Mit einem Großaufgebot von 600 Ermittlern hat die Berliner Polizei ein alternatives linkes Wohnprojekt in der Brunnenstraße in Mitte durchsucht. Ob die Bewohner dort bleiben können ist fraglich, da sie nur mündliche Mietverträge haben.
Berlin -
Der Einsatz hatte zum Ziel, die Personendaten der Bewohner in dem Haus in der Brunnenstraße 183 zu überprüfen, sagte der Justiziar der Berliner Polizei, Oliver Tölle. Hierzu habe ein Beschluss des Amtsgerichts Tiergartens wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch vorgelegen. Der Justiziar betonte, dass das Gebäude von den Beamten nicht geräumt wurde. An der Aktion waren rund 600 Beamte beteiligt. Den Durchsuchungsbeschluss hatte der neue Eigentümer des vierstöckigen Mietshauses erwirkt, der Passauer Arzt Manfred Kronawitter.
Bei der Durchsuchung wurden laut Polizei 31 Personen angetroffen. Gegen einen Bewohner sei ein vorliegender Haftbefehl wegen Drogenbesitzes vollstreckt worden. Insgesamt sei die Aktion ohne Zwischenfälle verlaufen. Einsatzkräfte begründeten die hohe Zahl der Beamten mit möglichen spontanen Solidaritätskundgebungen.
Grüne: Unverständnis für den Einsatz
Das Grünen-Mitglied im Innenausschuss, Benedikt Lux, betonte, es sei "vollkommen unverständlich", wieso die Berliner Polizei mit einem solchen Aufgebot an den Start geht. Polizei und Senatsinnenverwaltung dürften es schwer haben, die Effektivität dieses Einsatzes und die Kosten gegenüber den Steuerzahlern zu rechtfertigen. Lux hob zugleich die Wichtigkeit des sozialen Hausprojektes für den Kiez hervor.
Der Hauseigentümer Kronawitter teilte mit, dass die Aktion "überfällig" gewesen sei. Die Bewohner des Hauses hätten selbst bei mehreren Gesprächsrunden über die Zukunft des Wohnprojekts ihre Identität geheim gehalten. Aus diesem Grund sei kein anderer Weg geblieben als die Personenfeststellung durch die Polizei, um "die Namen der sich als Mieter bezeichnenden Bewohner erfahren zu können".
Mündliche Mietverträge erkennt Eigentümer nicht an
Die Rechtsanwältin des Hausprojekts, Vera Hacke, sagte, die Bewohner seien geschockt von der Polizeiaktion. Sie betonte zugleich, dass das Gebäude nicht besetzt sei. Es bestünden Mietverträge, von denen zahlreiche mit der Vorbesitzerin mündlich geschlossen worden seien. Der Hausbesitzer verweigere aber die Mietannahme, da er die Mieter "raus haben" wolle.
In dem Haus hatte sich nach Angaben der Bewohner Mitte der 90er Jahre ein alternatives Wohnprojekt gebildet. In ihm lebten Künstler und Studenten. Der älteste Bewohner ist 80 Jahre alt. Zugleich betreiben sie den "Umsonstladen". Dort werden gesammelte Gebrauchsgegenstände kostenfrei weitergegeben.
Der frühere Eigentümer, die Eurohypo Bank AG, hat dem Hausprojekt zufolge das Gebäude an den privaten Investor verkauft. Bei dem neuen Besitzer handelt es sich dem Vernehmen nach um den Vater des Berliner Linksaktivisten und Arztes, Michael Kronawitter.
Gerwerbemietvertrag für "Umsonstladen"
Dieser wollte hierzu auf Anfrage keine Angaben machen. Er betonte, dass selbst wenn eine Verwandtschaft bestehen sollte, es keine "Sippenhaft" gibt. Zugleich unterstrich der ehemalige WASG-Kandidat bei der Abgeordnetenhauswahl, dass er das Projekt weiter unterstützen werde und mit den Bewohnern in Kontakt stehe.
Der Hauseigentümer kündigte unterdessen an, dass er sein Angebot für "bevorzugte Mietverträge" aufrechterhalten werde. Für den "Umsonstladen" hatte er im Vorfeld einen Gewerbemietvertrag vorgeschlagen. Voraussetzung sei allerdings die Zustimmung zu "notwendigen Modernisierungsmaßnahmen".
Kommentare [ 31 ] Kommentar hinzufügen »
Es heißt wir hätten zu wenig Polizisten.
Wenn bei solchen Einsätzen gleich 600 Beamte eingesetzt werden können, dann fragt man sich wo die herkommen.
Die spinnen, die .....
1. 600 Polizisten weniger, die die Straßen auf Falschparker kontrollieren!
2. Sicherlich findet man auch noch 1 Gramm Hasch! (Ich denke da an die so überaus erfolgreiche Razzia im Maria Anfang Juli.) Dann wäre die Aktion auch ein gelungener Schlag gegen die Drogen-Szene.
Es ist nötig überall in Berlin das Recht durchzustetzen und das ist auch gut so!
einmal die Hubschrauber-Taktik, herunschwirren und viel Staub aufwirbeln,
und die Champignon-Methode, alle immer schön im Dunkeln halten und wer den ...(kommt bald)
- Wenn ja, wieviele wären angemessen gewesen? 20, 50, 100?
Im Nachinein lässt sich viel kluges sagen, aber die Polizei-Einsatzleitung muss ja ein echt extremes Bild von den Bewohnern gehabt haben um so eine Mannschaft hin zu schicken. Selbst wenn sie 200 'Illegale' Bewohner vermutet hätten, wäre es ein 1:3-Verhältnis gewesen.
Zur Verteidigung des Hausbesitzers muss ich allerdings sagen, das ich alleine auch nicht hin gegangen wäre. Dazu wäre mir das Risiko zu gross gewesen, das Handgreiflichkeiten aufgrund irgendwelcher territorialer Ansprüche stattfinden würden.
ich beobachte seit einigen wochen, dass offensichtlich von der linken seite im tagesspiegel gezielte desinformationen und auch provokationen gepostet werden.
es ist immer wieder lustig anzuschauen, dass sie aber unter sich bleiben, es geht also nicht auf, was sich einige (möchtegern-)kluge köpfe da ausgedacht haben (propaganda heißt das wohl?)!
nun mal zu den realitäten:
die brunnenstr. 183 ist in der vergangenheit nicht gerade duch eine friedlebende bewohnerschaft aufgefallen. es gab eine vielzahl von polizeieinsätzen in den letzten jahren (sicher auch im archiv des tagesspiegel nachzulesen).
weiß eigentlich noch jemand, warum es am 1. mai 1987 zu den größten ausschreitungen bisher in berlin gekommen war???
man hatte das szeneobjekt "mehringhof" durchsucht!
dummer zufall, gelle und die doofe doofe polizei hatte nicht genug beamte im einsatz, sowas aber auch!
dann noch etwas grundsätzliches:
der besitzer eines hauses kann sehr wohl entscheiden, wer es bewohnt. sollten die jetzigen bewohner nicht zur kooperation bereit sein, fliegen sie halt raus und das finde ich in ordnung.
im szenemedium "indymedia" wird dann auch sehr schnell klar, dass die bisherigen verantwortlichen (bewohner) so einen tollen stand im linken spektrum nun auch nicht haben, denn sie fahren das ganze projekt mit ihrer dummen borniertheit an die wand!
wenn ich recht informiert bin, soll es so etwas wie ein betreutes wohnen für alte menschen inmitten der stadt sein, aber ich bin kein journalist, tagesspiegel, bitte recherchieren!!!
Im Text stand außerdem dass Kronawitters Sohn Michael Kronawitter in Berlin wohnt, und Linksaktivist sei. Das klingt ja beinahe nach einer Filmreifen Story bei der der Vater dem "missratenen" Sprössling mal ordentlich zeigen will wozu er in der Lage ist. Ja ist weit hergeholt, aber Fantasie wird doch wohl noch gestattet sein.
Zu "man sollte den zuständigen Vorgesetzten auf der Stelle seines Amtes entheben und die Rechnung für den Einsatz an Herrn Kronawitter schicken." und "Warum hat denn der Spekulant Kronawitter nicht selbst oder durch einen Beauftragten, die Mieter kontrolliert ? Er hat doch das Hausrecht.". Liebe Schreiber: Wenn man keine Ahnung hat, lieber mal schweigen. Wenn man sich nicht kontrollieren lassen will, darf man sich nicht über Gegenmaßnahmen wundern. Sowas kommt von sowas!!
Wäre so ein Objekt in Kiel oder Schleswig überprüft worden, wäre vielleicht gerade mal eine Hundertschaft mobilisiert worden. Mehr ist auch kaum möglich - und nicht nötig.
Der Unterschied ist, dass den wenigen Beamten auf dem Lande mehr Respekt gezollt wird als der gesamten hier heute aufgebotenen Infanteriebrigade der hiesigen Stadtpolizei. Und das liegt vielleicht auch ein bisschen an dem manchmal etwas massiven Auftreten. Vielleicht malt der Seyfried ja doch noch mal ein Comic.
Strasse, U-Bahn gesperrt. Soll das wirklich normal sein, ihr lieben deutschen Ordnungsfanatiker? Also, so mit gesunden Menschenverstand und so ...
Hier nochmal Zahl: 6 0 0
Trotzdem gönne ich den
Beamten diesen entspannten Tag in der Sonne in einem sehr schönen Kiez!
Einige Kommentatoren erinnern mich an ältere Fußballfans. Können alles besser und haben mehr Ahnung als der Trainer und die Spieler. Deshalb haben sie es nicht mal in die Verbandsliga geschafft. Die würden auch Mozart sagen, wie er was zu komponieren hat....
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal ruhig sein!
Aber gut, so viel sei verraten, ich bin ein Neuköllner Kellerkind und finde den vorliegenden Polizeieinsatz angemessen der Situation. Einige hier tun (wieder mal) so, als hätten sie irgendeine Ahnung von Polizeiarbeit. Was hier geschrieben wird, ist größtenteils Propaganda und hat auch hier mit der Realitöät recht wenig zu tun (ähnlich unserm Schäuble-Forum).
Aber so ist das halt......
Insbesondere ihre Sachlichkeit! Sie schreiben ... ähnlich UNSEREM Schäuble-Forum ... Sie setzen sich sicherlich für den Erhalt und die Wahrung von Besitz und Eigentum ein wie ich, wahrscheinlich mit einer vollkommen anderen Argumentation, aber ich tue es ebenso mit Bestimmtheit. Nun, Herr DJ! Eine, wenn auch sogar aktive Teilnahme z. B. an einer Kommentierung, ist nicht mit dem Besitz oder Eigentum dessen gleichzusetzen, es gehört weder Ihnen, noch käme ich auf die Idee einen derartigen Anspruch zu erheben. Daher sollte auch in Wort und Schrift SORGFÄLTIGST darauf geachtet werden, was man so in seinen Besitzstand überführt oder anderen aneignen will.
Doch in einem besonders für sie zutreffenden und von Ihnen selbst ausgegebenen Ratschlag möchte Ihnen unbedingt zustimmen: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal ruhig sein! Halten Sie sich bitte daran.
So viel Zeilen, weil ich "unser" Schäuble-Forum geschrieben hab? Oje.
Vielen Dank, sie haben mir den Nachmittag erheitert ;-).
PS: Bei so wenig Argumentation sollten sie anderen keine Ahnungslosigkeit vorhalten. Sich lediglich auf Begrifflichkeiten stürzen wirkt auf mich ein bißchen hilflos!