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Ekellokale

Licht in die Schmuddelecken

Verschimmelte Zwiebeln, Thermometer in 15 Grad warmem Fleisch und jede Menge schmuddeliger Ecken: Die Berliner können sich nun selbst ein Bild machen, wie es in den Betrieben auf der Ekelliste zum Zeitpunkt der Kontrollen ausgesehen hat.
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In diesem Hähnchenhaus war das Gemüse völlig verschimmelt. - Foto: Lebensmittelaufsicht Pankow
Um Punkt 12 Uhr aktualisierte der Bezirk wie angekündigt seine Liste und veröffentlicht erstmals auch Fotos über die beanstandeten Zustände. Allerdings sind lediglich zu zwölf von den 23 seit mehreren Wochen gelisteten Betrieben Bilder eingestellt. Die zur Beweissicherung gemachten Aufnahmen hätten oft keine Aussagekraft für die Öffentlichkeit, heißt es im Bezirksamt. „Der Datumsstempel auf einer abgelaufenen Lebensmittelpackung ergibt nur im Protokoll unserer Kontrolleure Sinn“, sagte ein Sprecher.

„Es ist ungerecht, jetzt diese alten Fotos zu veröffentlichen“, schimpft Miam Akmal Latif, Betreiber des Restaurants „Sangeet“ an der Kastanienallee. Sechs Aufnahmen von vergangenem Juli zeigen etwa brüchige Fliesen und eine verschmutzte Mikrowelle. Latif verweist darauf, dass der damalige Rattenbefall in den Lagerräumen nur wenige Tage gedauert habe – was die Liste im Netz auch bestätigt. Die Sauberkeitsmängel habe er weitgehend beseitigen lassen. Er werde mit Hilfe seines Rechtsanwalts weiter gegen die Anprangerung seines Lokals kämpfen, so Latif.

Fotostrecke: Ekel-Lokale in Pankow (24 Bilder)


Neu auf der Negativliste sind – allesamt mit Fotos – drei Lokale. Die Pizzeria „I Due Forni“ an der Schönhauser Allee wurde im März zwischenzeitlich sogar von den Behörden geschlossen. Neben Schmutz in Küche und am Tresen stellten die Kontrolleure dort „starken Gärfliegenbefall“ fest. Frisch auf der Liste sind außerdem der „Florya Imbiss“ an der Langhansstraße in Weißensee, wo den Prüfern zu warm gelagertes Geflügel auffiel, und die Filiale von „Balzac Coffee“ an der Schönhauser Allee. Dort werden zerschlissene Wände und Schmutz beanstandet.

Die geringe Anzahl an Neuzugängen wertet Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) als Erfolg. „Ursprünglich hatten wir 20 Betriebe in der Pipeline“, so Kirchner. Wegen der drohenden Veröffentlichung mit Fotos hätten viele der Gaststätten Missstände noch beseitigt. Von nun an solle die Dokumentation auch mit Bildern die Regel werden, kündigte der Stadtrat an. „Außerdem werden wir die Liste jetzt jeden Freitag aktualisieren.“

„Wir halten nichts davon, dass mit veralteten Fotos die populistische Karte gespielt wird“, so kritisierte Klaus-Dieter Richter, Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin.

Im Internet: www.berlin.de/pankow


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.05.2009)
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Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von terrier terrier ist gerade offline | 9.5.2009 0:53 Uhr
Wie die "Ekelliste" draußen ankommt
Ich komme gerade von einer einwöchigen Kurzreise aus Baden-Württemberg zurück.

Interessante Lösungen zur Trennung von Raucher-/Nichtraucherbereichen in Gaststätten habe ich gesehen.

Aber das ist nicht das Thema.

Das Thema ist: was kommt außerhalb Berlins in Sachen "Ekelliste" an?

Erschreckendes!

Bei den meisten Menschen in Pforzheim ist Berlin = Pankow und umgekehrt.

Nur in Berlin gibt es eine "Ekelliste", folglich gibt es nur in Berlin Ekellokale. Der Rest im Lande ist folglich bedendenlos.

Diejenigen, die wirklich wissen, daß Pankow nur ein Stadtteil Berlins ist, die meinen, daß die Gastronomie in Berlin eigentlich unbedenklich ist. Nur Pankow sei wohl ziemlich widerlich - folglich stellt dieser Bezirk Teile seiner Gastronomie vorsichtshalber selbst an den Pranger.

Aua, es tat richtig weh, diese Meinungsäußerungen anhören zu müssen.
Aber diese Meinungen sind ein Ergebnis dessen, was und wie nach außen informiert wird - von wem auch immer.



Comment
von scanhussite scanhussite ist gerade offline | 9.5.2009 7:08 Uhr
Schmutz in Restaurants
Die Initiative des BA - Pankow´s ist nur lobenswert.
Latif sollte mit seinem Rechtsanwalt lieber den Dreck beseitigen, vielleicht könnte sogar H-D Richter dabei helfen.
Kloppt keine Sprüche - weg mit dem Dreck !
Guten Appetit, aber woanders !

Rudi Hubert
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von peter peter ist gerade offline | 9.5.2009 9:02 Uhr
Da stellt sich mir die Frage,
warum sollte dieser Zustand in anderen Bezirken nun anders sein.
Pfui Teufel, das Geld für einen Restaurantbesuch spare ich lieber!
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von gebsch gebsch ist gerade offline | 9.5.2009 11:14 Uhr
Wo liegt das Problem?
Was ist dagegen einzuwenden, wenn der Bezirk Pankow, in vorbildlicher Weise übrigens, Listen und Bilder von verdreckten Betrieben der Gastronomie veröffentlicht?

Diejenigen, die dagegen sind und das als eine Art Pranger bezeichnen, können dort gerne essen gehen, wenn sie auf Ekel, Dreck, Schimmel und Lebensmittelvergiftungen stehen.

Wenn Herr Miam Akmal Latif seinen Laden stets ordnungsgemäß betrieben hätte, könnte er sich heute, die hoffentlich sinnlose Klage, sparen.
Mich würden in diesen Laden keine zehn Pferde mehr bringen..
Comment
von elvira elvira ist gerade offline | 9.5.2009 11:24 Uhr
Bürgernähe
Das ist doch endlich mal was wofür ich eine Behörde gerne lobe. Transparenz.
Als Anregung an den Tagesspiegel: Nicht auf irgendeine Hauptseite verweisen sondern mit dem Link direkt auf die Liste (kann ja auch die Smiley Seite sein ). Beim Zitieren gebe ich ja ach mehr als das Buch an aus dem ich zitiere. Als Tipp für das Bezirksamt: Ich weiss wie schwer es ist eine Webseite die sich kontinuierlich ändert rechtsrelevant zu archivieren, aber auch dafür gibt es Lösungen. Bitte hört mit diesem pdf Zeug auf und stellt die Daten richtig in das Internet. Ausserdem währe es schön wenn ihr klar dazu schreibt wie die Liste gepflegt wird, also nach welchen Kriterien man dort auch wieder verschwindet und wie häufig die Liste aktualisiert wird.
Weiter so Pankow! Ich hoffe dass sich die anderen Bezirksämter jetzt nicht mehr hinter ihrem Tresen verstecken sondern auch mit ihrer Informationspflicht hervorkommen.
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von solitude solitude ist gerade offline | 9.5.2009 13:18 Uhr
Mal wieder der Dehoga
Dass Herr Richter vom Dehoga Berlin die Negativliste kritisiert, wundert mich nicht. Schon beim Nichtraucherschutzgesetz hat man gesehen, was der Dehoga von Verbraucherschutz hält: nämlich nichts.

Anstatt das BA Pankow anzufahren, sollte der Dehoga mal lieber den Dreck vor der eigenen Tür wegmachen und dafür Sorge tragen, dass den Verbraucherinnen und Verbrauchern keine Schmuddel-Gastronomie angeboten wird.
Comment
von daisy daisy ist gerade offline | 9.5.2009 14:00 Uhr
In meinen Augen purer Aktionismus
Ich bleibe trotz der wirklich abschreckenden Fotos bei meinem Standpunkt, dass ich die Veröffentlichung der Liste nicht für korrekt halte.

In jeder Branche gibt es naturgemäß Bessere und Schlechtere, seien es Gastronomen, Handwerker, PC- und Telefontechniker, Nahrungsmittelproduzenten, Ärzte, Rechtsanwälte etc..
Auch die Besseren der jeweiligen Branche haben mal einen schlechten Tag.

Würden alle diese Betriebe behördlich überprüft, gäbe es vermutlich eine Protestwelle.

Natürlich hat ein Gastwirt die Hygienebestimmmungen einzuhalten. Schafft er keine Abhilfe, gehört die Gaststätte geschlossen.
Im Übrigen würde mich mal interessieren, ob jemals ein Besucher der aufgeführten Gaststätten gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten hat. Offenbar nicht, denn sonst wäre dies vermutlich längst an die Öffentlichkeit gedrungen.

Dies bedeutet keineswegs, dass ich die im Artikel geschilderten Zustände befürworte.
Aber ich frage mich schon länger, wie eine Gaststätte für fünf bis zehn Euro ein qualitativ hochwertiges Essen anbieten soll, wobei ja noch die Kosten für Strom, Heizung, Personal, Pacht etc. eingerechnet werden müssen. Eine etwas bessere TK-Pizza im Supermarkt kostet ja schon über 3 Euro. Gleiches gilt für Fisch- oder sonstige Fertiggerichte.

In meinen Augen besagt der "Smiley" im Übrigen lediglich, dass Sauberkeit herrscht, die entsprechende Kühlung erfolgt etc.. Ob auch das Essen qualitativ hochwertig ist, ist damit meiner Meinung nach nicht gesagt. Hierzu bedarf es entsprechend qualitativ hochwertiger Zutaten, die durch ihre Zubereitung nicht besser werden.

Den ganzen Aktionismus halte ich daher für übertrieben.

Gruß
Daisy
Comment
von sennahoj sennahoj ist gerade offline | 9.5.2009 14:19 Uhr
Das ist kein Thema für die "Medien....."
sondern ein Fall für das zuständige Gesundheitsamt!
Ich war über 30 Jahre in dieser Branche tätig und aus meiner Erfahrung gibt es bei solch drastischen Funden eine heftige Geldstrafe und bei einer Wiederholungstat wird der betroffene Laden vom der Gesundheits-Polizei fristlos geschloßen!
So kenne ich die vorgehensweisen aus Erfahrung (Süddeutschland).
Solche Schmuddelläden findet man in Berlin nicht nur im Bezirk Pankow....!
Comment
von olivfan olivfan ist gerade offline | 9.5.2009 23:45 Uhr
ekel
ich kann es immer noch nicht verstehen das die anderen bezirke nict mitziehen,und schon gar nicht die ngg,immerhin geht es um die gesundheit aller,
Comment
von leser.schreiber leser.schreiber ist gerade offline | 10.5.2009 14:32 Uhr
Alles durcheinander (II)
@ olivfan

Die Frage, ob die anderen Bezirke mitziehen oder nicht, stellt sich doch noch gar nicht.



Zitat von Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Monika Thamm (CDU) vom 10. März 2009

Das Pankower Projekt des Smiley-Systems basiert auf der Beschlusslage des Berliner Abgeordnetenhauses, „anhand eines Bezirks die Konse-quenzen der Einführung eines solchen Smiley-Systems für die Lebensmittelüberwachung in den bezirklichen Veterinär- und Lebensmittelämtern modellhaft darzustellen“

Quelle: Abgeordnetenhaus-Drucksache Nr. 16/13203



Die Gewerkschaft NGG vertritt die in der Gastronomie abhängig Beschäftigen, nicht deren Arbeitgeber. Sie hat also herzlich wenig damit zu tun.

Meinen Sie stattdessen den Dehoga (Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband)?

Um Sie zu beruhigen. Die NGG ist für das Smiley-System: Interview in der Berliner Zeitung.
Comment
von leser.schreiber leser.schreiber ist gerade offline | 10.5.2009 14:17 Uhr
Alles durcheinander (I)
@ sennahoj

Ich weiß nicht, in welcher Branche Sie tätig waren, aber

...zuständig ist in den beschriebenen Fällen in Deutschland immer und überall die Lebensmittelaufsicht, nicht das Gesundheitsamt.

...Sanktionen sind in der Regel Bußgeld, nur selten ein Strafbefehl.

...dauerhafte Schließungen sind Sache der Gewerbeaufsichtsbehörde. Wenn geputzt ist, öffnet die Lebensmittelaufsicht nämlich wieder.

...eine "Gesundheitspolizei" gibt´s schon sehr lange nicht mehr.

...mit "fristlos" meinen Sie vielleicht "sofort"?

...solche Schmuddelläden gibt´s leider überall. Auch in Süddeutschland. Egal was die Behörden auh dagegen tun.

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