Die Kritik an den Festnahmetrupps während der G20-Demonstration gegen die Krisenpolitik in Berlin wird lauter. Provozierte die Polizei mit ihrer neuen Einsatztaktik Randale?
Berlin - Die Demonstranten in der schwarzen Kluft reagierten mit Wut. „Das ist Willkür!“, schrien sie den Polizisten entgegen. Dann flogen am Samstagnachmittag Flaschen und Steine vor dem Roten Rathaus. Gut eine Stunde lang gerieten Beamte und Protestler am Rande der Kundgebung gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung heftig aneinander.
Als „Willkür“ empfanden die Mitglieder des autonomen schwarzen Blocks, aber auch Sprecher des Netzwerkes „Attac“, dass die Polizei kurz vor Beginn des ersten Rednerauftritts mit sogenannten „Festnahmetrupps“ überraschend in die Menge eingedrungen war und mutmaßliche Straftäter gezielt ergriffen hatte. Zuvor hatten andere Beamte diese „Störer“ schon während des vorangegangenen Protestumzuges durch Mitte bei Steinwürfen gefilmt und identifiziert.
Provoziert die Polizei mit einem solchen Vorgehen nicht unnötig Randale? War der Zeitpunkt des Zugriffs ungeschickt gewählt? Das fragten sich manche der rund 20 000 überwiegend friedlichen Demonstrationsteilnehmer am Platz. Und sie ärgerten sich, weil Redner der Kundgebung wegen der lauten Auseinandersetzung kaum zu verstehen waren.
Aus Sicht der Polizei war die Einsatztaktik am Samstag hingegen „genau richtig“. Man habe konsequent die „erfolgreiche Strategie der sogenannten beweissicheren Festnahme“ angewandt, sagt Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Dieses Vorgehen wurde aus den Lehren der Vergangenheit entwickelt. Noch vor einigen Jahren nahmen die Beamten nur auf Verdacht eine ganze Gruppe von Protestlern vorläufig fest, falls aus deren Richtung Steine flogen. Häufig waren dann auch Unschuldige unter den Festgenommenen, die sich über Willkür beklagten, weil sie nur am Rande dabeigestanden hatten. Und den tatsächlichen Tätern konnte man die Schuld nur schwer nachweisen.
Vor allem im Hinblick auf die alljährlichen Gewaltausbrüche am 1. Mai entwickelte die Polizei schließlich das neue Einsatzkonzept. „Filmen, identifizieren, rausgreifen“ lautet dessen Motto – wobei die Beamten laut Schodrowski drei Ziele verfolgen: Zum einen sollen die tatsächlichen Täter schnell gezielt und ohne viel Aufruhr ergriffen und zur Verantwortung gezogen werden. Indem man die Rädelsführer dingfest mache, lasse sich zudem eine weitere Eskalation verhindern. Und: „Friedliche Protestler werden geschützt.“
Die speziell trainierten Festnahmetrupps gehen arbeitsteilig vor. Einige Beamte filmen, identifizieren und beobachten die Täter fortlaufend, andere warten ab, bis sie in kleinen Trupps mit einer genauen Täterbeschreibung rasch in die Menge vordringen und zugreifen können.
Als der Protestmarsch am Samstag nach dem Umzug durch Mitte den Kundgebungsplatz am Roten Rathaus erreichte, sei der Moment für einen solchen Einsatz „günstig“ gewesen, begründet die Polizei ihre Taktik. Später hätte man die Täter nicht mehr beweissicher festnehmen können. Gegen einen wurde gestern Haftbefehl erlassen. Im Übrigen habe sich der Aufruhr ja bald beruhigt – was aber vor allem der starke Regen bewirkte. CS
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.03.2009)
Kommentare [ 69 ] Kommentar hinzufügen »
Die Randalierer sind ja nur die Opfer der Polizei, von je her und in alle Ewigkeit.
Warten wir nur den 1. Mai ab, da kommt dann noch einiges auf uns zu.
Anschließend müssen wir alle Menschen, die mehr verdienen als Hartz IV abschaffen. Deren Existenz provoziert Autonome nur unnötig.
Anschließend müssen wir Lokale die Autonomen nicht gefallen abschaffen. Deren Existenz provoziert Autonome nur unnötig.
Es ist wichtig Respekt vor Autonomen zu zeigen. Denn die greifen niemals ohne Grund zur Gewalt. Ihre Ideale sind links. Und wann in der Geschichte haben linke Ideen jemals zu Gewalt und Unterdrückung geführt?
Nein, Autonome sind friedlich, pazifistisch, ehrlich, weise, klug und bescheiden, Sie sind die reinsten, schönsten, besten und tollsten Menschen der Welt. Huldigen wir Ihnen, denn alles andere provoziert doch nur unnötig.
Das sich die Organisatoren vor den Karren des schwarzen Blocks spannen lassen ist dieselbe Masche wie sie die leider noch legale NPD anwendet. Auch da gehen die Schläger vor, während die NPD natürlich nichts mit Gewalt zu tun hat.
Rechts und Links außen - wo sind die Unterschiede?
mehr brauche ich zu den hier bezweifelten unterschieden wohl nicht zu sagen. wer die rechts-links-gleichsetzung bemüht, verharmlost rechte gewalt, die sich fast immer gegen menschen richtet und tödlich ausgehen kann. was ist dagegen schon ein kaputtes auto? für viele anscheinend aber doch mindestens genauso wichtig, echt traurig.
Übrigens setzt eine solche gerechtfertigte Festnahme immer ein zuvor verübte Straftat voraus. Die Umsstehende haben natürlich dann auch noch den Festgenommenen beigestanden und Widerstand geleistet.
Ich verstehe es ja auch und es ist es ist enorm frustrierend, wenn man zeitverzögert festgenommen wird und sich eigentlich schon sicher war, daß man unbemerkt u.a. Steine oder Flaschen werfen konnte. Ich sage ja, total gemein von der Polizei.
Durch Festnahmen wird ebensowenig eskaliert, wie durch die bloße Anwesenheit der Polizei.
Die Ausübung des Legalitätsprinzip, der Pflicht Straftaten zu verfolgen ist keine Provoka-, noch Eskalition, sondern gerechtfertigtes Vorgehen gegen Gewalttäter.
Dieses Filmen auf Verdacht ist aber mindestens bedenklich, wenn nicht verboten.
Es würde in Zukunft auf jeden Fall verstärkt Menschen davon abhalten, von ihrem Versammlungsrecht Gebrauch zu machen
Würde die Polizei sicher genauso auf einer CDU-Kundgebung machen, um gesuchte Personen rauszuziehen und zu verhaften.
Da wette ich mein Leben drauf......
Genauso wie bei deser hauptsächlich friedlichen Demo können sich auch bei einer CDU Demo unfriedliche Personen einmischen.
übrigens gibt es in Zehlendorf nicht weniger Kriminalität wie anderswo. Stichwort Wirtschaftskriminalität. ;)
Sowjetische Flaggenträger, "Arbeit ist Scheiße!"-Proklamierer und sonstige blökende Irre sammeln sich eben stets zu ganz bestimmten Anlässen und haben nur eine verschwindend geringe Bereitschaft sich mit "der CDU" oder mit "Zehlendorfer Wirtschaftskriminellen" zu mischen.
So haben Sie wohl recht: Es ist möglich. Aber es ist eben auch möglich, daß sich plötzlich die Pinguine gegen die Menschen verschwören. Darauf ist auch keiner richtig vorbereitet und die Behörden treffen keine geeigneten Vorbeugemaßnahmen. Es trifft wieder nur Sie, Deejay, Sie armer!
liner Polizei, der(Springer)Presse oder Menschen mit gefährlichem Halbwissen. Viel weniger Hysterie und eine nüchterne Betrachtungsweise der Vorgänge oder Denken erleichtert vieles ist angebracht.
Sie wissen aber schon, dass besagte Tafel zusätzlich mit einem Konterfei von Karl Marx bestückt war? Und nur weil Sie anscheinend nicht viel lesen und Marx' Analyse über die Unart der Lohnarbeit nicht kennen, müssen Sie hier ja nicht Anderen Leuten Niveaulosigkeit vorwerfen.
da sind reporter, die mein anliegen schließlich auch dahin transportieren sollen, wo nicht mit demonstriert wird.
und wer sagt eigentlich, dass ununterbrochen gefilmt wurde.
ich stelöle mir eher vor, dass die kameras angehen, wenn etwas gerade passiert und danach laufen sie halt so lange, wie es der strafverfolgung nutzt.
Ich bin den größten Teil der Strecke im vorderen Bereich der Demo mit gelaufen, musste auch immer mal wieder Pausen einlegen, weil der Marsch so langsam war und ständig unterbrochen wurde. Dies lag aber wohl an der Route, die durch ziemlich enge Straßen führte, weswegen die Menschen immer wieder auseinander gezogen wurden.
Was mir schon zu beginn auffiel, war die starke Polizeipräsenz in "Kampfmontur" und mit Videokameras bestückt- was mich verwunderte, weil ich zuvor noch gelesen hatte, dass man in London der Polizei das tragen solcher Kleidung untersagt hatte und ich hätte gedacht, dass man in Berlin ähnlich entspannt auftritt.
Nun denn, so weit ich das überblicken konnte, verlief der Zug ja recht friedlich und am Hackeschen Markt hab ich den dann passieren lassen. Hab bestimmt 30min da gestanden und die einzelnen Gruppen angeschaut, darunter auch ein überschaubarer schwarzer Block. Aber der ging angesichts der Masse an buntem und kreativem Protest ziemlich unter. Bin dann mit den letzen Gruppen auf den Platz am Neptunbrunnen gekommen, aber der Zug staute sich in der Spandauer Str. Die Polizei war nur noch vereinzelt in Grüppchen zu sehen und dann hab ich auf ner Bank vor der Marienkirche sitzend ganz entspannt der Rede Gysis zugehört. Zwischendrin gab es ein paar Prosteste gegen die Polizei,aber wenn das niemand ins Mikro geschrien hätte, hätte ich davon nicht mitbekommen. Vielleicht hab ich nicht das Gespür für Bambule wie Journalisten, Autonome und Polizei-Hundertschaften, aber ich bin auch keine 16 mehr. Ich fand es sehr entspannt dort und das eigentliche gesellschaftliche Drama hat sich an dem Tag ein paar hundert Meter weiter in einem Saturn-Laden abgespielt. Aber das ist ein anderes Thema.
An dieser Stelle sollten auch mal die Polizisten gelobt werden, die regelmäßig ihren Kopf herhalten als Fußabtreter einer kaputten Nation.
Mich hat in Deutschland übrigens noch nie ein Polizist provoziert!
Gruß aus Moabit
Ein Blick in ein Gesetz soll ja manchmal helfen, z.B. § 24 ASOG, Datenerhebung bei öffentlichen Veranstaltungen und Ansammlungen
http://www.berlin.de/imperia/md/content/seninn/abteilungiii/katastrophenschutz/2._3_asog_aktualis.pdf
Die erforderlichen Straftaten haben ja die Annahme im Vorfeld letztendlich untermauert und bloße Übersichtsaufnahmen sind ebenfalls gesetzlich gedeckt.
Umso herber war allerdings die Enttäuschung, wenn es trotz der Flaschenwürfe nicht zu einer Verhaftung kam. Ein verpfuschter Tag- das behielt jeder lieber für sich.
Wenn man diesen Jungs wirklich eins auswischen will, dann gibt´s nur einen Weg: nicht mehr über sie zu berichten.
Leider ist das in der offenen Gesellschaft unmöglich.
MFG
aber ich erinnere mich schon daran, dass manchmal die grünen Jungs und Mädels nicht unbedingt ausschließlich sich deeskalierend verhielten.
Wenn dann nicht nur Szeneblättchen darüber berichten, ob das Verhalten der Polizei unter Umständen vielleicht die Möglichkeit einräumt, dass da was hätte anders laufen können, sollte man vielleicht denn doch mal zuhören, was die Parteien (nicht die im Parlament, die auf der Straße) zu sagen haben.
Natürlich kann es seitens der Polizei falsche Lageeinschätzungen geben, natürlich sind unter den Demonstranten sicher auch krawallbereite gewesen,
aber die sich jeweils hier so in die Brust Werfenden von beiden Seiten, geben mir doch zu denken...
Pro Nase 120 Stunden sozialen Dienst verordnen. Z. B. beim Grünflächenamt. Zwei Wochen Hundek.. aufsammeln sollten für den Sch...staat sensibilisieren :-).
Die eine begründete Festnahme steht in keinem Verhältnis zu den Maßnahmen - so schaut das zumindest für mich aus.
http://board.fcc-supporters.de/phpBB3/viewtopic.php?f=7&t=11252
Je harmloser eine Menge - um so gefährlicher ist sie doch.
Das sollte doch gerade Ihnen - nach den Ereignissen des 9.11. 2001 doch klar sein!
Keiner ist mehr unschuldig!
1. Bemühen Sie sich um ein wenig Kinderstube! Danach reden wir vielleicht weiter.
2. Damit unser Reden wenigstens ein bißchen zielführend ist, können Sie ja schonmal überlegen, wie Sie mir den Vergleich mit dem 11. September erklären wollen.
Wer Gewalt sät, wer Strafe ernten ist halt die Antwort des Staates auf die kriminellen Demonstranten. Nur wer eben Beweissicher eine Straftat aufklärt, dann den Straftäter festnimmt wird Erfolg haben. Klar, früher hat man einfach Leute festgenommen und ermittelt und er,ittelt, die Zeit ist aber vorbei.
Jetzt wird klar und deutlich dokumentiert und festgenommen, so wie es sich gehört für Polizeibeamte. Was erwarten denn die Demonstranten, etwas das die Polizei wartet bis die Versammlung sich auflöst, dann schnell Briefzusteller schickt, mit der Bitte das sich der Adressat bei der Polizei meldet,w eil er ja zuvor eine Straftat begannen hat? Nein, Berlins Polizei darf nicht länger der Buhmann sein, straffällige Demonstranten sind es.
Wenn keinen Straftaten begangen werden, dann schreitet die Polizei auch nicht ein, ganz einfach. Wer das nicht kapiert, sollte vielleicht noch einmal die 1.Klasse besuchen,dort lernt man es denn.
Die Amsterdammer Polizei setzt übrigens schon seit den späten 80ern solche Eingreiftrupps in Zivil ein. In Kleidung den Autonomen angepasst. Der mangelnde Schutz durch die fehlende martialische Uniform wird ausgeglichen durch den Überraschungseffekt. Diese Trupps waren sehr gefürchtet. Das Einschreiten von uniformierter Polizei in Kampfausrüstung hingegen hat sicher einen provozierenden Effekt (das dieser moralisch schlecht begründbar ist, ist eine ganz andere Geschichte)
dass auch sie für die "Krise(n)" bezahlen müssen...
Wenn man überhaupt über das Gewalt ist geil und macht Spaß Niveau hinaus kommt.
Die politischen Ziele werden zweitrangig für diesen bürgerlichen autonomen Kindergarten der Arroganz und Selbstüberschätzung.
Wenn man überhaupt über das Gewalt ist geil und macht Spaß Niveau hinaus kommt.
Die politischen Ziele werden zweitrangig für diesen bürgerlichen autonomen Kindergarten der Arroganz und Selbstüberschätzung.
Das es auch Übergriffe der Polizei gibt ist ebenso sicher, aber das reine friedliche Demos ohne Horden schwarzer Vermummter wahllos von Polizei mit Gewalt provoziert werden kann man wohl nicht ernsthaft behaupten.