Keine Möbel, keine Kleider, nichts: Unbekannte zündeten den Lastwagen zweier Hamburgerinnen an, die gerade nach Berlin ziehen. Ihr Hab und Gut verbrannte. Und die Versicherungen zahlen nur wenig.
Das Handy klingelt im Minutentakt. „Es rufen so viele Leute an, die uns Möbel, aber auch Kleider spenden wollen“, sagt Lisa B. Die 28-Jährige und ihre Kollegin Gyde S., 26, können jetzt jede Hilfe gebrauchen. Sie haben nämlich so ziemlich alles, was sie je besessen haben, verloren. Weil unbekannte Brandstifter ihren geliehenen Umzugswagen am vorigen Sonnabend angezündet hatten. „Alles ist verbrannt. Alle persönlichen Dinge, Erinnerungen, Lieblingsklamotten – nur noch Schutt und Asche“, sagt Lisa B.
Die beiden Frauen, die gerade ihr Medizinstudium beendet haben, sind – wie berichtet – am Freitagabend mit dem geliehenen Lkw einer Catering-Firma von Hamburg nach Berlin umgezogen. Gegen 23.30 Uhr kamen sie in Friedrichshain an und stellten den 7,5-Tonner in einer Nebenstraße unweit ihrer neuen Wohnung ab. „Wir waren zu müde, um noch auszuladen“, erzählt Lisa B. Als die beiden Frauen am nächsten Morgen loslegen wollten, kam der Schock: Vor dem Umzugswagen arbeiteten Ermittler der Spurensicherung, Polizeibeamte erklärten ihnen, dass Unbekannte den Lkw gegen 7 Uhr in Brand gesteckt hatten. „Wir konnten so gut wie nichts mehr retten“, sagt Gyde S. Geblieben ist ihnen nur die Kleidung, die sie auf dem Leib trugen, wenige Sachen, die sie im Handgepäck hatten und ein paar Möbel, die sie vor ihrem Umzug für die neue Wohnung gekauft hatten: ein Bett, eine Lampe, eine Kommode. Nächsten Monat wollen die beiden Hamburgerinnen ihre Jobs als Assistenzärztinnen in einem Krankenhaus antreten.
Eines ist bereits jetzt klar: Die Hausratversicherung wird für das Desaster nicht aufkommen. „Die zahlen nur bei Schäden in der Wohnung“, sagt Lisa. Und die Autoversicherung ließ bereits ausrichten, dass sie nur den Zeitwert des ausgebrannten Autos übernehmen werde. Die Entsorgung des verkohlten Lkw und die Beseitigung des Schutts falle hingegen nicht in ihre Zuständigkeit. „Darum müssen wir uns jetzt auch noch kümmern“, seufzt Gyde S. Sie hat neben ihren persönlichen Sachen auch wichtige Unterlagen und Manuskripte für ihre Doktorarbeit verloren. Ihre Freundin muss noch verkraften, dass all ihre Medaillen und Urkunden, die sie als Rhönradfahrerin errungen hat, für immer verloren sind. Ganz zu schweigen von sämtlichen Medizin-Fachbüchern…
Die Polizei schließt nicht aus, dass es Linksextreme waren, die den Brandanschlag verübt haben. Wahrscheinlich haben sie das Fahrzeug wegen des Catering-Aufdrucks ausgesucht. Die jungen Ärztinnen wollen trotzdem in Berlin bleiben. „Wir fühlen uns hier eigentlich sehr wohl“, sagen sie. Doch eines wird Lisa B. sofort tun: Den Aufdruck an ihrem Smart entfernen. Denn den ziert auch das Logo der Catering-Firma ihres Bekannten. „Nicht, dass der auch noch abgefackelt wird.“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27.08.2008)
Kommentare [ 35 ] Kommentar hinzufügen »
Spreeradio sammelt Spenden für die Beiden.
Warum gibt es nur soviele Idioten in unserer Stadt, egal mit welcher politschen Farbe sie sich anmalen oder auch einfach
"nur" Gewalttäter sind, denen die Gesundheit und/oder das Eigentum ihrer Mitmenschen völlig egal sind?!
Auch ich würde sofort spenden!
Versicherte Sachen, die Eigentum des Versicherungsnehmers
oder einer mit ihm in häuslicher Gemeinschaft lebenden
Person sind oder die deren Gebrauch dienen, sind weltweit
auch versichert, solange sie sich vorübergehend außerhalb
der Wohnung befinden. Zeiträume von mehr als drei
Monaten gelten nicht als vorübergehend.
Klingt für mich wie für den Fall gemacht.
Die Berliner haben Herz.
Spenden gibts von mir für dieses höchst umsichtige Verhalten jedenfalls nicht, die sind für Menschen reserviert, die wirklich nichts für ihr Unglück können.
auch brauchen wir uns sicher nicht darüber zu streiten, wie gemein und blödsinnig solche Anschläge sind.
Aber schon ein Blick in ihren Leihwagenvertrag oder in die Bedingungen (falls sie ein anderes Auto haben, oder bei Papa nachgesehen hätten), hätte sie versichert, dass man ein beladenes Fahrzeug NIE irgendwo auf öffentlichen Flächen über Nacht stehen lässt.
ausschließlich die christliche Nächstenliebe zwingt mich da zu etwas Verständnis, die Ration wehrt sich nach allen Kräften...
Er spendet nichts und schweigt, dass reicht doch als Reaktion eines auf Anstand und Takt bedachten Menschen.
Allerdings scheint mir die schnelle Mutmaßung, bei den Tätern handele es sich um "linksextremisten" doch schon an den Haaren herbeigezogen zu sein. Mit solchen Äußerungen sollte man sich erstmal zurückhalten, finde ich.
Außerdem wäre es jetzt auch schon interseesant, was denn auf dem Aufdruck draufstand, denn nur ein Firmenname wird es ja bei den tausend Firmen-LKWs in Berlin nicht gewesen sein.
Die Eskalation sind Ghettos, Drogenelend, Bandenkriege, ziellos um sich schlagende Wut ... sofern nicht schon vorhanden ...
Solange das Soziale in dieser zerneoliberalisierenden Gesellschaft Phobie erzeugt und Gesellschaft ungehemmt weiter dissoziiert, wächst das Asoziale in ihr.
Sao Paulo ante portas.
Sie sind ein rechter Alpträumer. Die Linken realisieren in Umfragen soeben 15%. Die werden einen Teufel tun, Autos abzufackeln. Auch zündelnde SED-Greise dürften ausschließlich Wahnvorstellungen erwachsen. Vielleicht sollten Sie sich erst einmal mit den Erkenntnissen von Polizei und Staatsschutz zu dem in Frage kommenden Täterprofil befassen, ehe Sie hier einen solchen hanebüchenen Unsinn verbreiten.
Dass es den o.g. Gewalttätern nicht um das Soziale geht, steht außer Frage. Sie sind oder fühlen sich ausgespuckt und schlagen einfach nur noch um sich. Selbst mit Ideologie hat das so gut wie gar nichts mehr und mit „an die Macht wollen“ gar nichts zu tun. - Aber mit Hass um so mehr.
„Wer etwas Anstand und Verstand hat, kann in Deutschland sehr gut leben, selbst wenn er arbeitslos ist.“
Vermutlich haben Sie das schon ausprobiert? Ich nicht, aber ich bezweifle, dass man da „sehr gut leben“ kann. Und kommen Sie nicht mit Kalkutta.
Armut in einer Gesellschaft definiert sich immer aus der Relation zum Reichtum IN ihrem HIER und HEUTE. Dass es anders wo „viel schlimmer“ sei und „früher viel schlimmer“ gewesen sei, ist irrelevant.
Dem „Reichen“ können Sie mit größerer Berechtigung vorschlagen, sich mit dem Reichtum von „anderswo“ oder „früher“ zufrieden zu geben, denn die Spanne zwischen Albrecht & Co. und dem heutigen Arbeitslosen ist um ein Vielfaches größer als frühere soziale Scheren in Deutschland.
„Gewalt lässt sich so nicht rechtfertigen.“
Das ist richtig. Aber sie lässt sich, was viel wichtiger ist, kopfsandig nicht verhindern.
Gewalt findet geradezu naturgesetzlich dann statt, wenn die „Teilnehmer“ einer Sozietät, mithin einer Gesellschaft, sich über alle Maßen voneinander entfernen.
Hat das Gefälle einen bestimmten Neigungswinkel überschritten, gibt es kein Halten mehr. Ob da ein Sandberg ins Rutschen gerät oder eine Gesellschaft, spielt für das Grundprinzip sich zwangsläufig ausgleichender großer Potenzialgefälle als energetisch hoch labiler Zustände keine Rolle.
Nicht umsonst war die Idee der sozialen Marktwirtschaft eine erfolgreiche Idee, solange das Soziale nicht zum (relativen) Witz verkam. Die neolibarale Idee von Wirtschaft ist ein Desaster und führt zu nichts anderem als zu einer immer schnelleren Abfolge gesellschaftszerstörender Kataklysmen, die auf dem Resonanzboden der Globalisierung eine besondere Dynamik entfalten.
Falls es dieselbe Gruppe sen sollte, die sich vorgenommen hat, alle Bonzenautos dieser Stadt in Asche zu legen, hätte man dann - allerdings etwas plump - die Täter auch noch zu Opfern gemacht.
Man kann von Glück sagen, dass nicht noch irgendwer im Auto genächtigt hat.
Aber auch das hätten die Gestörten dann noch irgendwie (Manchesterkapitalismus durch Unterstützung der Schweinekapitalisten in Form von LKWs zwecks Profitmaximierung statt Einsatz von Pferdefuhrwerken auch unter CO2-Gesichtspunkten) plausibel erklärt.
"Debilität ante portas". Wie Recht Sie haben!
Oder war es doch Hannibal?
Dann sollten Sie Ihre neoliberalen Kriegselefanten lieber nicht über die vereisten Alpen schicken. Spätestens bei Liechtenstein kommen Sie ins Rutschen.
Was Sie nicht verstehen ist, dass für "Gesetzlose" das Gesetz keine Rolle mehr spielt und dass Neoliberalität und sozialer Zynismus Fabriken sind, die Gesetzlosigkeit oder eben auch nur wieder Zynismus produzieren.
Die Story ist aber auch ein interessantes Beispiel dafür, wie Medien funktionieren. Ich habe den Eindruck, dass das ganze Mitgefühl bzw. die Anteilnahme auch daraus resultiert, dass hier zwei relativ hübsche junge Mädchen die Opfer sind, dich sich in der Presse gut vermarkten lassen und fotogen sind. Vielleicht ja demnächst auch im Fernsehen. Dass es sich dabei um zukünftig topverdienende Ärztinnen handelt, die wahrscheinlich aus wohlhabendem Hause stammen, wird nicht beachtet. Ich gönne den beiden alles Gute der Welt, nachdenklich macht mit aber die nach medialer Verwertbarkeit sich richtende, von der Presse erzeugte Aufmerksamkeit. Dafür können die beiden Ärztinnen nichts, aber die oft viel schlimmeren Schicksale anderer Menschen interessieren die Presse dagegen nicht.
Die Story ist aber auch ein interessantes Beispiel dafür, wie Medien funktionieren. Ich habe den Eindruck, dass das ganze Mitgefühl bzw. die Anteilnahme auch daraus resultiert, dass hier zwei relativ hübsche junge Mädchen die Opfer sind, dich sich in der Presse gut vermarkten lassen und fotogen sind. Vielleicht ja demnächst auch im Fernsehen. Dass es sich dabei um zukünftig topverdienende Ärztinnen handelt, die wahrscheinlich aus wohlhabendem Hause stammen, wird nicht beachtet. Ich gönne den beiden alles Gute der Welt, nachdenklich macht mit aber die nach medialer Verwertbarkeit sich richtende, von der Presse erzeugte Aufmerksamkeit. Dafür können die beiden Ärztinnen nichts, aber die oft viel schlimmeren Schicksale anderer Menschen interessieren die Presse dagegen nicht.
Das haben Sie sehr gut beobachtet.
"Völlig abgebrannt: Umzug ruinierte junge Frauen
Keine Möbel, keine Kleider, nichts ..."
BLÖD hätte sie dann noch nackt in die Speisekammer gesetzt. Das ist dem Leser des seriösen Tagesspiegel erspart geblieben. Oder vorenthalten worden. Wie auch immer.
Aber gelernt haben beide allemal. Las nie dein Hab und gut in einen LKW. wozu hast Du eine Wohnung? War ein teurer Lehrstoff.
Fakt: es ist kein Mietwagen sondern ein privat geliehener LKW eines Bekannten, folglich auch kein Mietvertrag (nix kleingedrucktes)
Von Neu-Berlinern muß man nicht erwarten das sie wissen das in dieser Stadt regelämssig von irgendwelchen gehirnamputierten Klein-Revoluzzern Auots abgefackelt werden. Und schon gar nicht müssen sie annehmen das diese Schwachmaten sich ausgerechnet den LKW eines Hamburger Caterers vornehmen.
@Commenator:Vielleicht liegst an der Tatsache das ich seit heute morgen 3 Uhr auf den Beinen bin aber: NIX VERSTEHEN. Bitte noch mal auf hochdeutsch.
Irgendwelche Phobien als Entschuldigung für Brandstiftung? Wollen Sie zum Ausdruck bringen die Täter wären psychisch in irgendeiner Form krank? Wohl eher nicht, entweder war das eine Form von Terrorismus oder Zerstörungswut. Für beides gibt es nur eine Antwort: Knast.
Hat jemand mal das Spendenkonto? Bin zwar klamm ..
Bandstifter sind Terroristen!
Zwei junge Frauen, die demnächst ihre stellen antreten !- Ruiniert ? - Niemals!!- Es gibt viele Arbeitslose in der Stadt!- Auch Akademiker etc.!Hartz IV- dann wären sie ruiniert!
Dies sollte den "ruinierten"Kindern klar sein.Und allen anderen auch!Die armen, armen Mädchen !!
Mit freundlichen Grüßen
Pooky
Natürlich ist der Schwachsinn und das Abfackeln von Grund auf abzulehnen. Um so mehr als die Autos meist solide versichert sind.
Am peinlichsten aber ist, dass die Fackelbrüder und Schwestern sich nicht mal bei Autos auskennen, denn oft fackeln sie Autos ab, die sich kleine Angeber kaufen und übersehen die dicken Schlitten, deren Namen sie nicht mal kennen.
Andererseits sind die Sprüche nach "höchsten Strafen" begehrend auch reichlich hüftschwach. Will man diese, sicher erheblichen Sachschäden, die jetzt schon hoch strafbewehrt sind, Kapitalverbrechen angleichen?
Natürlich war es von den Ladies extrem dämlich, egal wo in Deutschland, einen Transporter auf öffentlichen Straßen über Nacht stehen zu lassen (in Hamburg wäre er vielleicht nicht abgefackelt worden, sondern gleich geklaut),
aber es ist unangebracht, Häme über sie zu kübeln,
dennoch,
es wäre interessant zu wissen,
wie diese Meldung, in dieser Breite, den Weg in den TSP gefunden hat?