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Tempelhof

Modemacher verkleiden den Flughafen

Für die Messe Bread & Butter wird das Vorfeld in Tempelhof dank einer riesigen Wand aus Stahl und Kunststoffplane zur Halle.
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Winter 2009. Das Gerüst wird bereits am Flughafendach errichtet. - Foto: promo
Die Wahl der passenden Winterjacke, leicht ist sie nicht. Robust und wetterfest, dafür weniger elegant. Oder lieber schick – und nicht besonders warm. Dass im Winter frieren muss, wer schön sein will, dem möchte die Berliner Modemesse Bread & Butter vorbeugen. Vom 20. bis zum 22. Januar findet sie zum zweiten Mal nach Juli 2009 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Um Aussteller und Fachpublikum gleichermaßen warmzuhalten – und die Ausstellungsfläche im Vergleich zum Sommer nicht um eine beträchtliche Quadratmeterzahl verringern zu müssen – lassen die Messeverantwortlichen auf dem Flugvorfeld eine besondere Konstruktion errichten. Eine künstliche Wand, die vom Boden leicht schräg geneigt bis genau unters vorstehende Dach des Vorfeldes ragt, soll Wind, Schnee, Regen, vor allem aber Kälte, abhalten.

Am Boden wird die Konstruktion verschraubt, unterhalb des Daches festgeklemmt und schon entsteht ein weiterer Raum – der Messeveranstalter spricht von 5000 Quadratmetern – für die „Denim Base“ der Bread & Butter, also den Jeans-Bereich. Errichtet wird die Konstruktion dieser Tage vom Berliner Unternehmen System 180. Die Schöneberger Firma wurde einst für Ausstellungsbau gegründet, erstellt inzwischen aber auch viele Einrichtungsgegenstände, vom Stuhl bis zum Bücherregal. Die Komponenten sind dabei stets die gleichen: Rohre aus Edelstahl, Noppenscheiben, Schrauben. Praktisch sehen die Möbel auf der Internetseite von System 180 aus – und zeitlos elegant. Funktional sei die Lösung, lobt auch Karl-Heinz Müller, Geschäftsführer der Bread & Butter GmbH. In ihrer Ästhetik passe sie perfekt zum Gesamtkonzept der Modemesse.
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Sommer 2009. Damals war der Blick auf den Himmel frei. Foto: Kitty Kleist-Heinrich


Doch wie wird sie genau aussehen, die künstliche Wand, die sich über eine Länge von immerhin 400 Metern erstrecken soll? 12 500 Meter Edelstahlrohr werden derzeit auf dem Flugfeld mit 20 000 Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben zusammengefügt. Abschließend wird das Konstrukt mit 5000 Quadratmetern Kunststoffplane überdeckt. Der Clou: Integriert in die Plane ist eine Luftkissenmembran im Rautenmuster, die über acht Aggregate mit Luft gefüllt wird. Sie soll als Dämmschicht wirken, die warme Luft im Inneren halten kann. Erst mal ummantelt wird die Wand, so darf spekuliert werden, anmuten wie eine gigantische, aufrecht stehende Luftmatratze. Oder aber, um in der Branchensprache zu bleiben, wie eine edle, rautenförmig abgenähte Steppjacke.

Finanziert einzig und allein von der Bread & Butter, soll die Konstruktion vorerst nur für zwei Monate stehen, sagt Katja Potzies, Sprecherin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die den stillgelegten Flughafen verwaltet. Selbstverständlich sei der temporäre Bau auch mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt, sagt Potzies. Ob die funktionale Wand vielleicht auch bei anderen Veranstaltungen in Tempelhof zum Einsatz kommen könnte, als Stallzelt für die Pferde beim Hauptstadtturnier im Oktober oder als Ausstellungsfläche bei der Musikmesse Popkomm im September, sei „spekulativ“, sagte Potzies. „Die zusätzliche Fläche ist allerdings ein Vermietungsargument“, meint sie.

Für System 180 ist das Röhrensystem der bislang größte Auftrag. „Mit einer Konstruktion dieser Größenordnung betreten auch wir Neuland“, sagt Geschäftsführer Andreas Stadler. Zwar erfordere der „modulare Aufbau“ einige Präzision, biete aber auch absolute Vorteile was die Lagerung betreffe, sagt Stadler.
Fotostrecke: Modemesse in Tempelhof (14 Bilder)

Im Januar werden im künstlich geschaffenen Raum zum Beispiel die Marken Boss Orange, Desigual, Diesel und Levi’s ihre Jeanskollektionen ausstellen. Durch große Eingangsportale gelangen die Besucher durch die Wand in von außen angedockte Ausstellungs-Pavillons, die bis zu 700 Quadratmeter groß sein werden. Platz für zahlreiches Fachpublikum dürfte demnach sein. Noch im Sommer kamen rund 80 000 zur Bread & Butter.

Anfang des Jahres ist die Modemesse allerdings nicht die einzige in Berlin. Zum gleichen Datum findet etwa die Premium-Messe am Gleisdreieck statt und 5 Elements präsentiert Neuschöpfungen in Sachen Unterwäsche und Bademoden – zugegebenermaßen weniger modisch winterfest verpackt: hinter echten Mauern, in den Messehallen. 

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.12.2009)
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Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von fritzlang fritzlang ist gerade offline | 28.12.2009 0:50 Uhr
Gegen die Wand
Das Alleinstellungsmerkmal des Flughafens Tempelhof schlechthin, ein mehrere hundert Meter langer "schwebender Strich" über dem Rollfeld, welcher von der Ferne betrachtet zum Darunterfahren, -gehen einlädt, wird durch diese Wand ad absurdum geführt. Selbst wenn es nur temporär sein soll, so läßt es doch erahnen, was die B&B-Leute von der sogenannten "Marke Tempelhof" wirklich begriffen haben. Nichts. Schnöder und krämerseliger gehts nicht.
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von eli_genf eli_genf ist gerade offline | 28.12.2009 10:44 Uhr
Der verkleidete Flughafen – ein guter Titel – oder: gibt es blaue Wärme?
Schon Gottfried Semper sprach vom Prinzip der Bekleidung als einer künstlerischen Urtechnik. Von der Verkleidung allerdings sprach er nicht.

Der Flughafen kommt also bei der zweiten Auflage der Jeansmesse in der Maskerade eines, einer... Ja was eigentlich? In der Maskerade einer Messehalle!

@fritzlang hat es sehr genau auf den Punkt gebracht. An einem Flughafen der bald nicht mehr als einer zu erkennen ist, dem auch das Wertvollste genommen wird, der Schwung des Daches und der freie Blick in die Weite, wird auch das Partyvolk schneller als erwartet die Lust verlieren. Der Marke Flughafen Tempelhof hilft diese Wand so sehr wie wenn man dem Brandenburger Tor helfen würde, würde man dort Rolläden montieren.

Zu allem Überfluss hat man sich bei der was Corporate Design recht fähigen BBB auch noch für die kalte Farbe blau als Leitfarbe für die Winterausgabe entschieden. Nur mit Mühe wird so bei den Barcelona gewöhnten Besuchern die nötige innere Wärem aufkommen.

Mag auch die Konstruktion der 400 Meter langen Wand beeindrucken, das einzigartige wird fehlen, was bleiben wird, sind die kilometerlangen Wege, über die schon bei der letzten BBB geklagt wurde.

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