Vom Arbeiterbezirk zur Partymeile – Friedrichshain und das Erbe der Hausbesetzer.
Berlin - „Für bezahlbare Mieten“, steht auf dem Transparent des bis zum Dach bunt bemalten Wohnhauses. Die umliegenden frisch renovierten Altbauten sind von Farbbeutelwürfen übersät. Die Hausverwaltungen kommen kaum nach, die Häuserwände zu streichen, so schnell werden sie wieder als Zielscheibe benutzt. „Vorsicht Krisengebiet“, ist zwei Ecken weiter an eine Wand gesprüht. Darunter das Bild eines brennenden Polizeiautos.
An keinem anderen Ort wird der Konflikt zwischen dem Friedrichshain der neunziger Jahre und dem heutigen Ausgehbezirk so deutlich wie in der Rigaerstraße. Für die eine Seite ist es ein Kampf gegen steigende Mieten und „Yuppiesierung“, für Subkultur und „linke Freiräume“. Für die andere geht es um „Aufwertung“, Investitionen in gewinnbringende Immobilien und schönes Wohnen in einem angesagten Bezirk.
Dazwischen stehen die Friedrichshainer, die hier lange wohnen und miterlebten, wie aus dem Arbeiterviertel eine beliebte Partymeile wurde. Eine von ihnen ist Beate Klemm. 1991 zog die Buchhändlerin in die Simon-Dach-Straße. „Damals gab es hier nur eine Kneipe und einen Bäcker“, erzählt die 38-Jährige. Dass sich knapp 20 Jahre später eine Cocktailbar an die nächste reihen würde, erschien ihr damals unmöglich. Wohnen wollte in der heruntergekommenen Gegend kaum jemand. Klemm erinnert sich, wie sie in einer Silvesternacht mit einer Freundin vorm Haus feiern wollte. „Die Straße war komplett leer“, sagt sie, „wir standen da ganz allein mit unseren Sektgläsern“. Sie selbst hatte viele Freunde, die in besetzten Häusern im Kiez wohnten. „Für uns waren die Hausbesetzungen etwas völlig Normales.“ Vor allem junge Leute hätten sich auf der Suche nach billigem Wohnraum den Besetzern angeschlossen.
Die große Hausbesetzerwelle begann in Friedrichshain und anderen Ostbezirken Anfang der neunziger Jahre. Gleich nach dem Mauerfall wurden dutzende leer stehende Gebäude von Punks, Künstlern und Autonomen in Beschlag genommen. Bis zur Wiedervereinigung im Oktober 1990 konnte man problemlos Häuser besetzen. Die West-Berliner Polizei durfte im Osten nicht eingreifen und die Volkspolizei war mit der Situation überfordert. Am Ende waren ganze Straßen wie die Mainzer Straße besetzt. Illegale Kneipen und Klubs eröffneten und machten die Gegend nicht nur für Politaktivisten attraktiv.
Der große Schock für die Hausbesetzer kam kurz nach der Wiedervereinigung. Begleitet von stundenlangen Straßenschlachten stürmten am 14. November knapp 4000 westdeutsche Polizisten die Mainzer Straße. Die Besetzer warfen Brandsätze und Steine, die Polizei antwortete mit Tränengasgranaten und Räumpanzern. Es gab Schwerverletzte auf beiden Seiten, fast 300 Personen wurden festgenommen. Am Abend demonstrierten mehr als 10 000 Menschen gegen die Räumung. Später setzten die meisten Besetzer auf Verhandlungen mit der Stadt. Reihenweise wurden Wohnprojekte legalisiert und erhielten Mietverträge, die zum Teil immer noch gelten.
Die Mischung aus Künstlern, Musikern und Hausbesetzern habe den Bezirk in diesen Jahren geprägt, sagt Klemm. „Es gab plötzlich ganz andere Bedürfnisse im Kiez.“ Vorher habe es beispielsweise kaum Cafés gegeben, die ein Frühstücksbuffet anbieten oder Kneipen, vor denen man im Sommer die ganze Nacht sitzen konnte. 1996 gründete Klemm den kleinen Buchladen „Lesen und lesen lassen“ in der Wühlischstraße, den es bis heute gibt. Mit dem Bezirk änderte sich auch langsam ihre Kundschaft. Klemm erzählt von Kunden, die wegziehen mussten, weil ihr Haus teuer saniert und dadurch unbezahlbar wurde. Inzwischen fließen Touristenströme durch die Straßen.
Gentrifizierung nennen Sozialwissenschaftler die Verdrängung von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten aus Innenstadtbereichen. Mit durchschnittlich 5,58 Euro pro Quadratmeter hat Friedrichshain-Kreuzberg derzeit bei Neuverträgen die höchsten Mietpreise der Stadt. Das Paradoxe daran ist, dass die Hausbesetzerszene – ohne es zu wollen – über die Jahre selbst dafür sorgte, dass sich Immobilienfirmen jetzt um Häuser im Kiez reißen. Normalerweise gelten mit Straßenkunst überzogene Wände als Sachbeschädigung, lautstarke Demonstrationen und illegale Freiluftparties als Ärgernis. In Friedrichshain erhöht ausgerechnet all das die Anziehungskraft für Studenten und junge Unternehmer, die sich noch nicht ganz erwachsen fühlen wollen. Werbeagenturen und Klubbesitzer werden nicht müde den Bezirk trotz brennender Autos als „großartiges kreatives Umfeld“ zu loben.
Thomas, der in Wirklichkeit anders heißt, sagt von sich selbst, dass er genau in das Klischee vom zugezogenen Neureichen aus Westdeutschland passt. Mit einem Laptop sitzt er in einem Cafe an der Revaler Straße. Im Minutentakt klingelt sein Handy. „Ja, ich fahre einen teuren Wagen und verdiene mehr als die meisten im Bezirk", sagt der 26-Jährige selbstbewusst. Er wählt FDP und arbeitet für die Unternehmenskommunikation einer großen Firma. Trotzdem fühlt er sich in Friedrichshain seit vier Jahren Zuhause. Gerade das „raue Underground- Flair“, die ungewöhnlichen Klubs und die Straßenkunst machen für ihn den Kiez einzigartig. „Warum sollte ich nicht hier wohnen?“, fragt er. Mit dem Geld, das er im Bezirk ausgebe, helfe er indirekt allen Anwohnern. Für die Proteste der linken Szene gegen steigende Mieten oder das Mediaspree-Projekt hat er wenig Verständnis. „Vielen von denen geht es doch eher um Randale als um Inhalte.“ Für sein Auto hat er eine Garage gemietet.
Die steigende Attraktivität hat tatsächlich wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. 1999 gab es in Friedrichshain rund 20 000 Gewerbebetriebe, heute sind es knapp 42 000. Besonders stark vertreten ist die sogenannte Kreativbranche zu der etwa Webdesigner und Werbefirmen zählen. Dennoch lag die Arbeitslosenquote in Friedrichshain-Kreuzberg im letzten Jahr bei rund 17 Prozent.
Heute prallen im Kiez zwei Welten aufeinander. Im Norden gibt es noch viele linke Hausprojekte und Bauwagenplätze. Südlich der Frankfurter Allee, rund um den Boxhagener Platz, warten dagegen die neu entstandenen Restaurants und Bars auf die Besucher von Universal Music, MTV und der O2-World.
Für die Überbleibsel der Hausbesetzerbewegung bleibt seit einigen Jahren das immer wiederkehrende Ritual von Kündigungen, Gerichtsverhandlungen, Räumungen und anschließenden Demonstrationen. Die ehemaligen Hausbesetzer wollen ihre alternativen Wohnprojekte erhalten. Neue Immobilieneigentümer versuchen die alten Mieter loszuwerden, damit saniert und neu vermietet werden kann. Dabei kommt es teilweise zu skurrilen Szenen, wenn Makler die oft beanstandeten individuellen Umbauten der ehemaligen Bewohner plötzlich als verkaufsfördernden Hausbesetzercharme vermarkten.
„Die schönsten Graffiti-Kunstwerke der Vergangenheit werden mit Klarlack in das neue Treppenhaus integriert und erhalten“, heißt es in einer Wohnungsannonce für ein ehemals besetztes Haus im Internet. Daneben ein Foto des weiß gestrichenen Treppenaufgangs mit sorgfältig ummalten Hausbesetzergraffiti. Die Gemeinschaftsküche wird einen Klick weiter als „sehr große Wohnküche“, mit „Freiraum für jede Art von Gestaltungsmöglichkeiten“ angepriesen.
Wenn Beate Klemm heute durch die hell erleuchtete Simon-Dach-Straße läuft, erinnert sie kaum noch etwas an die damalige Zeit. Nur die Hausnummer 7, in der sie damals wohnte, sieht noch aus wie früher. Es ist das einzige Haus hier, das bislang nicht saniert wurde. Aber auch das wird sich bald ändern: An der Fassade hängt ein Schild, das über die anstehende Renovierung informiert.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.01.2010)
Kommentare [ 62 ] Kommentar hinzufügen »
Keine Autos parken an dieser Ecke, wohl aus Angst, dass diese von den Bewohner der Häuser beschädigt werden. Die umliegendenen Häuser werden mit Farbbeuteln beworfen.
Die Bewohner der beiden besetzten Häuser laden ihren Müll auf der Straße ab. Sperrmüll und Computermonitor lagen auf der Straße.
Ich hoffe, dass diese Häuser schleunigst geräumt werden, damit die anderen Anwohner keine Angst mehr um ihr Eigentum haben und keine Übergriffe mehr fürchten müssen.
Übrigens, Sperrmüll lag auch letztens groß in der Möckernstraße in Kreuzberg, da gibts weit und breit keine einzige linke Szene und die Mieten sind hoch und viele Eigentumswohnungen gibt es dort auch. Soviel dazu...
Ja richtig, nicht weit davon stehen die Autos, aber genau an dieser Kreuzung stehen ebend keine, insbesondere direkt vor den beiden Häusern. Dafür steht da Sperrmüll.
Der Hinweis mit dem Sperrmüll, den irgendwer, aus irgendwelchen Motiven an der Möckernbrücke ablädt ist zwar ganz nett, aber was soll er mir sagen?
Relativiert er, dass man augenscheinlich vor den zwei Häusern nicht sein Auto parken kann? Nein!
Relativiert er, dass aus dem Dunstkreis dieser Häuser Menschen umher laufen und anderer Leute Eigentum mit Farbbeuteln beschmeißen? Nein!
Relativiert er, dass nach Ermittlung der Polizei einer der Bewohner dringend verdächtig ist, was mit den Autozündeleien zu tun zu haben? Nein!
Fakt ist, dass die Bewohner dieser Häuser sich über die Gesellschaft stellen wollen, in dem die den anderen Anwohner in der Gegend vorschreiben wollen, was sie mit ihren Häusern zu machen haben, welche Autos sie zu fahren haben und wie sie sich zu kleiden haben. Hält man sich nicht daran wird zur Gewalt gegriffen.
Und da ist es total uninteressant, wer aus welchen Gründen Sperrmüll an der Möckernbrücke ablädt. Der Hinweis ist allenfals als schlechte Rabulistik zu werten.
Falls nicht, fackeln die eben mal kurz.
Dagegen bedarf der von Markx/Engels immer ALLER fortschrittlichen Errungenschaften der vorhergehenden Gesellschaft,
somit auch der bürgerlichen Freiheiten.
So sagt also das Maß, in welchem Produktionsmittel vergesellschaftet sind,
nichts darüber aus,
ob und wieviel jemand zu arbeiten hat,
er erzwingt es,
dass es keine Sozialsysteme zu geben hat.
Auch hier gilt mal wieder,
man braucht keine Ahnung,
Hauptsache man hat 'ne Meinung...
Ich frage mich da ganz ehrlich, warum da Ideologien wie der Sozialismus heute noch Salonfähig sind? Um diese Salonfähigkeit weiterhin aufrecht zu halten, wird immer weitere Haarspalterei betrieben, in dem man immer behauptet alles, was sich bis her Sozialistisch nannte, war gar kein Sozialismus sondern Leninismus, Maoismus, Statlinismus, Real existierenter Sozialismus usw.
Da kann sich ja auch einer hinstellen und sagen, dass das von 1933 - 1945 Hitlerismus war und das der National-Sozialismus eigentlich eine heilsbringende Ideologie ist. Den würde doch auch keiner ernst nehmen.
Alle sozialistischen Experimente endeten bisher in Mord, Totschlag, Säuberungsaktionen, Hunger und Mangelwirtschaft. Sozialismus ist eine totbringende Ideologie!
Leninismus/Stalinismus haben nur rudimentär mit dem zu tun, was Marx und Engels entwicklet hatten,
wer so argumentiert wie nielas kann ja gleich noch Luthers Lehr zu Kernbeständen des Leninismus machen.
Weniger weit hergeholt wäre das auch nicht...
Ich bin sowieso der Meinung, dass Berlin dezentralisiert werden sollte, damit diese Verdichtung aufs Zentrum aufhört und damit auch derartige Gentrifizierung von innerstädtischen Bezirken.
Was Berlin attraktiv macht, dieses sog. "großartige kreatives Umfeld", wird mit der Gentrifizierung zerstört, da erschwingliche Mieten quasi der Nährboden dafür sind. Noch zehn Jahre oder so, dann ist auch der Wedding dem Immobilienkapitalismus zum Opfer gefallen, und am Stadtrand leben die, die sich Wohnen in der Innenstadt nicht leisten können. Dann haben wir eine Wohnungsmarktsituation wie in Paris - und dann auch die Unruhen wie in Paris, bzw. in den Vororten davon.
Herrliche Satire zum Jahresbeginn !
Weil das "Flair", das er so lobt, durch Klientel wie ihn kaputt gehen. Immerhin hat er sich eine Garage für sein Auto gekauft, so dass die Menschen, die vom "Aufschwung", die der feine BWLer in den Kiez bringt, vertrieben werden, ihm das nicht anzünden können.
Wann genau, @orgel, beginnt bei Ihnen Rassismus?
Das hat sich vielleicht in den Beton-Köpfen der hochsubventionierten-es sich einfach gut gehen lassen-in den Tag hineinträumenden-die Nächte durchsaufenden-selbsternanten "Schikeria"- noch nicht herum gesprochen, die selbstverständlich nicht arbeiten geht, aber so falsch und verlogen ist und sich von Thomas durchfütter zulassen.
In einem freien Land, kann ich hinziehen, wo ich will.
Vor 200 Jahren wurde ganz Deutschland mit den Segnungen der franz. Revolution beglückt, wozu Niederlassungsfreiheit, wie auch Gewerbefreiheit gehören.
Thomas macht in Friedrichshain gar nichts kaputt. Sowenig, als würde Thomas in Kassel oder London leben.
Kaput, sind für mich dagegen diejenigen, die nicht verstehen, dass man sich im Leben ständig anpassen muß. Komisch, dass all dieses Gejammer über die sog. "Gentrifizierung" nur ais den "Sauf-Ecken" kommt. Was sich in den letzten 20 Jahren alles in Willmersdorf, Ch-Burg, Schöneberg, etc. verändert hat, ist gar nicht zur Kenntniss genommen worden.
Ich kann das ganze Gejammer dieser aufgeblassenen Schikeria bald nicht mehr ertragen. Werft sie dem Markt zum Frasse vor....
Sie haben übrigens recht, in einem freien Land können sie hinziehen wohin sie wollen. Sie brauchen sich in diesem freien Lande auch nicht darum zu scheren, ob andere deswegen aus ihrer vertrauten Umgebung fortziehen müssen, jedenfalls solange Sie mehr bezahlen können sind Sie immer im Recht. Recht gibt Ihnen hierbei auch die Bevölkerungsentwicklung der Berliner Innenstadtbezirke in den letzten 20 Jahren.
Ach ja, mit dem "sich ständig anpassen müssen" haben Sie natürlich auch recht. Wo kämen wir denn da hin, wenn sich die Umgebung nicht ständig an "Thomas" und seinen Vorstellungen anpassen müsste.
Na, das wird das rechtsextreme Spinner freuen, dass sich links nun auf der gleichen Argumentationslinie befindet. Dann können die ja bald wieder anfangen ihren Traum von Nationalbefreiten Zonen zu realisieren. Zitate von linken, die solche bestrebungen begrüßen gibt es ja nun zu hauf.
Eigentlich ist ex vollkommen egal ob rechtsextrem oder links, die Einteilung ist nur selbststäuschung. Teilt die Menschen ein, ob die Freiheit oder Tyrannei wollen! Das ist wesentlich eindeutiger.
Schön, dass es wieder Arbeit gibt und die Häuser nach und nach auf eine zeitgemäße Ausstattung gebracht werden. Wenn man mal überlegt, auf wieviel Arbeitsleistung und wieviel Wohlstand die DDR durch ihr dummes System verzichtet hat ...
"Der große Schock für die Hausbesetzer kam kurz nach der Wiedervereinigung"
Es ist für jeden IMMER ein großer Schock, wenn ihm das genommen wird, was er selber widerrechtlich in seinen Besitz gebracht hat - also ein ganz normaler Vorgang, so ein Schock!
„Für bezahlbare Mieten“
während 2 Sätze weiter folgender, kostentreibender Sachverhalt dokumentiert wird: "Die Hausverwaltungen kommen kaum nach, die Häuserwände zu streichen, so schnell werden sie wieder als Zielscheibe benutzt"
Und Beate Klemm stellt nüchtern fest: „Für uns waren die Hausbesetzungen etwas völlig Normales.“
Tja, offensichtlich kann man sich auch an Gesetzesbruch sehr schnell gewöhnen. Man sollte in F'hain mal im Rahmen eines Feldversuches experimentieren, ob dies auch für Gesetzestreue gilt.
„linke Freiräume“
Komisch, dass bei solchen Propaganda-Ausdrücken immer unwillkürlich die Hand schützend zum Portemonnaie fährt ... wenn die Brüder wenigstens ihre Freiräume selber finanzieren würden, wären sie noch eine Idee glaubwürdiger
"Es ist für jeden IMMER ein großer Schock, wenn ihm das genommen wird, was er selber widerrechtlich"
Was für eine Verdrehung der deutschen Sprache... ohne Ihr widerrechtlich würde der Satz weit mehr Sinn ergeben. Denn, wer soll geschockt sein, von dem man weiß, das es ihm wieder schnell weg genommen werden kann?
Gesetzestreue ist gut, auch Sie persönlich haben dagegen mit Sicherheit schon gegen diverse Gesetze verstoßen, vorallem in anderen Staaten... ein Gesetz kann nie das Ultimo sein. Gesetze entstehen und gehen auch wieder. Das haben Sie anscheinend auch noch nicht begriffen. Aber Ihre AdAbsurdum-Theorie klingt schon sehr amüsant. Als hätte Gott mit dem Finger geschnippst und "das Gesetz" wäre da gewesen.
Warum arbeiten Sie eigentlich nicht bei der Polizei? Wir hätten wohl keine Verbrecher mehr mit Ihnen...
Allerdings werde ich - wie ein Mann - auch ertragen, wenn man mich erwischt - und da nicht rumjammern und rumheulen!
DAS ist der Unterschied!
Aber erklären Sie uns das noch mal mit dem "widerrechtlich". Wenn Sie fremdes Eigentum in Ihren Besitz und Ihre Verfügungsgewalt bringen, dann ist das NICHT widerrechtlich?
Also eines kann ich Ihnen schon prophezeien: sollten jemals Ihre Gesinnungsgenossen an die Macht kommen, dann ist das Recht des Stärkeren gewährleistet, dann können sich die Schwachen warm anziehen!
Für Leute wie Sie, sollte der Rechtsstaat sehr stark sein!
Ja der Unterschied - eine gerade schwarz-weiße Linie zwischen Ihnen und Ihrem Gegner.
Das Problem: Damals war das Eigentum garnicht geklärt und auch ein Bedarf war damals kaum vorhanden, die Objekte wieder durch den Eigentümer bewohnbar zu machen. Übrigens, hätte es eine ganze Szene um die Hausbesetzer nicht gegeben, wäre viel Altbausubstanz verloren gegangen. Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile, wie auch seine Geschichte. Denn eines stellt auch der Artikel deutlich klar, der Kampf ums Eigentum hat den heutigen Eigentümern ihre Renovierungen erst möglich gemacht.
Ich weiß ja nicht, mit was krudem Weltbild Sie leben, es muss sehr krude sein, aber wenn ich mir meine Gesinnungsgenossen anschaue, wovon es sehr wenig gibt, dann gibt es da kein Recht des Stärkeren. Im übrigen, in den alternativen Wohnprojekten, die nicht zu meinen Gesinnungsgenossen zählen, gibt es auch nicht das Recht des Stärkeren. Im Gegenteil. Aber wie sooft, wissen Sie mal wieder nicht, wovon sie dampfplaudern. Theorie und Praxis, das ewige Problem Ihrer Kaste, dies unter einen Hut zu bekommen.
Und was der Rechtsstaat mit mir zutun haben soll, weiß ich nicht. Ich bin HEP, zahle meine Steuern und bin ehrenamtlich als Vorstand tätig. Können Sie auch soviel zur Gemeinschaft beitragen? Ich habe da erhebliche Zweifel.
Mit der "geraden schwarz-weißen Linie" haben Sie allerdings Recht, denn alles andere läuft zu oft aus dem Ruder. Können Sie sich z.B. noch daran erinnern, als die Abgas-Kritiker NUR die Luft aus den Fahrzeugen ließen? Ich war im schwarz-weißen Sinne EINDEUTIG dagegen!
Und heute? Macht sich noch jemand die Mühe, die Luft aus den Reifen zu lassen? Nein, heute BRENNEN diese Fahrzeuge.
Sie sagen, Gesetze kommen und gehen - also nach dem Motto, sollte man gar nicht so ernst nehmen ...
Tja, wenn man tun und lassen wollen darf, was man will, wenn man keine Rücksicht gegenüber anderen nehmen will, Hauptsache, einem selber geht es gut, wenn man fremdes Eigentum zum eigenen Wohlergehen nutzen möchte, wenn man von fremder Arbeit und Anstrengung selber, ohne eigene Anstrengung, profitieren möchte, dann muss man wohl so argumentieren.
Und selbst, wenn man Ihnen abnehmen sollte, dass Sie die Macht, die Sie durch Nichtanerkennung der Regeln und Gesetze dieser Gesellschaft nicht gegenüber Schwächeren missbrauchen würden, selbst dann, selbst dann könnten Sie doch nicht ernsthaft hier antreten und meinen, alle anderen, die genau so handeln, wie Sie, würden sich ebenfalls so "ehrenhaft" benehmen und diese Situation nicht ausnutzen.
Zeigen Sie mir eine Gesellschaft, eine Gruppe von Menschen, die ohne Einhaltung von Regeln und von eigener Anstrengung friedlich zusammenlebt.
Das schaffen selbst die linkesten Alternativ-Projekte nicht.
Tja, und was Sie und Ihre Ansichten mit einem Rechtsstaat zu tun haben, weiß ich allerdings auch nicht.
Ein Interessanter Artikel zum Thema Gentrifikation findet sich hier: \"Search for the Ideal City\"
Es ist ein Dilemma, eine Catch 22 - Situation in der man sich als Anwohner dieses Bezirkes befindet. Jeder hier fürchtet die Gentrifizierung, aber jeder einzelne trägt dazu bei. Und am meisten - ironischerweise - haben es die Hausbesetzer selbst getan.
Ich bin sicherlich als Anwohner einer der Verantwortlichen für die oben beschriebene Aufwertung des Bezirkes, werde mir die Mieten hier aber sicherlich auch nicht mehr allzu lange leisten können; ich werde eines Tages von solventeren Mietern "vertrieben" werden, genauso, wie damals Punks die alt eingesessenen Ostler aus dem Boxi-Kiez vertrieben.
Ich heisse es nicht gut, aber ich verstehe, warum hier Autos brennen; jedoch anders als im Film, wird hier das Imperium gewinnen, die Karawane der Rebellen wird weiterziehen und das Spiel wird von neuem Beginnen. Höchstwahrsheinlich dann in Neukölln.
Und ganz am Ende - machen wir uns nichts vor - leben wir in einer wohlhabenden, langweiligen Stadt, einem Abziehbildchen von Rom oder Paris.
Ob man das gut oder schlecht heißt, spielt keine Rolle; abwenden kann man es nämlich nicht.
Eigentlich durchaus plausibel:
Thomas kauft sich ein, weil er den Szenekiez toll findet.
Kreative Leute müssen wegziehen, weil Thomas die Mieten erhöht.
Wo da jetzt der Rassismus stecken soll weiß ich auch nicht.
DAS halte ich für rassistisch. Für "Ausländer" können Sie jetzt aber auch einen "arbeitenden, gut verdienenden jungen Mann" einsetzen.
Und dass ein Kiez durch seine Bewohner so toll ist, das glauben Sie doch wohl selber nicht! Sollen die mal zur Probe nach Hellersdorf ziehen - achten Sie mal drauf, ob da deswegen einer nachzieht. :-)
Aber ein Tipp von mir: Schauen Sie mal auf den Stadtplan. Fällt Ihnen die zentrale Innnstadtlage auf?
Na, dämmerts?
Ce la Vie......
Ich kann mir Vieles nicht leisten, nur ist da außer mir keiner sonst für verantwortlich.
Kannst Du was, dann hast Du was, hast Du was, dann bist Du was!
Und ist man was, kannst man auch in schicken City-Lagen wohnen. War immer so, ist einfach so, bleibt immer so.......Egal ob in Tokio, Peking, New-York, London, Berlin, Potsdam, etc.......
Wobei, der Schlüßel ist Wissen, bzw. das richtige Wissen. Wer Anglistik studiert und davon nicht leben kann, ist doch wohl selber dran schuld und soll nicht andere für sein Los verantwortlich machen und einfach mal putzen gehen.....
Ich glaube, es gibt keine zweite europäische Stadt, die der Fluch des Sozialismus so krank und kaputt gemacht hat wie Berlin und das seit ca. 1933 ab.
Was mir deutlich auffällt, ist Ihr seltsames Empfinden zum Sozialen und Sozialität, das bei Ihnen gleich Sozialismus heißt. Natürlich vollkommener Unsinn.
Um nochmal auf den Kern vom Anfang zu kommen: Das Problem ist weniger das Geld, als das Denken und Klientel, was in die bestimmten Gebiete zieht. Denn oft verödet das Gebiet, wird mit Lärmklagen und -Anzeigen überzogen und unattraktiv. Zurück bleiben eine ganze Weile überteuerte Wohnungen, die irgendwann nichtmehr bezogen werden, weil all die Leute mit Geld wieder dorthin ziehen, wo etwas los ist. Wir können uns daher schon auf einen Teufelskreis einigen. Der Unterschied zwischen mir und Ihnen - sie haben weder Ideen, noch Mut, noch den Willen, den Teufelskreis zu durchbrechen. Und weiter wird stockkonservativ das Heiland gepredigt und Feindbilder genährt und geschürt. Was für eine glorreiche und fortschrittliche Zukunft für diese Stadt. Hätten wir noch mehr von Ihrer Sorte, wären wir noch in der Steinzeit.
"... wird mit Lärmklagen und -Anzeigen überzogen und unattraktiv."
Das Berliner Nachbarrecht regelt ganz klar sämtliche hinnehmbare Emissionen. Von daher dürfte sich durch den Zuzug von Ausländern oder Leuten aus Westdeutschland oder Ostdeutschland oder aus anderen Berliner Bezirken nichts ändern.
Oder dachten Sie an die Admiralbrücke, wo die Touris gerne bis in die Puppen feiern - wobei feiern ist wahrscheinlich der falsche Endruck, es müsste heißen, "zu lauter Musik Alkohol trinken". Wobei: Lebensqualität sieht doch anders aus, oder?
"Zurück bleiben eine ganze Weile überteuerte Wohnungen, die irgendwann nichtmehr bezogen werden, weil all die Leute mit Geld wieder dorthin ziehen, wo etwas los ist."
Dann rufen Sie also den Verdrängten der Berliner Kieze zu: "Haret aus, Ihr Vertriebenen, der Spuk ist alsbald vorbei" ? Na, wenn das nicht Mut macht ...
Dass andere übrigens einen Teufelskreis nicht durchbrechen wollen, kann damit zusammenhängen, dass es für die keiner ist bzw. dass nur Sie ihn sehen.
Und für eine evtl. Steinzeit wären die Linken verantwortlich, die stockkonservativ immer gerne alles einbetonieren möchten und eine panische Angst vor Veränderungen haben, die sie nicht als Herausforderung begreifen können
Man könnte der Entmischung auch begegnen, indem man gezielt sozialen Wohnungsbau subventioniert. Offenbar fehlt den Verantwortlichen allerdings das Geld oder der Mut, um so etwas durchzudrücken.
Wie leidenfähig, muß der Steuerzahler da noch sein.
Ich wohne in einer willmersdorfer HH-Wohnung und soll über meine Steuern den Müßiggang der fredrichshainer Schikeria subventionieren? Gehts noch?
Übrigens gibt es in Berlin genug freie Wohnungen, die Mieten sind so niedrig wie nirgend sonst in Deutschland.
würde ich micht erst mal mit Berliner Architekturgeschichte befassen,
denn dann könnte er erfahren,
dass "Sozialer Wohnungsbau" und Wohnqualität, von Rupenhorn über Lehniner Platz, Lietze, Argentinische und und und und,
sich NICHT gegeneinander ausschließen,
aber sowas können Leute,
die hier frisch aufgeschlagen sind,
natürlich nicht wissen...