Licht aus für Gaslaternen: Die Verwaltung plant, langfristig alle 40.000 Leuchten auszumustern. Grund: Der Betrieb mit Strom soll jährlich Millionen sparen – und das Klima schützen.
Die Stadtentwicklungsverwaltung will die Gaslaternen erneut aus dem Stadtbild verbannen. Im ersten Schritt sollen demnach 8400 Peitschenmaste, Gasreihenleuchte genannt, durch elektrische Anlagen ersetzt werden. Im zweiten Schritt sollen dann etwa von 2014 an auch die rund 30 000 sogenannten Aussatzleuchten elektrisch betrieben werden können. Gas als Energiequelle soll nur noch an wenigen historisch wichtigen Orten Straßenlicht spenden – etwa am Schloss Charlottenburg. Widerstand gegen diese Pläne kommt aus den eigenen Reihen der Koalition, während es bei der Opposition Zustimmung gibt.
Versuche, die Gaslaternen auf Strom umzustellen, gibt es seit Jahren. Die Stadtentwicklungsverwaltung hat jetzt ein Konzept fortentwickelt, das unter der Regie des Bezirksamtes Mitte entstanden – und höchst umstritten – war. Mitte war von 2001 an für die Straßenbeleuchtung in ganz Berlin zuständig, verlor diese Kompetenz aber 2006 wieder an die Stadtentwicklungsverwaltung.
Dort habe man das Konzept von Mitte jetzt neu bearbeitet, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis. Demnach bleibt es dabei, die sogenannten Gasreihenleuchten durch Elektrolampen zu ersetzen. Beide Arten seien auch in der Leuchtkraft kaum zu unterscheiden. Die 8400 Gasleuchten in Peitschenmastform seien zudem in den 50er Jahren meist zwischen elektrischen Anlagen aufgestellt worden; vorwiegend im Westteil der Stadt, sagte Damianakis. Die 8400 Leuchten seien an insgesamt 343 Straßen platziert.
Das Umrüsten auf Strom soll nach Angaben von Damianakis rund 25 Millionen Euro kosten. Bei den Unterhaltungs- und Betriebskosten ließen sich aber anschließend jährlich 4,2 Millionen Euro sparen. Das Gas für den Betrieb einer Lampe koste derzeit im Jahr 322 Euro, für Strom müsse man dagegen nur 33 Euro aufbringen. Durch den geringeren Verbrauch ließen sich zudem rechnerisch 9200 Tonnen Kohlendioxid im Jahr bei der Energiegewinnung sparen.
Im nächsten Schritt will die Verwaltung dann auch die meisten der 30 000 Aufsatzleuchten in historischer Form abschaffen. Mitte hatte nach Angaben von Harald Büttner, dem Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes, eine Laterne entwickeln lassen, die nach dem Umrüsten von Gas auf Strom äußerlich von den herkömmlichen Gaslampen nicht zu unterscheiden sei. Das Straßenbild werde sich dann nicht verändern. Ob dieses Modell übernommen wird, stehe noch nicht fest, sagte Damianakis. Die Verwaltung habe zudem einen Forschungsauftrag erteilt, Leuchtdioden (LED) zu entwickeln, die wie Gaslaternen strahlen. Durchs Umstellen auf Strom würde man jährlich hier etwa 8,5 Millionen Euro sparen – bei Investitionskosten in Höhe von grob geschätzt 77 Millionen Euro. Danach würden dann jährlich 26 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
Jutta Matuschek von den Linken bezweifelt dagegen, ob ein Umrüsten so einfach möglich ist. Zum Verlegen der elektrischen Leitungen müssten Straßen- und Gehwege aufgerissen werden. Marode und erneuerungsbedürftig seien außerdem vor allem die elektrischen Lampen, die gasbetriebenen seien dagegen meist in einem guten Zustand. Die Pläne der Verwaltung sollen in einem Koalitionsgespräch mit der SPD diskutiert werden.
Für das schnelle Umrüsten aller Gaslaternen haben sich gestern dagegen die Grünen und die FDP ausgesprochen. Damit würde auch das Problem der für die Gaslampen erforderlichen Glühstrümpfe minimiert, die radioaktives Thorium enthalten können, erklärte der baupolitische Sprecher der Grünen, Andreas Otto. Sein Kollege Klaus-Peter von Lüdeke von der FDP will durch den Einsatz von optimierten Leuchten mehr Licht an Straßen bei geringeren Kosten als heute schaffen lassen. Ein solches Konzept erfülle dann auch eine „kriminalpräventive Funktion“. Das romantische Faible der CDU-Fraktion für Gaslaternen gehe dagegen an den Realitäten vorbei.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.04.2008)
Kommentare [ 34 ] Kommentar hinzufügen »
Es gibt genügend andere Betätigungsfelder in Berlin!
Hans-Peter Lepper, Zürich
Vielleicht ist aber auch die damalige Vergabe der Lampen an Nuon an die Bedingung geknüpft worden, dass die Wartungsosten steigen, wer weiss das schon...
In Anbetracht der Tatsache, dass die Kosten für eine Gaslaterne 11 mal so hoch sind wie mit Strom, haben Sie bei Ihrer Ausführung leider unberücksichtigt gelassen. Nach 6 Jahren sind diese Umstellungskosten also wieder eingeholt, und von da an spart Berlin jährlich über 4 Millionen Euro. Wenn das mal kein gutes Argument für eine Umstellung ist, weiß ich auch nicht.
Hans-Peter Lepper, Zürich (N.B.: es heisst "Zürcher" - ohne "i", gemäss Uni Zürich)
Nun ja, es handelt sich hier ja nicht um ein paar Gaslaternen, sondern offenbar um 38.000 Laternen, die ausgewechselt werden! Insgesamt hat Berlin so um die 44.000 - von weltweit 77.000! Es befinden sich also von allen Gaslaternen dieser Welt über die Hälfte in Berlin. Irre, nicht wahr?
Ich finde die geplante Auswechslung auch sehr schade, und vielleicht ist das Ausmaß der Auswechslung zu groß. Aber angesichts dieser Zahlen bin ich sofort eingeknickt. Einen solchen Luxus kann sich Berlin bei dem horrenden Schuldenberg einfach nicht leisten.
Wenn das gelingt, dann könnte man denen Form und Farbe der Glühstrümpfe geben und es sollten doch alle zufrieden sein.
LEDs sind äußerst sparsam im Verbrauch, halten sehr lange und sind im Prinzip wartungsfrei. Und wie hell die schon sein können, sieht man ja an diversen inzwischen umgerüsteten Verkehrsampeln.
Apropos Wartung; LEDs halten auch jedem Vandalismus besser stand, als Glühstrümpfe.
http://img100.imageshack.us/my.php?image=11wl4.jpg
http://img100.imageshack.us/my.php?image=14oi8.jpg
Sie steht bei der Verwaltung der Gasversorgung Zürich. In Zürich gab es einst einen ganzen Wanderweg, der mit Gaslaternen beleuchtet war, und zwar vom Üëtliberg hinunter zum Albisgütli. Leider wurden sie gemeuchelt, obwohl viele Wanderer sich für sie und ihren Erhalt einsetzten. Dann steht noch eine Einzellaterne nahe dem ehemaligen Gaswerk Schlieren bei Zürich:
http://img176.imageshack.us/my.php?image=hpim9500mtsp3.jpg
Oh, Ihr glücklichen Berliner: macht das nicht auch kaputt!
Hans-Peter Lepper, Zürich
Aber Scherz beiseite. Ich wünschte mir ja so, dass Sie recht hätten! Aber irgendwas kann bei den von Ihnen zugrunde gelegten Zahlen nicht stimmen. Die Kalkulation stammt immerhin von KPMG und nicht von Harald Wolf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich um das Fünffache verrechnet haben sollen.
Hans-Peter Lepper, Zürich
Laßt es so wie es ist. Wer Gaslaternernen gegen Stromlaternen tauschen will, muß ein Elektrolaternenunternehmen unterstützen wollen, oder nur auffallen wollen.
Zu Recht werden alljährlich hohe Summen für den Denkmalschutz ausgegeben - warum nicht auch ein kleiner Teil für die Mehrkosten der Gasbeleuchtung, wenn dieses schützenswerte Kulturgut auf diese Weise erhalten werden kann? (Zumal für die langfristige Vermeidung dieser Mehrkosten kurz- und mittelfristig Rieseninvestitionen nötig wären.) Und so schlimme Geldfresser können Gasleuchten nicht sein, wenn Prag derart in deren Neuanschaffung investiert...
Berliner Straßenbeleuchtung.Überall wo bis jetzt diesbezügliche
Arbeiten durchgeführt wurden domminiert ein extrem grelles ,
und menschenverachtendes orange-gelbes Licht anstelle von
Gasleuchten oder auch Leuchtstoffröhren.Auch das warmweisse
Licht der Leuchtstoffröhren verschwindet immer mehr.
Eine Bitte an die Verantwortlichen des Berliner Senates :
Lasst Die Berliner Straßenbeleuchtung so wie sie ist
( natürlich mit Ausnahme der brösenlden Betonmaste )
damit berlin auch bei Nacht sehenswert bleibt.
Mit den Gasleuchten verschwindet ein bedeutendes und liebenswertes Merkmal von Berlin.
aber bitte nicht um jeden Preis !
Hans-Peter Lepper, Zürich
http://img212.imageshack.us/my.php?image=berlin191220066017bvc9.jpg
Es ist eine Überwachungskamera, die als Gaslampe getarnt ist! SO kann man es natürlich auch machen, wenn man die Gaslaternen loswerden möchte! Dann hätte ich noch einen Vorschlag: hier geistert doch ein "Gluehwuermchen" umher. Könnte man die Gaslampen nicht mit solchen putzigen Tierchen beleuchten? Die wären noch billiger als elektrischer Strom! /Ironie aus.
Hans-Peter Lepper, Zürich
Die Wahrheit ist. LED´s sind bei weitem nicht so effizient wie die Lampen, die z.Z. in der Straßenbeleuchtung zur Anwendung kommen. Sie Erzeugen durch den Betrieb viel mehr Energiekosten und produzieren dadurch mehr CO2. Die LED´s blenden immens und sind eher gefährlich beim Einsatz, da Autofahrer Gefahren und Fussgänger kaum noch wahrnehmen können und die Leuchten sind viel teurer als herkömmliche Leuchten. Die LED-Leuchten halten rund 50.000 Betriebsstunden, was bei einer Strassenbeleuchtungsbetriebszeit von 4.200 Stunden pro Jahr 12 Jahre Lebensdauer bedeutet. Danach muss die Leuchte komplett getauscht werden. Eine normale Straßenleuchte hält 30 Jahre und länger.
Kurz: LED ist teuer, umweltbelastend und ungeeignet
Und dafür gibt man Geld für einen Forschungsauftrag aus?
Prima!!!!!!