Auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof wird künftig jährlich eine Messe rund um Elektromobilität und Umwelttechnik veranstaltet. Am Sonntag gab es einen Vorgeschmack.
Die Zukunftsmaschine namens „Tesla“ leuchtet selbst im schattigen Hangar so orange wie ein Feuerstrahl. Wer zum ersten Mal einsteigt, stößt leicht mit dem Knie ans Dach. Die Schwerkraft fixiert den Besucher im Schalensitz auf der Beifahrerseite. Der Mann am Steuer stellt sich als Nicolas Fritsch vor und sagt: „Die 3,9 Sekunden von null auf hundert schaffen wir zu zweit vielleicht nicht ganz. Mal schauen.“ Im Schritttempo rollt der Renner zwischen staunenden Menschen entlang und summt dabei so leise wie der Lüfter an einem PC. Plötzlich schießt er dermaßen los, dass einem fast die Pupillen nach hinten klappen und der Bauchansatz sich nach innen wölbt. Vorn wird der Flughafenzaun erschreckend schnell größer, und links sagt Fritsch: „Schön, wie’s uns hier aus der Kurve rausträgt, nicht wahr?“
Wenn dieser Sonntagsausflug tatsächlich die Zukunft des Flughafens Tempelhof symbolisiert, dann stehen aufregende Zeiten bevor. Ein Jahr nach der Schließung hat die landeseigene Immobiliengesellschaft BIM an diesem Sonntag zum „eDay“ geladen. Der wird von den Erfindern des „Clean Tech Media Awards“ veranstaltet, einer Auszeichnung für bedeutende Umwelttechnikprojekte. Als er im September im E-Werk verliehen wurde, mussten viele Interessenten aus Platzmangel draußen bleiben.
Das soll nicht wieder vorkommen: Ab 2010 wird der „Umwelt-Oscar“ in Tempelhof verliehen – und mit einer Messe zum Thema Umwelttechnik und Elektromobilität verbunden, der „Clean Tech World“. Deren Premiere ist für September 2010 geplant. Auf die Preisverleihung folgen laut Veranstalter ein Fachbesuchertag und ein Wochenende fürs allgemeine Publikum. BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss spricht von einem „Meilenstein für die Entwicklung dieses Standortes“ und vom Beginn einer neuen Marke.
Da fast alle Autokonzerne weltweit und eine Unzahl von Energieversorgern und Technologiefirmen an Elektrofahrzeugen arbeiten, könnten die großen Worte durchaus angemessen sein. Der „eDay“ an diesem Sonntag ist Fachbesuchern und einigen Hörern von „Radio Eins“ vorbehalten. Die haben sich inzwischen zu einer Schlange formiert, um auf die nächsten Probetouren mit dem „Tesla“ zu warten. Andere drehen mit Elektro-Minis, E-Karts und allerlei zweirädrigen Gefährten ihre Runden unterm großen Hangardach. Erkennungszeichen derer, die bereits gefahren sind – ganz gleich, womit –, sind die leuchtenden Augen. Tempo machen ohne Lärm und Gestank: Das fasziniert offensichtlich jeden hier.
Einer, der Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor verleiht, erzählt: „Die Dinger werden uns aus den Händen gerissen. Vor allem im Norden, wo es windig ist.“ Am Nachbarstand sagt die Frau von der Firma „Lautlos durch Deutschland“, dass ihr Unternehmen demnächst von Charlottenburg zum Regierungsviertel umziehen wolle, weil das der Bedeutung des Themas angemessen sei.
Zwischen den Messeständen sausen Besucher ganz locker mit den Elektrofahrrädern hin und her. Das historische Truppentransportflugzeug der US-Alliierten im Hangar sieht heute besonders alt aus. Der besondere Reiz des Ex-Flughafens, dass die Vergangenheit den Rahmen für Gegenwart und Zukunft bildet, funktioniert auch diesmal. BIM-Geschäftsführer Lemiss berichtet von rund 50 abgeschlossenen Mietverträgen und einer weiter wachsenden Nachfrage nach Veranstaltungen und nach Führungen durch die Gebäude und übers Rollfeld.
Die Organisatoren des „eDay“ schwärmen: „Wir fühlen uns sauwohl hier und wollen bleiben.“ Hinter ihnen läuft gerade wieder jemand vor den „Tesla“. Eines zeigt dieser Tag deutlich: Im Zeitalter der lautlosen Elektromobilität wird die Hupe eine Schlüsselrolle übernehmen müssen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.10.2009)
Kommentare [ 12 ] Kommentar hinzufügen »
Davon hat der zweitgrößte, der 3+2 Jahresvertrag mit der Pyromusikale, ja bereits mit einem besonders großen Knall seinen Höhepunkt gefunden: Der Veranstalter ist insolvent. Da blieben doch sicher noch ein paar Rechnungen offen? 20.000 Löcher im Gelände für den größten Rohrkrepierer der Welt, das Feuerbild "be Berlin" haben doch sicher etwas gekostet. Hat die BIM Geld von der EDDA GmbH bekommen? Oder war die auch mietfrei, so wie die Bread and Butter zu der 30.000 Besucher weniger kamen als erwartet?
Diese Kleinigkeiten sind dem Senat oder der BIM aber keine Pressemeldung wert. Auch nicht, dass am 11. Oktober keine Internationale Gartenausstellung an Berlin vergeben wurde. Oder, wo ist sie denn die Berliner IGA?
Ein Dilemma.
Und einen eDay (nur ein Tag - schade, dass es an so einem wichtigen Thema nicht mehr Interesse gibt) finde ich natürlich toll. Hoffentlich geht es beim Thema Eletromobilität flott voran, der Planet braucht's. Allerdings wurden bereits vor 100 Jahren zahlreiche Elektroautos gebaut, damals hat es sich nicht durchgesetzt. Vielleicht klappt's ja im zweiten Anlauf, immerhin sind die Vorzeichen heute ganz andere als damals.
Allerdings waren scheinbar nur Fachbesucher erlaubt..?? Wie schade. Und warum kann der E-Day nicht etwas grosszuegiger gesehen werden. Warum nicht andere umweltfreundliche Technicken integrieren wie Solarcars etc...?
und warum bleibt das Thema E-Flugzeuge oder E-Lastwagen etc... aussen vor? Nur weil wir es uns momentan nicht vorstellen koennen?? Ach wir sind aber auch eine Kleingeisterschar.
Der Ort THF ist gut gewaehlt und Messen koennten eine von vielen Alternativen sein....um diesen Ort (mitten in der Stadt gelegen) mit neuem Leben zu fuellen. Ich warte dann auf den naechsten E-Day hoffentlich mit einer hoerbaren Ansage, fuer Ruhe ist ja scheinbar auf der Messe selber durch die lautlosen Flitzer gesorgt. Also ordentlich im In- und Ausland Werbung dafuer machen, liebe BIM!!
Das Erdöl geht dann halt, anstatt in ca. 50 Jahren, dann schon in 30 Jahren zu Ende wenn man es für den Bau von Elektroautos verbraucht! Ich bin nicht gegen umweltfreundliche Autos, aber solche Messen sollten der Autoindustrie keine Alibi für nachlassende Inovationen bieten! Es gibt mit Sicherheit Motoren die umweltfreundlicher sind als die heutigen!