Brandstiftungen mit Banker-Boni oder anderem Schwachsinn rechtfertigt, wiederum insbesondere hier im Forum.
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade online | 28.12.2009 12:56 Uhr
@chamster
...aber wer sie in diesem Zusammenhang ausübt hat schon mal eher meine Sympathie als derjenige...

Tja, lieber chamster, also können Sie durchaus SYMPATHIE für rechtswidrige Gewalt empfinden - interessant. Eigentlich ein Fall für Hannibal, aber ich glaube, der ist gerade nicht da.

Sie, chamster, haben also gewisse Sympathie für die eine rechtswidrige Gewalt, weil Sie deren Motivation verstehen. Dahingegen verachten Sie andere Forumsteilnehmer, die die andere rechtswidrige Gewalt nachvollziehen können, weil die deren Motivation sehen.

Dann sind Sie aber nicht besser als die anderen, oder?

Oder im Gegenteil: Sie sind wesentlich SCHLIMMER. Weil Sie ja gar nicht rechtswidrige Selbstjustiz gegen andere rechtswidrige Gewalt auszuspielen versuchen.

Nein, Sie versuchen rechtswidrige Selbstjustiz als besser und verständlicher darzustellen als die friedlichen (wenn auch fragwürdigen) Meinungsäusserungen mancher Foristen hier.

Ich lehne JEDE rechtswidrige Gewalt (in einer Demokratie) ab. Vielleicht schaffen Sie es auch noch dahin, lieber chamster. Der Weg ist weit, aber die Erkenntnis lohnt sich.

mog
Comment
von Chamster Chamster ist gerade offline | 28.12.2009 15:35 Uhr
ja, weil das Notwehr ist
wenn einer jemanden dabei ertappt, der sein Auto anzündet. Wenn mich jemand schlägt, schlage ich auch zurück und telefoniere nicht nach der Polizei. Ich sprach auch davon, dass ich EHER Sympathie für sowas empfinde als für Banker-Boni Rechtfertigungsideologien, nicht daß ich das insgesamt für erstrebenswert halte. Gewalt erzeugt nun mal Gegengewalt, ist nicht schön, ist aber auch unrealistisch, so zu tun als gäbe es das nicht. Falsch ist dagegen Ihre Behauptung, ich habe hier irgendetwas "als besser" versucht, darzustellen. Ich sage hier MEINE Meinung, ich sage niemandem dass diese besser oder richtiger ist als irgend eine andere. Also lassen Sie diese Unterstellungen doch bitte.
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade online | 28.12.2009 16:15 Uhr
@chamster
Ich unterstelle gar nichts, sondern nehme nur Ihre Aussagen zur Kenntnis.

Wenn jemand einen Brandstifter festzunehmen versucht, der ihm das Auto angezündet hat, dann ist das sicherlich KEINE Notwehr. Sondern die Ausübung des von mir nun mehrfach angesprochenen Jedermannsrecht, wenn es denn im Rahmen der rechtlichen Voraussetzungen geschieht. Wenn es den Rahmen des Verhältnismässigen sprengt, dann wird es ganz schnell zur Körperverletzung (oder mehr).

Wenn Sie, chamster, EHER Sympathie für die eine rechtswidrige Gewalt empfinden als für die andere, dann müssen Sie auch akzeptieren, dass andere das umgekehrt sehen. Denn dann geht es persönliche Präferenzen und nicht mehr um rechtsstaatliche Prinzipien.

Habe die Ehre.

mog
Comment
von Chamster Chamster ist gerade offline | 28.12.2009 17:46 Uhr
es geht eigentlich um
angegriffen werden, und sich verteidigen. Und meine aussage war doch: "eher meine Sympathie als derjenige, der diese Brandstiftungen mit Banker-Boni oder anderem Schwachsinn rechtfertigt". Ich habe gar nicht 2 Arten von Gewalt miteinander verglichen, ich habe nur 2 Übel miteinander verglichen, von denen mir eines dann lieber wäre, wenn ich mir eines aussuchen sollte (beachte -> konjunktiv) kann doch nicht so schwer sein, das zu verstehen . . .
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade online | 28.12.2009 18:10 Uhr
@chamster
Stimmt, es ist nicht schwer zu verstehen, ich verstehe schon die ganze Zeit.

Es ging NICHT um "angegriffen werden und sich verteidigen" - das ist eine vollkommen andere Baustelle (Notwehr/Nothilfe).

Es ging um "einen Autoanzünder auf frischer Tat ertappen" - hier greift gegebenenfalls das Jedermannsrecht, solange keine Menschen in unmittelbarer Gefahr sind (sonst wiederum Nothilfe).

Sie haben ganz klar zwei verschiedene Arten von rechtswidriger Gewalt miteinander verglichen und eine davon "sympathischer" gefunden als die andere. Und damit argumentieren Sie nicht rechtsstaatlich.

mog
Comment
von berndbeobachter berndbeobachter ist gerade offline | 28.12.2009 13:14 Uhr
Aha, nun flüchten due Straftäter unter den Schutz des Rechtsstaates
Tja, wenn mir einer mein Auto abfackelt und ich erwische ihn dabei, werde ich mit allen, mir in diesem Moment zur verfügung stehenden Mitteln, agieren. Wenn er sich mir widersetzt, werde ich nicht zögern, die notwendige Gewalt anzuwenden, um ihn der Polizei übergeben zu können. Ich würde aber widerstehen, diesem selbsternannten Widerstandskämpfer höchstselbst zu bestrafen. Wer solche Straftaten begeht, kann nicht darauf zählen, dass der Geschädigte brav still hält. Das ist keine Selbstjustiz, sondern schlichte Notwehr. Diese Leute bringen Gewalt auf die Straßen, die Ernte fahren sie selber ein.
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade online | 28.12.2009 13:30 Uhr
@bernd
Das ist keine Selbstjustiz, sondern schlichte Notwehr.

Weder noch. Was Sie beschreiben, ist das von mir explizit erwähnte Jedermannsrecht und somit legal - sofern die Verhältnismässigkeit gewahrt bleibt.

Wie kommen Sie angesichts der Lektüre meines Beitrages auf die Idee, dass "die Straftäter unter den Schutz des Rechtsstaates flüchten"? Also ich kenne keinen von denen. Ob die den Rechtsstaat anrufen oder sich widerstandslos festnehmen oder erbittert Widerstand leisten würden, das entzieht sich meiner Kenntnis, lieber beobachtender Bernd.

mog
Comment
von berndbeobachter berndbeobachter ist gerade offline | 28.12.2009 14:43 Uhr
Rechtsstaat
Einfach mal lesen, was die Rote Hilfe rät. Die Wohltaten des Rechtsstaates nutzen ohne die Regeln zu akzeptieren. Das meine ich. Wenn ich das Jedermannsrecht anwende, kann es dabei zu Verletzungen kommen, die mir ein gewiefter Täteranwalt als unangemessen und womöglich Körperverletzung mit Vorsatz auslegen könnte. Ich glaube kaum, dass die selbst ernannten Widerstandskämpfer scharf darauf sind, sich in den Mühlen der Justiz wiederzufinden. Abgesehen davon halte ich es für äußerst verwerflich, das Abfackeln von Autos mit Gentrifizierung zu rechtfertigen. Es ist Gewalt und es bleibt Gewalt. Die Motive sind für mich absolut unerheblich. Was st das überhaupt für ein Kampf, der sich auf das Schädigen fremden Eigentums konzentriert? Diese ganzen ideologischen Rechtsfertigungsversuche, die hier gern gepostet werden, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Leute Privateigentum vernichten. Sollen jetzt die "Reichen" Wagenburgen und besetzte Häuser abbrennen, um eine adäquate Antwort zu geben, die verstanden wird?
Comment
von omni omni ist gerade offline | 28.12.2009 15:03 Uhr
Ursachen
Gewalt hat immer Ursachen und eine Gesellschaft sollte versuchen diese Ursachen zu verstehen. Was bringt Menschen soweit, dass sie scheinbar keine andere Möglichkeit mehr sehen als Gewalt anzuwenden? Diese Fragen zu stellen und zu versuchen, Antworten darauf zu finden, hat nichts mit Rechtfertigung zu tun.
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade online | 28.12.2009 15:40 Uhr
@bernd
Und in welchem Punkt widersprechen Sie mir?

Ich meine nur, weil sich Ihr Beitrag wie eine widersprechende Replik zu meinem anhört. Aber inhaltlich kann ich keine Widersprüche erkennen.

mog
Comment
von fellmuetze fellmuetze ist gerade offline | 27.12.2009 19:27 Uhr
Protestkriminalität?
Dann ändert und verschärft nicht nur die gesetze, sondern ändert mal die Politik.
Comment
von lupo lupo ist gerade online | 27.12.2009 19:49 Uhr
Gesetze verschärfen ?
Und das hilft ?

Comment
von fellmuetze fellmuetze ist gerade offline | 27.12.2009 20:01 Uhr
@lupo
Vielleicht wäre es besser so:
Statt sich hinter immer schärferen und neueren gesetzen zu verstecken, mal die Politik ändern.
Comment
von lupo lupo ist gerade online | 27.12.2009 20:17 Uhr
mal die Politik ändern ?
Könnt' ich mich schon eher mit anfreunden !

Comment
von zenoval zenoval ist gerade offline | 28.12.2009 3:42 Uhr
Rasender Stillstand
Zweifelsohne ist es primitiv anderer Leute Luxus zu zerstören: Was ist Luxus heute? Intakte Natur - sinnvolle, erfüllende Arbeit und das Bewusstsein, dass gesellschaftliche Konventionen nicht in Blei gegossen sind.

Ich bin mir sicher, Herr Wowereit meinte eigentlich den Ausdruck "primitiv" nicht "pervers".
Comment
von geddyx geddyx ist gerade offline | 27.12.2009 20:18 Uhr
Wer übt denn hier Selbstjustiz...
@fellmütze u.a.:

Schließlich üben die "Brandterroristen" sehr wohl und unbezweifelt Selbstjustiz, weil sie angreifen, was ihnen missliebig ist - ohne Rücksicht auf die Rechte des Einzelnen. Das ist illegale und undemokratische Zur-Wehr-Setzung. Würde man Gleiches mit Gleichem vergelten wollen, müßte man die Wohnungen und Fahrräder dieser Banditen ebenfalls in Brand setzen. Das ist aber eben genau nicht das Sinnbild unserer Demokratie - und daher köpfen wir auch keine Mörder.

Die Motivation für solche Taten aus den Gehirnen dieser Mitgeschöpfe zu kriegen, ist schwer. Man kann sie nicht herausprügeln. Das geht nur mit Bildung. Dummheit kann man nur mit Entdummung, sprich Bildung begegnen. Das Grundgesetz sollte an den Schulen viel deutlicher gelehrt werden, schon in der Grundschule.

@hansenberg
in Paris oder Strasbourg brennen weit mehr Autos als in Berlin.

Revolutionäre (falls einige Brandstifter sich als solche verstehen) sollten schon fantasievoller sein, als fremdes Eigentum zu vernichten. Mit Robin Hood hat das alles nix zu tun. Massendemos ja, aber alles ohne Gewalt !
Comment
von kokoko kokoko ist gerade offline | 28.12.2009 3:57 Uhr
Rechtssystem spricht kein Recht mehr
In einem Rechtssystem, in dem Arbeitnehmer wegen geringster Vergehen, die nicht nachgewiesen werden müssen, die Existenzgrundlagen gekündigt werden dürfen. Andererseits die Führungsmannschaften von Unternehmen ungestraft bleiben, wenn sie Firmenvermögen zum eigenen Vorteil veruntreuen (Mietverträge Arcandor) oder Sicherheitsvorschriften ignorieren, damit Kunden in Lebensgefahr bringen (brennende oder entgleisende S-Bahnen) und innerhalb des Unternehmens dafür befördert statt angeklagt werden, also in so einem Rechtssystem kann ich gut verstehen, dass man mit Selbstjustiz sympathisiert.
Comment
von Chamster Chamster ist gerade offline | 28.12.2009 9:18 Uhr
dann brauchen wir ja die Polizei nicht
wenn das so ist. Ich frage mich nur, wie man dazu kommt, einen Schachsinn damit zu rechtfertigen, daß es irgendwo einen anderen Schwachsinn gibt. Wenn also irgendeiner entlassen wird, weil er klaut, rechtfertigt das dann auch daß jemand völlig anderes bei einem weiteren anderen das Auto anzündet, war das so gemeint? Dann weiß ich ja auch, was ich mit dem Zündler mache, wenn ich ihn treffe. Oder mit irgendeinem anderen . . .
Comment
von MisterTheo MisterTheo ist gerade offline | 27.12.2009 20:46 Uhr
Ein Großteil ...
... der Berliner wollte doch eben diese politische Linie. Weil es einige Straftäter gibt, die in krimineller Art und Weise Sachwerte zerstören, soll die Politik geändert werden? Was für ein Blödsinn!
Wenn eben soviele Leute der Meinung sind, dass es so nicht weitergeht, sollte es doch ein leichtes Sein zur nächsten Wahl eine eigene Partei (Mal vereinfacht: 7 Leute zur Gründung, so um die 100-200 Mitglieder und roundabout 3000 Unterschriften reichen aus!) zu präsentieren, die dafür kämpft und damit auch in das Abgeordnetenhaus einzieht. Und solange eben das nicht passiert, sind es nunmal Einzelne, die mit nicht statthaften Mitteln, Meinungsmache betreiben.
Comment
von Peter.D Peter.D ist gerade offline | 27.12.2009 21:26 Uhr
Dieser Mob
hat keine Mehrheit in der Bevölkerung. Sonst hätte er ja auch im Parlament die Mehrheit.
Comment
von schoeneberger schoeneberger ist gerade offline | 27.12.2009 23:15 Uhr
@peter d.
wie muss man ihre anmerkung deuten? ich glaube nicht, dass es den politischen teil der brandstiftenderinnen und brandstifter die tatsache sonderlich beeindruckt, dass sie "keine mehrheit" in der bevölkerung haben oder in einem repräsentativen parlamentssystem, das sie rundheraus ablehnen.
Comment
von lionfood lionfood ist gerade offline | 28.12.2009 0:22 Uhr
Leider zu simpel...
Ich befürchte eine Mehrheit der Bevölkerung nimmt das Parlament überhaupt nicht mehr ernst. Die Regierung nimmt es offenkundig auch nicht ernst. Mehr als eine Jobmesse und Gelderverteilungsbörse für Politiker und Lobbyisten ist das nicht mehr. Der Staat, der sich selber Pleite macht, zieht sich an allen Fronten öffentlicher Verantwortung und Sicherheit zurück.
Formen von Frust und Protest in der Bevölkerung und ein ebensolches Abwenden vom Rechtsstaat wie es die Eliten tun, werden sich in diesem Vakuum häufen.

Ich würds mir anders wünschen. Allein, es fehlt der Glaube.
Comment
von petab petab ist gerade offline | 27.12.2009 21:27 Uhr
80 brennende Autos in Straßburg
Was will uns der Kommentator wohl damit sagen? Hat Berlin etwa vielleicht noch Nachholbedarf?
Comment
von der_schoeneberger der_schoeneberger ist gerade offline | 27.12.2009 23:29 Uhr
Differenzieren
Einige Forumsteilnehmer scheinen den Unterschied zwischen "Erklären" und "Rechtfertigen" nicht zu verstehen! Meiner Meinung nach ist es garnicht möglich, dieses Anzünden von Autos zu entschuldigen, diese Taten lassen sich nicht rechtfertigen. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht fragen kann, was die Täter zu ihren Taten treibt (und was andere Menschen dazu bringt, mit den Tätern zu sympathisieren).
Ich bin sehr froh über die analytischen und nachdenklichen Überlegungen des Polizeigewerkschafters! Er verhält sich wie ein Arzt - nicht nur die Symptome bekämpfen (Aspirin + gut ist), sondern gleichzeitig auch den zugrundeliegenden Ursachen nachspüren. Solch professionelles Vorgehen würde ich mir auch von unseren Politikern wünschen.
Comment
von spider spider ist gerade offline | 28.12.2009 1:02 Uhr
So lange, bis einer drin sitzt...
Man kann Politik so oder so betreiben. Sie nennen es Politik. Für mich sind es nach wie vor Schwachköpfe. Von Links weit entfernt. Für mich ist es mehr als kriminell. Laßt nur einmal ein kleines Kind auf dem Rücksitz in einem Auto liegen. Welches dabei verbrennt. Einen kleinen Hund oder eine ganze Familie.

Dann hat sich alles ausgespielt und alle Symphatien verloren.

Unabhängig von polizeilichen Ermittlungen. Noch dürft Ihr Euch alles hinbiegen wie Ihr wollt. Nicht mehr lange.

Mir wirds egal sein. Ich bin erst mal einen Monat weg.
Vor Euch hätte ich auch Angst.

Gruß Spider
Comment
von felix felix ist gerade offline | 28.12.2009 4:58 Uhr
diese hirnlosen 'Linken' erreichen dreierlei:
-zum einen fördern sie den Absatz der Autoindustrie, denn gerade die grossen Wagen dürften durchweh kaskoversichert sein.
- der 'kleine' Mann muss mit höheren Versicherungsprämien dafür büssen
- die politische Stimmung wird sich in das Gegenteil dessen kehren, was diese Wirrköpfe erhoffen
Comment
von unbekannt | 28.12.2009 6:56 Uhr
Der TS...
zitiert einen Polizeigewerkschaftler, der behauptet, es gebe in allen Schichten Symphatie, weil immer mehr Menschen keine bürgerliche Existenz erreichen könnten. Wenn es alle Schichten beträfe, dann auch jene, die sich eine bürgerliche Existenz aufgebaut haben. Diese Bürgerlichen können dann aber keine Symphatie emfinden, weil sie an der bürgerlichen Existenz gescheitert seien. Versteckte Symphatie empfindet wohl eher der TS, ein Auffangbecken für Alternative, Ex Kgrüpppler und Bonsai BBürger.

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