Ab 1. Januar dürfen auch kleine Rassen nur noch mit Beißschutz mitfahren – oder sie müssen in die Box. Tierfreunde halten das für übertrieben.
In Bussen und Bahnen müssen künftig nicht nur große Hunde einen Maulkorb tragen: Ab 1. Januar sind auch für Möpse, Dackel, Pinscher und andere Schoßhunde die lockeren Zeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln vorbei. Beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) treten verschärfte Beförderungsregeln für Tiere in Kraft. Danach reicht es nicht mehr aus, die kleinsten Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Falls sie keinen Maulkorb tragen, muss man sie in einer Box oder Reisetasche transportieren. Halter, die dagegen verstoßen, können zum Aussteigen gezwungen werden. BVG und S-Bahn wollen den Maulkorbzwang allerdings nur „nach Augenmaß“ durchsetzen. Sprecher von Hundevereinen halten das Ganze für „Quatsch“. Eine weitere neue Vorschrift begrüßen aber auch sie: Ab 2010 gilt in Berlin für alle Hunde eine Chip- und Versicherungspflicht.
Die VBB-Beförderungsregeln gelten für die BVG und S-Bahn in Berlin sowie für 40 öffentliche Verkehrsunternehmen in Brandenburg. Bisher waren dort nur Maulkörbe für große Hunde vorgeschrieben. Offenbar auf Initiative der Verkehrsbetriebe in Brandenburg/Havel, wird diese Regelung aber nun auf Dackel oder Zwergpudel ausgedehnt. Das habe man mit allen Mitgliedsunternehmen vereinbart, heißt es beim VBB. Selbst der kleinste und liebste Hund könne bei einer Notbremsung durchdrehen und „zum Beißer werden“, begründet eine Sprecherin die neue Vorschrift. Deshalb sollte man auch Zwerghunden einen Maulkorb anlegen oder sie in „geeigneten Behältnissen“ unterbringen.
Allerdings ist die neue Maulkorb-Vorschrift bundesweit ziemlich einmalig. Bei den meisten Verkehrsverbünden werden nur Kampfhunderassen entsprechend reglementiert. „Auf so eine Idee würden wir nicht kommen“, wundert sich beispielsweise Beate Brennauer vom MVV München. „Mini-Beißer“ seien in Bussen und Bahnen noch nie ein Problem gewesen. Auch in Berlin sind solche Vorfälle sehr selten. Der Berliner Fahrgastverband (IGEB) rät deshalb Kontrolleuren und Busfahrern zu „Fingerspitzengefühl“. Sie sollten jetzt nicht „ältere Damen mit Pinschern“ drangsalieren. Doch andererseits könnten auch kleine Hunde durchaus aggressiv sein, gibt IGEB-Sprecher Jens Wieseke zu bedenken.
Für Herbert Simiot, den Berliner Vorsitzenden des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), ist die neue Regelung „absurd und völlig überzogen“. Künftig müsse man „jedes Frauchen oder Herrchen, das mit einem Schoßhund anreist, vorwarnen“, sagt er. „Unter dem Motto: In Berlin nicht oben ohne!“ Simiot erwartet nun eine größere Nachfrage nach Mini-Maulkörben der Größen 0 oder 1. Die gibt es für fünf bis zehn Euro im Tierhandel zu kaufen. Man könne sie problemlos anlegen, sagt eine Verkäuferin. „Einfach über die Schnauze stülpen und dann zuklicken.“
Die Berliner Verkehrsbetriebe und die S-Bahn kündigen allerdings einen moderaten Umgang mit dem erweiterten Maulkorbzwang an. „Wir wollen keinen Krieg mit Hundehaltern“, sagt eine BVG-Sprecherin. Busfahrer und Kontrolleure sollten „mit Augenmaß“ selbst entscheiden, ob sie Ausnahmen machen, erklären beide Verkehrsbetrieben übereinstimmend. Herbert Simiot vom Hundeverband bleibt aber dennoch skeptisch: „Dann sind wir also in Zukunft davon abhängig, wie ein Kontrolleur gerade mal drauf ist.“
Als „sinnvoll“ wertet hingegen auch Herbert Simiot eine Regelung im Berliner Hundegesetz, die ab 2010 in Kraft tritt. Künftig müssen alle Hunde haftpflichtversichert sein und mit einem Mikrochip unterhalb des linken Ohres unter dem Fell gekennzeichnet werden. Bisher war dies nur für neu angeschaffte Tiere vorgeschrieben. Der Mikrochip wird für etwa 40 Euro ins Ohr eingepflanzt. Mit den gespeicherten Daten kann jedes streunende oder bissig gewordene Tier sofort identifiziert werden.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 29.12.2009)
Kommentare [ 114 ] Kommentar hinzufügen »
Und vorallem kann auch bei "normalen", kleineren Hunden niemand wissen, wie aggressiv, neurotisch oder schlecht erzogen der unbekannte Hund tatsächlich ist und welche potenzielle Gefahr von ihm, z.B. für Kleinkinder objektiv ausgeht.
Daher begrüsse ich die Pflicht zu Maulkorb & Leine in Bussen und Bahnen sehr!
Sie schafft für alle Beteiligten die Sicherheit, dort nicht gebissen oder abgeleckt bzw. angesabbert werden zu können. Insbesondere Kinder brauchen dann auch keine Angst mehr vor Hunden zu haben.
Dagegen ist der Mehraufwand für die Hundebesitzer minimal, da die Maulkörbe wenig kosten und problemlos zu transportieren sind. Auch die "Belastung" der Tiere ist nach kurzer Gewöhnung gering.
Die Hundebesitzer, die sich hier aufregen - weil sie das subjektive Gefühl haben, dass da jemand ihren armen Fiffis was will bzw. ihnen Unrecht tut - sollen sich bitte wieder emotional einkriegen.
Berggeist
Wie viele (wenige!) der Hunde werden erst irritiert oder gar agressiv, weil man ihnen Zeugs "ganz einfah mit einem Klick" Plastikkram über die Nase stülpt? Auch das sind sicher nur wenige - aber vielleicht mehr, als ohne?
Hier wird mal wieder mit Halbwissen und dafür viel Populismus eine unintelligente, unqualifizierte Pseudo-Lösung durchgepaukt, bei der dann irgendwann "Verantwortliche" jegliche Verantwortung eben los sind, weil sie alles in Vorschriften verregelt haben - dass die nicht praktikabel, urealistisch und nicht wirkungsvoll sind, ist ja dann nicht ihr Problem - sondern das der "bösen" Hundehalter der "guten" Fahrgäste mit durch solche Maßnahmen gesteigerter Angst oder der Kontrolleure, die den Quatsch ausbaden müssen (und dann am End Schuld sind, wenn's schief geht?).
Berggeist
Sie erleben es wohl anders: Laufend werden Sie von stinkenden Hunden angehaucht und angesabbert. Wodurch wirken Sie so anziehend?
Hunde gehören in der Stadt verboten!
Am liebsten gleich ab 1.1.2011. Ich bin dafür.
Nichtsdestotrotz sollte es beim Stande der heutigen Technik möglich sein, diesen Mikrochips die Eigenschaft mitzugeben, den Hundeorganismus anzuregen, die Verdauungsendprodukte eindeutig und rückführbar zu kennzeichnen. Sozusagen eine Art künstlicher genetischer Abdruck. Endlich erfolgversprechende Ermittlung der Haufenverursacher. Bisher muß man sich auf die Lauer legen und Hund und Frau-/Herrchen in Flagranti ertappen. In besonder beratungsresistenten Fällen wirkt übrigens die Verbringung der Hinterlassenschaft in den heimischen Briefkasten der/des Hundehalters/in wahre Wunder. Das kann man sich dann alles sparen; wäre außerdem eine erfolgversprechende Thematik für den Innovationspreis Berlin-Brandenburg 2010.....
Ein Hund fühlt sich in solch einer Situation bedroht.
Bellt oder schnappt er dann, ist das Geschrei groß.
Nicht der Hund ist unvernünftig, sondern der Mensch.
Nur in überfüllten Bussen und Bahnen sollte zur Sicherheit des Hundes, ein Maulkorb angebracht werden.
Eine Hundehaftpflicht halte ich für sinnvoll und der Hundehalter müßte selbst entscheiden können, ob der Hund einen Chip eingesetzt bekommt. Wenn der Gesetzgeber das will, soll er das aus der Hundesteuer (120 € im Jahr) finanzieren.
Was wird eigentlich mit der Hundesteuer finanziert?
Oder ist das nur eine Einnahmequelle für das Bezirksamt oder den Senat?
Jedenfalls Hundeauslaufplätze oder Hundekotbeutel bzw. Mülleimer werden viel zu wenig oder gar nicht bereitgestellt.
Seit dem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.
Richtig, und deshalb sollte die Hundehaltung verboten werden.
Wieder andere schwören z. B. auf
Suchhunde, Hütehunde, Blindenhunde u.v.a.
111 Gründe, HUNDE zu lieben
Berggeist
Entweder gibt es eine Vorschrift, dann ist sie von allen einzuhalten, oder man erlässt solche Regelungen erst gar nicht.
Sonst haben wir bald dasselbe Syndrom des Nichteinhaltens wie in vielen anderen Bereichen: Hunde auf Straßen und Gehsteige kacken zu lassen, ohne die unappetitliche Hinterlassenschaft zu entsorgen, öffentliches Straßenland zu vermüllen etc. Ist alles bußgeldbewehrt, aber keinen kümmert's, weil auf Fehlverhalten keine Sanktion folgt.
Eine Maulkorbpflicht zu erlassen und im gleichen Atemzug zu einer windelweichen Auslegung aufzufordern, ist im höchsten Maße kontraproduktiv, damit demontiert sich die Ordungsmacht doch selbst und macht sich zu Kasper.
Dann soll man es doch besser gleich sein lassen.
Kleines Beispiel für unflexible Dogmatiker:
In einem PKW ist ein Hund in einer verankerten Tasche, einer Box oder aber an einem Spezialgurt und Geschirr mitzunehmen, ohne dass die Abzocker eine Gelegenheit bekommen Geld zu kassieren. Bei manchen Kommentaren komme ich mir vor, als wären sie im Mittelalter oder bei Stalin geschrieben worden.
Hunde nicht frei im Wagen mitfahren zu lassen ist nicht nur vernünftig, sondern eine Frage der Sicherheit für alle Insassen, den Hund inbegriffen. Das Geschirr ist im Falle des Anhängesn in der Klinke des Sicherheitgurtes notwendig, weil sich der Hund im Falle des Unfalles oder sehr scharfen Bremsens am Halsband strangulieren könnte. Dennoch sollte man die Box bevorzugen, dabei aber eine hochwertige einsetzen, die nicht zu Bruch geht, wie es kürzlich erst bei einem Unfall in der Nähe von Basdorf geschehen ist. Die Box war zerdrückt und zersplittert und ein Mutterhund wurde verletzt. Ein jugendlicher Raser (ohne Hund) hatte den Wagen der Hundebesitzerin auf deren Fahrspur frontal gerammt und sie dabei schwer verletzt. Die Medien berichteten über diesen schweren Unfall. Logischer Schluss jedes dogmatischen Fanatikers: Alle Raser haben keine Hunde, und alle Leute ohne Hunde sind Raser. "ggg"
Berggeist
Eine Pflicht für nur einige Hunderassen führt zu abertausenden von Ausnahmeregelungen, die niemand mehr im Stande ist, ernsthaft zu kontrollieren
Das nenn' ich wahre Freundschaft und Ehrlichkeit !
Berggeist
Berggeist
Diese Halter sollen gern zahlen. Ich denke aber das viele "Randgruppen" das überhaupt nicht zahlen können weil die ja eh nichts haben.
"Tierfreunde" hätten bestimmt auch was dagegen wenn ich ein stinkendes Paket Kot mit mir in Bus und Bahn schleppen würde.
Abgesehen von der riesigen Zahl der geliebten Vierbeiner der Berliner, sind da die vielen unverzichtbaren Helfer, die als Diensthunde, also Spürhunde aller Art, Rettungshunde und auch Blindenführhunde eine Dienst leisten, auf den wir Menschen nicht verzichten können. Der Schweizer Bernhardiner Barry rettete mehr als 40 Menschen das Leben.
http://www.swissinfo.ch/ger/index.html?cid=573814
Was maßt sich eigentlich dieser angeblich zivilisierte, großkotzige Mensch dieser vermeintlich gutbürgerlichen Gesellschaft an?
Berggeist
Berggeist
... ich war nach den 1. Zeilen schon so auf 180, das ich den anderen Kommentar glatt links liegengelassen habe ...
Schönen Tag noch[b][/b]
Voilà !
Mal ganz abgesehen davon das vermutlich nur ca. die hälfte aller Hunde in der Stadt "artgerecht" gehalten werden, was eigentlich ein weiterer Grund wäre. Aber komsicher Weise macht man sich mehr Gedanken darum ob die Tiere bei einem Zirkus (Hier rüber denkt Senat nach) oder im Zoo (Wie war das doch gleich mit Peta und Knut) artgerecht gehalten werden, als darum ob auch die Massen von Hunden in der Stadt artgerecht gehalten werden.
Tut mir leid, das ist nichts weiter als scheinheiliges Getue.
Hunde gehören nun mal nicht in die Stadt. Wer sich partou als Herr über ein Tier aufspielen muss, nun es gibt genug "Kleintiere" die nicht so einen Dreck hinterlassen wie ein Hund und auch nicht so gefährlich sind. Muss erst das nächste Kind von einem "verhaltensgestörten" Hund entstellt oder totgebissen werden ? Auch hier "komisch", nach dem letzten Amoklauf haben alle nach einem Verbot von Killerspielen geschrien, wenn aber ein Hund ein Kind entstellt oder totbeißt wird nicht nach einem "Hundeverbot" gerufen. Und das obwohl ein Hund immer ein "potenzielles" Risko darstellt.