Die Piratenpartei eröffnete ihr erstes Büro – in Friedrichshain, wo ihre Wähler wohnen.
Diesmal waren sie besser vorbereitet. Während der Ansturm bei ihrem ersten Parteitreffen nach der Europawahl die Piraten völlig überrascht hatte, haben sie am Donnerstag bei der Eröffnungsparty ihres neuen Büros mit den zahlreichen Sympathisanten und Wählern gerechnet, die schon nachmittags gratulieren kamen.
Schon von der Straße aus war die orangefarbene Parteiflagge zu sehen, die im Fenster des Großraumbüros hängt, das dem Verein für Kinder- und Jugendprojekte „Pünktchen im Kiez“ gehört. Der Arbeitsplatz im Inneren ist zwar einer unter vielen, aber er bedeutet einen großen Fortschritt für die Partei: „Bisher haben die Piraten nur im Netz, in Privathaushalten oder an öffentlichen Treffpunkten existiert“, sagte Sprecher Fabio Reinhardt. Jetzt ist der deutschlandweit erste Büroarbeitsplatz der Piraten in der Wählerhochburg Friedrichshain-Kreuzberg eingerichtet. Dort hatte die Partei bei der Europawahl 3,4 Prozent der Stimmen geholt, in Berlin hatte sie es insgesamt auf 1,4 Prozent geschafft und war so die größte unter den kleinen Parteien.
Das neue Büro soll künftig sowohl als Landesgeschäftsstelle der Berliner Partei als auch als bundesweites Wahlkampfkoordinierungsbüro genutzt werden. „Damit wird vieles einfacher“, sagte der Bundesvorsitzende Dirk Hillbrecht, der extra aus Hannover angereist war. Unter anderem haben die Piraten jetzt eine Postadresse. „Wir können nun viel schneller neue Mitgliedsanträge bearbeiten“, so Hillbrecht.
Seit der Europawahl hat die Partei nämlich eine rasante Entwicklung hingelegt: Die Zahl der Berliner Mitglieder hat sich von 60 auf rund 150 mehr als verdoppelt. „Der Ansturm von neuen Interessenten ebbt gar nicht mehr ab“, sagte Andreas Baum, Landesvorsitzender der Berliner Piraten. Auch die erforderlichen Unterschriften, um bei der Bundestagswahl im September antreten zu können, haben die Berliner zusammen: 2000 hätten sie gebraucht, rund 2600 haben sie bereits.
Alle Mitglieder der Partei arbeiten bislang ehrenamtlich. Wenn im Februar die Gelder für die Wahlkampfkosten ausgezahlt werden, wolle man jedoch wenn möglich eine Stelle für das Büro finanzieren, hieß es. Da die Berechnung aber kompliziert sei, wisse man noch nicht, wie viel man bekomme.
Zum Glück steht den Piraten das Büro vorerst mietfrei zur Verfügung: Das Angebot kommt von Stefan Schultz, dem Geschäftsführer des Vereins „Pünktchen im Kiez“. „Ich habe gehört, dass die Partei Räume sucht“, sagt Schultz. Ihm gefalle der basisdemokratische Anspruch und die Ziele, das Urheberrecht zu lockern und Bürgerrechte im Internet stärker zu schützen. Gern hat er deshalb der Piratenpartei einen der Schreibtischplätze auf den rund hundert Quadratmetern bereit gestellt, die sein Verein an verschiedene Initiativen wie den Stadtteilverein Friedrichshain vermietet.
Bisherige Treffpunkte, etwa die Kreuzberger Bar „Breipott“, in der lizenzfreie Musik kostenlos zum Herunterladen aus dem Netz angeboten wird und in dem sich die Piraten wöchentlich versammeln, oder den Kulturverein C-Base in Prenzlauer Berg will die Partei jedoch weiter nutzen. Dort hat sie sich Ende 2006 auch gegründet. Für den Landesparteitag am 1. Juli haben sich die Piraten übrigens die Karaokebar „Monster Ronson’s“ in der Warschauer Straße ausgesucht.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.06.2009)
Kommentare [ 26 ] Kommentar hinzufügen »
Bei den Piraten gilt offenbar: Unschuldig bis zum Ende des Verfahrens. Eine Gruppierung so ganz ohne die heute übliche mediale Vorverurteilung. Unheimlich, gell?
Aber was bereits abgeschlossenes angeht: Mal bei Wikipedia nach dem CDU-Politiker Thomas Pietzsch geschaut?
Nunja, Politik ist ein schmutziges Spiel.
Hmmm..jetzt hab ich mich für sie distanziert ;-)
Dauerhaftere Mieter gibt es zudem nicht. Aber wenn Sie jemanden kennen, immer her damit.
@jb: Sie haben immernoch nicht das Programm gelesen, warum?
Warum lehnen Sie Ihre Freiheitsrechte ab?
Sind Sie für Überwachung? Für Datensammlungen? Für Spionage gegen Mitarbeiter? Sie tun immer so, als wären das alles Spinner, aber warum äußern Sie nicht mal die Hintergründe Ihrer Haltung? Ich lese immer relativ inhaltsleere Frontsprüche von Ihnen, was ist los?
"Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern ("Kopierschutz", "DRM", usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen."
Allein das ist schon barer Unsinn, weil urheberrechtlich geschützte Rechtsgüter eben nicht "freie Güter" sind, die "künstlich verknappt" und zu einem "wirtschaftlichen Gut" gemacht werden, sondern es ist umgekehrt: Es handelt sich - etwa bei einem Buch - um Eigentum bzw. bei der abstrakt dahinterstehenden kreativen Schöpfung um geistiges Eigentum (und ein wirtschaftliches Gut) und demzufolge natürlich gerade nicht um etwas "freies", was nun auf wundersame Weise (=man muss es im Laden kaufen und dafür bezahlen, sonst kriegt man es nur in der Leihbibliothek) "verknappt" wird, sondern was ganz viel distribuiert wird - aber bitte legal, nämlich gegen Bezahlung, damit alle an der Schöpfungskette Beteiligten von ihrer Arbeit satt werden und ihre Familien ernähren können.
Ist eigentlich nicht so schwer zu begreifen, oder? Und wenn die Piratenpartei, die schon von falschen/falsch verstandenen Prämissen ausgeht (z.B. "die Privatkopie soll legalisiert werden" - die Privatkopie IST seit eh und je legal, genaueres siehe unter § 53 UrhG), meint mitdiskutieren zu können, dann kann ich nur müde lächeln: Was die vortragen ist Internetträumerei von Leuten, die vom Recht nicht den Hauch einer Ahnung haben, aber sich partout auf fachlich - für sie - gaaaanz dünnes Eis begeben. Die wollen mitreden bei Themen, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben. Befreit von jedweder Sach- u. Rechtskenntnis lässt es sich ja bekanntlich immer am besten diskutieren und politisieren. Wenn man nur vorgibt, für eine gerechte Sache zu kämpfen, gibt es immer genügend Trottel, die das auch noch glauben und eifrig nachplappern, was ihnen vorgekaut wird.
Es ist eine Partei die sich unter anderen für der Schutz der Meinungsfreiheit kümmert.
Statt darüber nachzudenken, ob dieses Anliegen vielleicht die Gesellschaft nützlich sein könnte, ist das Einzige was Sie interessiert wieviel Miete man aus den Leuten erpressen kann.
Na von Bundes- und Europamitteln. Der Partei steht aufgrund der Wahlergebnisse ca. 170000€ zu. Bei der kommenden Bundestagswahl wird es sicherlich erneut einen Anspruch geben.
Ansonsten sind Ihre Kommentare und Meinungen zur PArtei amüsant, aber auch gefährlich. Sie werden sich noch wundern. ;)
Jetzt mal Hand auf's Herz: Sollen unsere Musiker, Schriftsteller, Autoren und sonstigen Künstler in Zukunft von Sozialhilfe oder milden Gaben leben, derweil ihre Erzeugnisse nicht mehr verkauft, sonder kostenlos herunter geladen werden?
Wenn mir jemand von den Piraten das mal logisch und nachvollziehbar erklärt, dann erkläre ich mich gerne bereit, mir das weitere Programm dieser Leute mal anzuschauen. Aber bisher bedeutet "Pirat" für mich nur: Jemand ohne Gegenleistung etwas wegnehmen. Da soll mir auch niemand mit dieser ganzen Sozialsülze "Freies Internet für alle" kommen. Ich als Autor schreibe nicht nur aus Spaß an der Freude und für lau, sondern weil ich meinen Kram auch verkaufen und davon leben möchte.
Da Sie beiden ja unglaublich "gute" Absichten und Argumente haben, ist es erfreulich das Sie nicht persohnlich werden. Ein rechtstaatlich anerkannte Partei und deren Mitglieder nicht als "Spinner" bezeichnen, bzw. auch nicht deren Erfolg u.a. bei der Europawahl absprechen und damit die Wähler verunglümpfen, Ihnen "jb" hochangrechnet werden.
Nebenbei ist interessant, das Sie das Wahlprogramm überfliegen, die für Sie wichtigen Punkte herausnehmen und dann die "OFFENE" Plattformen (insgesondere Forum, Wiki, Maillisten usw.) sich anschauen und wieder nur herausfiltern wasss Ihnen passt.
Im übrigen haben auch Mitglieder der Piratenpartei gegen die Vorratsspeicherung und gegen das Kennzeichenscanning in Karlsruhe klagen/geklagt.
Ausserdem muss ich Sie korrigieren, die PP erkennt das Urheber an, will es auch nicht abschaffen, sondern ändern, so das ein Gleichgewicht zwischen Kulturschaffenden und der Gesellschaft herrscht. Das u.a. auch für die Wiedereinführung der "richtigen" Privatkopie (welche vor den letzten Urheberrechtsänderung möglich war) ist und nicht so eine fadenscheine Privatkopie sollte selbsterklärend sein.
Ich könnte so weiter machen, aber dies könnte länger dauern, im übrigen habe ich das Gefühl, das es Sie gar nicht interessiert, da Ihre Meinung feststeht.
Zum Schluss möchte Sie noch zu Ihrem Pyhrussieg gratulieren, den Sie zuletzt in den USA verbuchen konnten, bei dem eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern, fast 2 Mio Strafe aufgebrummt worden sind, weil Sie 7 Musikdateien getauscht haben soll.
Die Piratenpartei sagt, sie wolle das Urheberrecht ändern - aber die Änderung kommt einer Abschaffung gleich.
Das Geschwafel von der Herstellung eines "Gleichgewichts" zwischen Urhebern und Nutzern ist schier unerträglich und entspringt sowohl Unkenntnis des Rechts, als auch kompletter intellektueller Desorientiertheit: Urheberrecht ist Eigentumsrecht. Und Sie haben NIEMANDEM vorzuschreiben, dass er in Zukunft der Gratisnutzung seiner kreativen Schöpfungen zusehen sollen muss. Was die Piratenpartei plant, entspricht einer Enteignung. Und darum wird es auch nicht kommen.
Ich "verunglimpfe" keine Wähler - offenbar wissen Sie gar nicht, was "verunglimpfen" bedeutet. Ich kämpfe lediglich intensiv gegen deren Meinung, was mir in der Demokratie zum Glück freisteht. Oder?!
Und ja: Was die fordern, ist für mich Spinnertum! Absoluter Schwachsinn, den nur Internetbohémiens und Zukurzgekommene fordern können, die alles für lau haben wollen. Warum eigentlich zum Beispiel Musikaufnahmen für lau? Ist das das "Wissen für alle"? Ist das überhaupt "Wissen"? Geht es nicht darum, einfach nicht bezahlen zu wollen? Na klar geht's darum und um nichts sonst! Und die Wähler dieser Partei machen eifrig mit, und vermutlich durchschauen die wenigsten, was sie da überhaupt fordern: Die Enteignung der Autoren und weiterer Rechteinhaber. Wahnsinn, absoluter Wahnsinn! Wann kommt die Autofahrerpartei, die fordert, dass jeder mit jedem noch im Verkaufssalon stehenden Neuwagen hrumfahren darf, wann immer es ihm passt? Wäre doch auch irgendwie total gerecht, oder? Da sollen sich die Autohäuser mal nicht so anstellen.
Ich sage Ihnen etwas: Die Forderungen der Piratenpartei sind infantil/pubertär!!! Und wenn ich nur ein paar Punkte aufgegriffen habe, dann wg. mangelnden Platzes - idiotisch sind sie allesamt.
Es geht bei dem Thema Urheberrecht keineswegs darum "einfach nicht bezahlen zu wollen"!
Auch Ihre Vergleiche hinken etwas, finden Sie nicht? Ein Musikstück ist auch nach dem kopieren noch vorhanden, ein Fahrzeug kann nicht ohne weiteres kopiert werden.
Sie stellen hier Behauptungen in den Raum, die sie nicht im geringsten beweisen oder untermauern.
Begründen sie doch Ihre Behauptungen. Zeigen Sie uns einen entsprechenden Passus im Wahlprogramm!
Ihr Kommentare erinnern mehr an Propaganda als ein einfaches Kundgeben der persönlichen Meinung.
Sie sind nicht zufällig Mitglied einer konservativen Partei, und fürchten um Ihre Stimmen?
PS.: Musik wird im Netz immer kopiert werden, egal wie viele Gesetze dazu erlassen werden. Macht es da nicht Sinn, das Urheberrecht anzupassen, um die Verluste für die Künstler zu minimieren?