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Fashion Week

Modisches Muss

Reines Amüsement war mal: Die Fashion Week in Berlin ist erwachsen geworden – und eine Pflichtveranstaltung für die Szene.
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Mode macht Spaß. Michael Michalsky tanzte bei seiner Präsentation zur Musik seiner Lieblingsband Spandau Ballett. Die Schau von Frida Weyer entzückte mit hübschen Kleidern und die Messe Bread & Butter vermeldete steigende Besucherzahlen. Fotos: Kitty Kleist-Heinrich, dpa, ddp
Eigentlich hätte mit seinem Auftritt Schluss sein können. Am Freitagabend zierte die Fassade des Friedrichstadtpalastes ein Plakat mit einem lachenden Michael Michalsky. Der prominente Berliner Designer hatte nicht nur rund 1400 Gäste zur „Stylenite“ eingeladen, sondern auch zwei seiner Lieblingslabels, LaLa Berlin und Kaviar Gauche, die mit ihm die Bühne bespielten. Michalskys Schau war der Höhepunkt des Programms – ganz planmäßig. Kommerzielle und trotzdem mit individueller Handschrift entworfene Kleidung. Danach trat mit Spandau Ballett die Lieblingsband seiner Jugend auf. Das ganze endete wie eine Privatparty mit einem allein tanzenden Michalsky. Ein fast familiärer Abschluss für eine überaus quirlige Modewoche.

Die Modewoche ist erwachsen geworden – und ein Magnet. Am gestrigen und letzten Tag der Mercedes-Benz-Fashion-Week zeigte auch der Shootingstar der vergangenen Saison, Michael Sontag, dass er keine modische Eintagsfliege ist. Mehr als 100 Veranstaltungen in drei Tagen machten es Fachbesuchern schwer, den Überblick zu behalten. Sie hetzten von der Tempelhofer „Bread & Butter“ zur „Premium“ am Gleisdreieck, weiter zum Bebelplatz und, wer Muße hatte, zu einer der Spartenmessen, wo von Ökomode über Wäsche bis zu Sportswear alles geboten wurde, was in einen Kleiderschrank gehört.
Fotostrecke: Promis auf der Modewoche (24 Bilder)

Berlin ist längst nicht mehr der Kurort der Modebranche, wo man sich ein wenig treiben lässt, um dann nachts auf einer der vielen Partys zu feiern. Es ist als Standort wichtig, die Modewoche zumindest für den deutschen Markt ein Muss – spätestens, seit die „ Bread & Butter“ aus Barcelona zurückgekehrt ist. Auch internationale Hersteller und Einkäufer aus dem Jeans- und Sportswearbereich können es sich kaum leisten, wegzubleiben. Nie war Berlin für die Branche wichtiger, der relevanteste Termin in Deutschland. Hier wird neuerdings vor allem gearbeitet: Bei der „Bread & Butter“ geht es knallhart um Imageproduktion und Marketing, bei der „Premium“ darum, Produkte zu sichten und zu bestellen. Die italienische Marke Diesel war nach langer Zeit nicht nur mit einem gigantischen Stand auf der „Bread & Butter“ vertreten, sondern organisierte eine aufwendige Modenschau in der Arena Treptow.

Die Modenschauen sichern die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, dort sitzt vor allem die Presse, durchmischt von einer Anhängerschaft Prominenter. Sehen und gesehen werden wollen bei ihren Berliner Lieblingslabels nationale Stars wie die Schauspielerinnen Jessica Schwarz und Heike Makatsch, bei westdeutschen Marken wie Strenesse und Boss modeaffine Fußballer wie Jens Lehmann. Die modische Bandbreite ist groß, reicht von avantgardistischen Fricklern, Designern, die in die Zukunft schauen, bis hin zu den Handwerkern unter den Modemachern, die jede Saison hübsche Abendkleider über den Laufsteg schicken. Als Neuentdeckung der Saison gilt das Berliner Designerinnen-Duo Perret Schaad.
Fotostrecke: Die Highlights der Fashion Week (40 Bilder)

Auch wirtschaftlich scheint die Rechnung aufzugehen, wie sich das der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vorgestellt hat: Berlin profitiert von der Mode. Mehr als 200 000 Besucher kamen, die sich umsehen, essen, schlafen und Taxi fahren wollten. Der Tourismusverband bilanziert Mehreinnahmen von 100 Millionen Euro und freut sich schon auf die Sommerausgabe: vom 7. bis 9. Juli.  

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.01.2010)
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von mitte31 mitte31 ist gerade offline | 24.1.2010 10:39 Uhr
Es ist...
amüsant, mit anzusehen, wie die Branche, die sich ihre Absatzkanäle durch selbsterfundenen Bedarf an Sommer- und Winterkollektionen, immer wieder selber zelebriert. Bunt um pompös (gut, manche Label werden mittlerweile eher über HSE24 vertickert :-)) gauckelt sie den Leuten vor, en vogue zu sein und dazu zu gehören. Aber bitte. Warum sollte jemand, der dazu bereit ist, ein paar 100 Prozent mehr bezahlen, nur weil ein Label mit einem Fantasienamen, wie z.B. sagen wir mal Eins & Zwei, eingenäht ist. Ein paar bekannte Gesichter dazu, Showroom in 1a Lage, eine gute Presse, vornehmlich erstmal Insider- und Underground Presse und schwupps, schon klappts. Gut, dass so ein Firlefanz zumindest Geld in die Stadt spült :-)

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