Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat erwägt den Betrieb bis Ende der Saison 2011 – sofern er Geld dafür erhält.
Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) erwägt, dem Senat anzubieten, dass der Bezirk die Deutschlandhalle bis zum Ende der Eissportsaison 2011 in eigener Regie weiterbetreibt. Das sagte er am Mittwochabend im Bauausschuss. Voraussetzung sei, dass dem Bezirk das Geld zur Verfügung gestellt werde, das bisher die Messe erhält.
Bereits am Mittag hatten sich Befürworter der Traditionsarena gegen den Abriss ausgesprochen. „An der Deutschlandhalle hängt ein Mythos, sie hat sich im Herzen vieler Berliner durch unzählige Veranstaltungen verankert“, sagte Karlheinz Wendisch von der Architektenkammer Berlin. Mit ihm sprachen sich – in der Deutschlandhalle – Vertreter der Baukammer, des Vereins „Denk mal an Berlin“, des Architekten- und Ingenieurvereins und des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf für die Rettung der Halle aus. Es gebe keinen überzeugenden Grund, das Baudenkmal abzureißen.
Stattdessen sollte in einem Architektenwettbewerb geklärt werden, wie die Bausubstanz der Deutschlandhalle für die Messe Berlin, andere Veranstaltungen und als Standort für den Eishockeyverein ECC Preussen saniert, restauriert und umgebaut werden könnte. Die stellvertretende Vorsitzende des vom Unternehmen Wall unterstützten Denkmalvereins, Elisabeth Ziemer, meinte, die Halle sei noch nie auf ihre Messetauglichkeit untersucht worden, auch sei sie sozialgeschichtlich und kulturell von großer Bedeutung für Berlin. Wilfried Wolff vom Ausschuss für Denkmalpflege der Baukammer sagte, die Halle werde vom Senat und der Messe „kaputtgeredet“, er könne keine Mängel entdecken. „Marode Gebäude sehen anders aus“. Uwe Hameyer vom Architekten- und Ingenieurverband sagte, ein Wettbewerb könne klären, wie die als „Aschenbrödel“ behandelte Halle etwa durch hydraulische Ebenen umgebaut werden könne, mit bis zu 12 000 Quadratmetern zusätzlicher Ausstellungsfläche für die Messe.
Marianne Suhr (SPD), Vorsitzende der Bezirksverordnetenversammlung, wies auf deren jüngsten Beschluss hin, das Gebäude als Mehrzweckhalle zu sanieren. Ein Abriss nutze der Messe nichts. Wie berichtet, will der Senat die Halle, die er für marode und unwirtschaftlich hält, möglichst noch 2009 abreißen.CD/C. v. L
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.03.2009)
Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »
Bevor wer nach weiteren Beispielen für Zerstörung, Entfremdung oder Vernachlässigung fragt:
Der Flughafen Tempelhof natürlich, der belebt werden sollte und für die allgemeine Luftfahrt und ein Flugmuseum geöffnet werden sollte. Das Ensemble am Alexanderplatz mit dem Haus des Lehrers, das Spreedreieck, den Republikpalast, demnächst das Schimmelpfeng-Haus, die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf sollte auch schon abgerissen werden. Die Fernmeldekabelfabrik Oberschöneweide von Ernst Ziesel, eine der ersten Stockwerksfabriken in Stahlskelettbauweise auf Weltkulturniveau (vergleichbar mit der Zeche Zollverein in Essen) überstand den 2. Weltkrieg und die DDR – aber nicht diese Regierung! Die Liste läßt sich lange fortsetzen.
Denkmalschutz in Berlin jedenfalls bedeutet: nichts.
Umso erfreulicher, dass es für die Deutschlandhalle eine Perspektive gibt, viel Erfolg!
Allein diese Einmaligkeit würde die Rettung rechtfertigen...